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Der Hobbit: Peter Jackson schließt seine "Hobbit"-Trilogie ab

Die Trilogie findet ein Ende : Großes Finale für den kleinen "Hobbit"

Peter Jackson schließt seine monumentale "Hobbit"-Trilogie mit einem großartigen Film ab. Das Kapitel Mittelerde ist nun nach 13 Jahren beendet. Die Filme setzen die Maßstäbe für künftige digitale Produktionen.

Eine Ära geht zu Ende, das darf man ruhig so bombastisch formulieren. Die letzte Lieferung des "Hobbit" kommt also nächste Woche in die Kinos, dann ist das Abenteuer vorbei. Nimmt man die "Herr der Ringe"-Trilogie dazu, werden die Zuschauer 13 Jahre mit Peter Jackson in Mittelerde verbracht haben. Zuletzt wirkte der eine oder andere denn auch etwas ermattet. Der 1937 erschienene "Hobbit" von J. R. R. Tolkien ist ja ein Kinderbuch und nur 300 Seiten lang; daraus drei jeweils überlange Filme zu pressen, ist nicht eben wenig. Da wird die eine oder andere Einzellieferung leicht zum Fest der gedehnten Zeit - "Hobbit" Teil eins ist das beste Beispiel. Nach Ansicht des großartigen Finales hört man sich nun aber doch vor Wehmut seufzen: Schade, dass es vorüber ist.

Peter Jackson hat mit diesen Filmen Maßstäbe gesetzt, und zwar für die Möglichkeiten des digitalen Kinos. "Mehr ist mehr" lautet seine Devise, bei ihm folgt auf jedes "noch" ein "nöcher", und vielleicht ist er sogar der erste Regisseur, der buchstäblich in den Besitz der Allmacht über das Geschehen auf der Leinwand gelangt ist. Es ist virtuos, wie er mit gewaltiger Rechenleistung Massen von Figuren und kriegerischen Wesen verschiebt. Wie er Daten zu wunderschönen und abgrundtief hässlichen Bildern türmt. Wie er Totalen gegen Großaufnahmen schneidet. Wie er Burgen aussehen lässt, als seien sie von M. C. Escher gemalt worden. Wie er Kleinigkeiten aus Wimmelbildern herausarbeitet. Und wie er die Kamera fliegen lässt - tollkühn, rasant.

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Sein Meisterstück ist dabei sicher der Drache Smaug, den er im zweiten Teil des "Hobbit" vorführte. Erwachsene, die dessen Mimik sehen, das Schieflegen des Kopfes, die grinsende Koketterie, mögen sich fühlen wie damals bei den Filmen von Steven Spielberg, als man auch nicht fassen konnte, was man sah. Mit Smaug beginnt nun auch Teil drei. Titel: "Die Schlacht der fünf Heere". Das Viech verwüstet die Seestadt Esgaroth, und wie es das tut, das mutet wie ein Ballett an, eine aufregende Choreografie, brutal und doch feingliedrig, ein atemnehmender Einstieg. Erst als das Ungeheuer vom Bogenschützen erledigt wird, kehrt ein wenig Ruhe ein, außerdem erscheint nun erstmals der Filmtitel auf der Leinwand. Hello Goodbye Mittelerde.

Diese Lieferung ist bei allem Hang zum Epos, bei allem nur mit wagnerianischen Maßstäben vergleichbaren Größenwahn der schlankeste und pointierteste. Es gibt hinreißende Bilder wie das von der barfüßig und lilienweiß vor höllenschwarzem Prospekt einherschreitenden Cate Blanchett. Oder - vollkommen unfassbar - der scheinbar besiegte Anführer der Orks, der ins Wasser fällt, den man sodann durch die gefrorene Wasseroberfläche hindurch auf dem Rücken schwimmend durch die Tiefe gleiten sieht und der dann die Augen aufschlägt, aufsteht, das Eis zerbricht und kämpft und wütet. Zwischendurch bleibt stets Zeit für ein verschmunzeltes Detail; wenn der Heeresführer der Zwerge auf einem grunzenden Schwein heranreitet etwa - da wiehert der Tolkienist.

Zwischendurch verliert man leicht den Überblick: Wer kämpft nun eigentlich gegen wen, und warum stoßen zu Zwergen-, Ork- und Elbenheer auch noch Adler-Armee und Bärenmensch? Es kann nicht schaden, die Taschenbuchausgabe mitzuführen, als Betriebsanleitung sozusagen, Reiseführer und Spielplan. Das ist Illusions- und Überwältigungskino, und es dämmert einem endlich, warum sich Peter Jackson den Tort angetan hat, nach drei "Ringe"-Filmen auch noch drei "Hobbit"-Filme zu drehen. Weil das nämlich das Höchste sein muss, was einer erreichen kann, der Bilder produziert: dass den Zuschauer schwindelt, dass der sich geradezu berauscht fühlt. Es gibt eine Szene, da steht Zwergenführer Thorin Eichenschild auf einem goldenen Boden, und er stellt sich vor, wie sich der Boden öffnet und ihn verschlucken will, und die Kamera kreist, alles rotiert, und es ist wie im Karussell - genauso toll.

Die Frage, die dieser imposante, am Computer errechnete Feuerzauber gleichwohl in den Zuschauerraum wirft, ist diese: Wie geht es weiter mit dem digitalen Film? Jackson hat aufgezeigt, was machbar ist, alles nämlich, und die folgenden Regisseure müssen beweisen, dass man mit der Technik nicht nur ausschweifende Fantasien monumental bebildern, sondern auch Gefühle sichtbar machen und Charaktere erstehen lassen kann. Das ist das Einzige, was man Jackson vorhalten mag: dass es in diesen Schlachtgemälden und Massenspektakeln eben nicht um den Einzelnen geht. Sogar die Hauptfigur, der von Martin Freeman gespielte Hobbit, wird hier über weite Strecken zum Statisten degradiert.

Immerhin: Man spürt in diesem "Hobbit" den Willen, eine soziologische Lesart anzubieten. Zwerge und Hobbits sind demnach nichts anderes als Kriegs- und Klimaflüchtlinge. Der buchstäblich kleine Mann also, der sich gegen eine Macht zur Wehr setzen muss, aber tatkräftig ist und mutig. Vor allem aber wird er unterstützt von Freunden. Denn das ist der "Hobbit" ja auch: die große Kitschoper der Freundschaft.

Deshalb ist die Schlussszene mit Gandalf und Bilbo so gelungen und schön und ein würdiger Schlusspunkt der Trilogie und überhaupt aller sechs Mittelerde-Filme. Die Reise ist ans Ziel gelangt, die Mission erfüllt. Fantasy mündet in Empathie.

Mehr kann man als Mitbringsel von einem Ausflug in den Eskapismus kaum erwarten.

(RP)