Film-Kritik: Der kleine Eisbär 2: Gar nicht frostig

Film-Kritik : Der kleine Eisbär 2: Gar nicht frostig

Schon im ersten Teil paddelte sich "Der kleine Eisbär" mit seinem süßen Gesicht und seiner vorwitzigen Art in die Herzen von kleinen und großen Zuschauern. Jetzt bricht Lars auf, mit seinen Freunden weit weg vom heimatlichen Nordpol die aufregendsten Abenteuer zu bestehen - unfreiwillig geht es diesmal zu den Galapagos-Inseln.

Auf, unter und sogar im Eis ist immer was los, wenn sich der kleine Eisbär Lars und seine Freunde treffen. Doch wie im Vorgängerfilm verschlägt es den weißen Wuschel in wärmere Gegenden: Eisbär-Rowdys sperren Lars, Robbe Robby und Pinguin Caruso in einen Güterzug in Richtung Süden, der zum Glück tiefgekühlte Fische transportiert. Nach einigen Fährnissen stranden die drei auf den Galapagos-Inseln.

Die Regisseure Piet de Rycker und Thilo Graf Rothkirch binden dem Kinderpublikum ab 29. September zum zweiten Mal einen Eisbären auf. Nachdem ihr erster "Kleiner Eisbär" im Jahre 2001 mit 2,6 Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Kinderfilm aller Zeiten war und ihr nachfolgender Animationsfilm "Lauras Stern" den Deutschen Filmpreis einheimste, ist das Regieduo sowohl seinem Team wie seinem anmutig gemächlichen Stil treu geblieben.

Wieder hat die Crème deutscher Komiker den Trickfilmfiguren ihre markanten Stimmen geliehen: Anke Engelke, Dirk Bach, Atze Schröder, Maximilian Artajo und andere; neu dabei ist die kleine "Schnappi, das Krokodil"-Sängerin Joy Gruttmann.

Diesmal besteht die Handlung statt aus Episoden aus einer durchgängigen Geschichte: Lars entdeckt im ewigen Eis das Gerippe eines prähistorischen Riesenfisches, dessen lebende Version er später im Meer vor Galapagos entdeckt. Ein naseweiser kleiner Bub schießt Unterwasserfotos vom Eisbär und dem offiziell ausgestorbenen Urvieh und schickt sie per Internet zu zwei Forschern am Nordpol. Diese fliegen auf die Insel, um den Fisch zu fangen - mit vier blinden Passagieren im Gepäck, die ebenfalls die Fotos gesehen haben. Eisbärmädchen Greta will zu Lars, die anderen Bären dagegen haben Appetit auf Galapagos-Nessie.

Tiere sind die besseren Menschen

Man darf gespannt sein, ob die frühkindliche Zielgruppe diese um die Ecke gedachte Geschichte begreifen wird. Doch davon abgesehen bietet das Zeichentrickmärchen eine liebevoll und duftig ausgemalte Galapagos-Flora und Fauna mit Iguana-Echsen, lustigen Vögeln und herzallerliebsten frisch geschlüpften Schildkrötenbabys, die fröhlich ins Meer plumpsen. Und kein Dinosaurier schaut trauriger als der unter Vulkantrümmern eingeklemmte sanftmütige Urzeitfisch. Die Homo-Sapiens-Spezies dagegen spielt in diesem Paradies die undankbare Rolle des Störenfriedes, der weiträumig umgangen werden muss.

Die besseren Menschen sind allemal die Tiere, deren meist vorbildliche Toleranz, Hilfsbereitschaft und Wohlerzogenheit dem Film nicht nur das Prädikat wertvoll sichern. Das ganzheitlich bewegte Märchen vermeidet Hektik ebenso wie echte Bösewichte und setzt auf Poesie statt auf abgeklärten, "erwachsenen" Zynismus: ein idealistischer Gegenentwurf zu den Spektakeln von Disney & Co. Die Botschaft von Vertrauen und Harmonie ist nicht nur gut gemeint, sondern kindgerecht und ohne Penetranz, allerdings auch eher humorlos, ins Bild gesetzt. Dennoch bleibt der Subtext bitter: Gefressen werden nur die kleinen Fische.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der kleine Eisbär 2

(ap)
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