"The Amazing Spider-Man" im Kino: Der romantische Superheld

"The Amazing Spider-Man" im Kino : Der romantische Superheld

Der 28-jährige Andrew Garfield spielt in "The Amazing Spider-Man" erstmals den sympathischsten aller Superhelden. Wie die Vorgängerfilme ist auch die neue Lieferung der Saga ebenso Liebesgeschichte wie Action-Drama. Spider-Man verliebt sich nun in die wunderbare Emma Stone.

Das ist nicht bloß ein Actionfilm, sondern eine Romanze, und die schönste Szene darin ist diese: Spiderman steht mit dem Mädchen, das drauf und dran ist, seine Freundin zu werden, auf dem Dach eines Wolkenkratzers. Sie will küssen, er möchte lieber reden.

Er ist soeben in den Besitz unheimlicher Superkräfte gekommen, weil ihn eine genetisch manipulierte Spinne gebissen hat — das muss raus. Er sagt "beißen", sie hört "küssen", so läuft es hin und her — bis sie sich genervt abwendet und geht. Also lässt er die klebrigen Spinnenweb-Fäden aus den Handgelenken schießen, fängt das Mädchen damit ein und holt es mit Schwung zurück.

Sie küssen sich, dann schreit unten eine Polizeisirene. Er muss los und springt hinab in die Straßenschluchten New Yorks. Selten sah man ein treffenderes Sinnbild für die Redensart "to fall in love".

Die Geschichte noch einmal? Ja!

"The Amazing Spider-Man" heißt dieser Film, und wer dachte, dass es Quatsch sei, diese Geschichte abermals auf die Leinwand zu bringen, sieht sich getäuscht. Vor zehn Jahren erst begann der Regisseur Sam Raimi eine Reihe von drei Filmen mit Tobey Maguire als Superheld Peter Parker und Kirsten Dunst als seine Freundin Mary Jane.

Die ersten beiden Produktionen waren sehr schön, sie unterscheiden sich stark von den vielen Comic-Verfilmungen, die seither im Wochentakt in die Kinos kommen. Ihre Hauptfigur ist ein Schussel ohne Muskelpakete, ein Mensch, der nur zufällig im Spinnenkostüm Wände hochlaufen kann, ansonsten aber fehlt, irrt und sehnt.

Er bleibt stets ein Liebender, und die Einstellung, in der Spider-Man im ersten Teil kopfüber seine Mary Jane küsst, gehört zu den großen Kinobildern unserer Zeit. Der dritte Teil war dann eher mühsam, der Titel "teuerster Film aller Zeiten" lastete auf der Story, und vor der Produktion von Teil vier überwarf sich Sam Raimi mit dem produzierenden Studio Sony.

Dort mochte man indes nicht von dem Stoff lassen, und so entschloss man sich zur Modernisierung: neues Team und 3D. Der 28-jährige Andrew Garfield spielt nun die Titelrolle, viele kennen ihn aus seiner Rolle als Kumpel Mark Zuckerbergs im Kino-Hit "The Social Network".

Peter Parkers Eltern

Er bewegt sich anders als sein Vorgänger, geschmeidiger, wie ein Skateboarder, er rumpelt nicht durch die große Stadt, er gleitet. Und noch etwas ist neu: Zum Auftakt des Films sieht der Zuschauer Peter Parker mit seinen Eltern. Das ist eine kleine Sensation, denn das Waisenkind Parker wuchs laut Überlieferung bei Onkel und Tante auf.

Hier erfährt man, wie es dazu kam: Der Vater arbeitete als Wissenschaftler an einer Formel, die Krankheit und Schwäche aus der Welt schaffen kann, und daran hatten auch dunkle Mächte ein Interesse. Parkers Eltern mussten untertauchen, sie gaben den Sohn in die Obhut der Verwandten, und sie sahen einander nicht wieder.

Der Film überspringt nach der Ouvertüre zwölf Jahre. Es ist das New York der Gegenwart, die 3D-Kamera fährt so knapp über die Antennen der hohen Häuser, dass man ihre Spitzen am Bauch kitzeln spürt. Ein früherer Kollege von Parkers Vater arbeitet inzwischen für einen großen Pharma-Konzern, er ist nahe dran, an jene Formel zu gelangen, und auch er will damit nicht nur Gutes tun.

Gut aussehende Echse

Rhys Ifans, der hygienisch riskante Mitbewohner von Hugh Grant in "Notting Hill", spielt den Bösewicht, wobei die eigentliche Herausforderung darin besteht, auch dann noch gut auszusehen, wenn er sich in eine gewaltige Echse verwandelt, die die Welt vernichten möchte.

Man sieht es schon: Das Drehbuch folgt auf der Superhelden-Ebene traditionellen Mustern. Besonderes hat es allerdings vorgesehen für das Privatleben Peter Parkers. Er ist 17 Jahre alt, geht zur High School, und in einigen Kursen sitzt Gwen Stacy neben ihm, jenes kusswillige Mädchen vom Dach.

Emma Stone (23) übernimmt diese Rolle, sie sagt solche Sätze: "Das war dumm, was du getan hast. Dumm, aber großartig", und wer sie ansieht, wünscht sich ewiges Leben in Klasse neun. Emma Stone verführte bereits Ryan Gosling in "Crazy, Stupid, Love", da schaute man der Anbändelung schmunzelnd zu, und hier nun wieder.

Probleme mit dem Computer

Man erlebt selten, dass es dermaßen funkt zwischen Schauspielern: Spider-Man und seine Freundin schäkern und flirten, sie schauen und kokettieren, und genau genommen ist das eine sehr zeitgemäße Initiationsgeschichte, eine Erzählung über das Erwachsenwerden — coming of age.

Der neue "Spider-Man"-Regisseur Marc Webb kann so etwas, er bewies das vor drei Jahren mit seinem Debüt "(500) Days Of Summer", einer kleinen und warmherzigen Komödie, in der ein Glückwunschkarten-Designer die wunderbare Zooey Deschanel erobern darf.

Nun also Garfield und Stone, und wie er sie einweiht in das Geheimnis, dass neuerdings die Tasten des Computers an seinen Spinnenfingern kleben bleiben, ist charmant. Das ist ja das große Problem der Superhelden: Sie dürfen niemandem sagen, dass sie eben die Welt gerettet haben, nur Gwen Stacy weiß vom Nebenjob ihres Freundes — welch ein Liebesbeweis.

Natürlich nimmt die Geschichte für das Monster — das aussieht wie der "Schrecken vom Amazonas" von Kultregisseur Jack Arnold — ein übles Ende. Anders ergeht es den Hauptdarstellern. Sie sind seit Ende der Dreharbeiten auch im echten Leben ein Paar, heißt es.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "The Amazing Spider-Man": Alles auf Anfang

(RP/csr/rm/sap)