Film-Kritik: Dick und Jane: Money, Money, Money

Film-Kritik : Dick und Jane: Money, Money, Money

Das Ehepaar Harper hat's geschafft: ihre Villa ist groß und prächtig, der Rasen wird gerade von billigen mexikanischen Hilfsgärtnern ausgerollt. Dick, der Hausherr, wird zum Vizepräsidenten des Weltkonzerns Globodyne befördert. Alles super. Doch plötzlich geht es nicht nur nicht mehr nach oben, sondern sturzartig hinab: Der Konzert macht pleite, das Geld geht aus. Dick und Jane wollen sich damit nicht abfinden, koste es, was es wolle...

Das Ehepaar nimmt dafür sogar kriminelle Machenschaften in Kauf, und das flotte Remake einer Gaunerkomödie aus den Siebzigern passt sich mit Leichtigkeit ans Heute an. Denn nur zu gut eignet sich der Zusammenbruch der "New Economy" und der spektakuläre Bankrott des Enron-Konzerns durch Bilanzbetrug im Jahre 2001 zur Auffrischung der Geschichte. Genüsslich karikiert die Komödie mit dem hysterischen Komiker Jim Carrey in der Hauptrolle den Existenzkampf vieler hart arbeitender amerikanischer Familienväter, die ihr Schäfchen im Trocknen glaubten und plötzlich nicht nur ihre Arbeit und ihren Rollrasen, sondern mit den Pensionskassen auch ihre Zukunft verloren.

So wird im Land, in dessen Verfassung die Pflicht zum Glücklichwerden steht, gnadenlos der Absturz von fast oben bis fast unten durchexerziert: Dick landet auf der Suche nach irgendeinem Job in einem Billig-Supermarkt und schließlich, als Tagelöhner im Kreise illegaler mexikanischer Einwanderer, gar in Abschiebehaft. Jane gibt derweil erfolglos Trainerstunden im Fitness-Studio, in dem die Nachbarsgattinnen sporteln. Die Existenz als Hamsterrad: Schließlich testet sie als menschliches Versuchskaninchen Botox ähnliche Kosmetika, die ihre Lippen grotesk anschwellen lassen.

Kriminell sein ist noch lustiger als arm sein

Und wo diese groß budgetierte Hollywood'sche Absturzfantasie einer weißen Mittelstands-Familie angesichts schlimmeren realen Leides oft zynisch wirkt, da überzeugt die Komödie andererseits mit frechen Seitenhieben auf den "american way of life" und eine gleichgeschaltete, konsumfreudige Angestellten-Kultur, die um jeden Preis die Fassade wahren will. Die BMWs der mittleren Management-Chargen, ihre radebrechenden Latino-Hausmädchen, ihre Vororthäuser im Country-Stil, vollgestopft mit Elektro-Schnickschnack: Alles ist identisch. Das herzzerreißendste Geschrei erzeugt, beim Söhnchen, der Abtransport des Plasmafernsehers.

Der diabolische Jim Carrey, dessen "Keep Smiling" sich angesichts der Kontosperre zur verzweifelten Fratze verzieht, tobt sich mit seiner unerschütterlichen Partnerin Téa Leoni aber vor allem mit Räuber-Slapstick aus. Anfangs zögerlich und bald voll anarchischer Verve überfallt das Paar in schrillen Kostümen ihresgleichen Villen. Das füllt die Haushaltskasse und stimuliert das Liebesleben. Und weil dies ein Familienfilm mit Wasserspritzpistole ist, kommt niemand zu Schaden: weder die kleinen kriminellen Fische, noch die großen in Gestalt des sardonischen Pleitiers Jack, gespielt von Alec Baldwin.

So erleichternd es auch für den Zuschauer ist, wenn der schleimige Konzernchef in einem Robin-Hood-Bravourstück um die beiseite geschafften Millionen erleichtert wird: Satire sieht anders aus. Alles bleibt nett und harmlos, selbst wenn kurz der reale Verbraucheranwalt Ralph Nader und im Statisten-Abspann Namen von Enron, WorldCom und anderen Pleitefirmen auftauchen.

Und das Heer mexikanischer Illegaler dient als komische Staffage und keinesfalls als Aufruf zum Klassenkampf. Wenn die Kleinfamilie trotz überwundener Finanzkrise den popeligen Kleinwagen behält, ist schon der Gipfel gesellschaftlicher Aufmüpfigkeit erreicht.

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(ap)