Johnny Depp in "Dark Shadows" von Tim Burton: Der ironische Höhepunkt des Vampir-Booms

Johnny Depp in "Dark Shadows" von Tim Burton : Der ironische Höhepunkt des Vampir-Booms

In seinen vielen Filmen mit Regisseur Tim Burton sah Johnny Depp selten richtig gesund aus, doch selbst der Tod steht ihm gut: Als Barnabas, der Vampir, beherrscht Burtons Lieblingsschauspieler (seit "Edward mit den Scherenhänden") erneut die Leinwand. Mit kalkweißem Gesicht, schwarzen Stirnfransen und exzentrischem Zwirn könnte man ihn auf jeden Laufsteg schicken.

Wenn sich Johnny Depp unter Tim Burtons Regie in einen Vampir verwandelt, weckt das hohe Erwartungen.

Wer könnte einen zugleich charmanten und dämonisch grausamen Sonderling besser verkörpern als eine Mischung aus Willy Wonka (aus "Charlie und die Schokoladenfabrik") und "Sweeney Todd — Der teuflische Barbier", gewürzt mit einer Prise von Captain Sparrow, den Johnny Depp wie eine weitere Figur aus Tim Burtons Welt in den "Pirates of the Caribbean" ausführte!

Die Vorgeschichte wird in stimmungsvollen Bildern erzählt: mit dem Hafen von Liverpool, in dem der Unternehmer Collins und seine Familie im Jahre 1752 ihre Reise nach Amerika antreten, und — 20 Jahre später — dem Blick von Schloss Collinwood auf Collinsport, ein Hafenstädtchen in Neuengland, in dem alle Fischkutter den Reichtum der Familie Collins mehren.

Fastfood-Leuchtreklame über nächtlichem Wald

Doch Barnabas, der Sohn und Erbe, ein leichenblasser Frauenliebling, weist die Liebeserklärung einer schönen Hexe rüde ab, wird in einen Vampir verwandelt, in einem Sarg vergraben und erst 200 Jahre später befreit.

Wie Barnabas, nach einem ersten, vampirisch wilden Gemetzel unter den unglücklichen Bauarbeitern, die ihn aus seinem Sarg befreiten, sich wieder in einen altmodischen Gentleman verwandelt, und wie ihn der erste Vorbote moderner Zivilisation — eine Fastfood-Leuchtreklame über nächtlichem Wald — als unerklärliches Teufelswerk erschreckt, und wie er sich in Schloss Collinwood einführt, wird fantasievoll komisch ausgemalt. Doch bald wird deutlich, dass der Regisseur mit den vielen Figuren, die umständlich vorgestellt werden, wenig anfangen kann.

Akrobatisch wilde Sexszene

Tim Burton wollte wohl möglichst viele Personen aus der legendären Fernsehserie "Dark Shadows" (1966 — 1970) unterbringen, die als Drehbuchvorlage diente. Doch selbst Michelle Pfeiffer bleibt als Hausherrin zur bloßen Stichwort-Geberin für Johnny Depp verdammt.

Auch Helena Bonham-Carter hat als Hausärztin nur ein paar kurze Auftritte. Viel zu spät taucht die schöne Hexe Angelique (Eva Green) wieder auf und tobt sich mit ihrem geliebt-gehassten Vampir in einer akrobatisch wilden Sexszene aus, bei der ein ganzer Salon zertrümmert wird.

Der Film vergräbt sich im schaurig schönen Dämmer grandioser Schlossgemächer, weil Tim Burton mit der bunten Außenwelt von 1972 so wenig anfangen kann wie sein Held Barnabas. Der beendet ein Gespräch mit Hippies über Krieg und Frieden mit der jähen Ankündigung, nun müsse er alle töten. Und auf dem von ihm angeordneten Schlossfest kann nicht einmal Alice Coopers Auftritt mit dem Song "No More Mr. Nice Guy" für ausgelassene Stimmung sorgen.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

(RP/csr/rm)