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Film-Kritik: Der Fischer und seine Frau: Im seichten Wasser

Film-Kritik : Der Fischer und seine Frau: Im seichten Wasser

Das Märchen vom Fischer und seiner Frau mit der immer mehr fordernden Ilsebill kennt man seit der Kindheit. Jetzt hat Regisseurin Doris Dörrie die moralische Geschichte von der Maßlosigkeit in moderne Zeiten transferiert, herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme des aktuellen Geschlechterkampfs. Mehr Humor wäre förderlich gewesen.

Die unersättliche Fischersfrau ist in Dörries Film eine junge Designerin, die zugleich beruflichen Erfolg und privates Glück will. Das ist zu viel für ihren "Fischer", der ihr durch passiven Widerstand das Leben sauer macht. Das Paar lernt sich in Japan kennen, wo Ida auf der Suche nach Stoffen ist und der Biologe Otto mit seinem Freund Leo für deutsche Kunden seltene Koi-Fische einkaufen will. Im Gegensatz zum agilen Leo, der Ida sofort als guten Fang betrachtet, ist es bei dem verschlurften Biologen Otto eher Liebe auf den zweiten Blick.

Ida aber überredet ihn zur japanischen Blitzhochzeit, und auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland erweist sie sich als der Motor der Beziehung und Otto als die Bremse. Und schon als sie schwanger wird und sich weigert, weiter in Ottos "Flying Fish Doctor"-Campingbus auf Tour zu gehen, ruckelt es gewaltig in der Beziehungskiste.

Bald macht die kreative Ida Karriere als Designerin, während sich Otto als Hausmann versucht. Mit anderen Worten: Wenn Ida, die gestresste Versorgerin, heimkommt, erwarten sie eine versiffte Küche und ein gekränktes Pantoffeltierchen. Zwei verzauberte, aus Japan mitgebrachte Koi-Fische kommentieren die Stationen der Ehekrise.

Überhaupt ist die Gestaltung des Films durchzogen von ebenso hübschen wie beziehungsreichen Fischmustern - wie jenem roten Punkt auf dem Schuppenkleid des Koi, der zu Idas Design-Markenzeichen wird. Was realistische menschliche Beziehungen angeht, fischt Doris Dörrie ("Männer", "Erleuchtung garantiert") aber leider mal wieder im Trüben.

Zwar wirkt der Karriereverweigerer Otto, ein Berufsjugendlicher unter der geistigen Fuchtel einer Hippie-Mutter, noch einigermaßen glaubwürdig, zumal er vom wurschtigen "Herr Lehmann" Christian Ulmen gespielt wird. Ida aber ist mal arme Maus, die panisch Kaschmirschals strickt, um die Miete zahlen zu können, mal das Zerrbild einer Münchner Schicki-Micki-Karrierefrau. Auch Alexandra Maria Lara kann dieser hysterischen Kunstfigur kein Leben einhauchen.

Klischee statt Klasse

Und wo in der deutschen Alltagsrealität Ida weniger wegen ihres häuslichen Muffels denn wegen fehlender Kinderbetreuung Probleme bekäme, da wird ihr bei Dörrie zusätzlich von unguten Geschlechtsgenossinnen eingeheizt: von der Schwiegermutter, die gegen sie hetzt, der ultrazickigen Auftraggeberin, die ihr ohne ersichtlichen Grund geschäftlich das Genick bricht, sowie einer vernachlässigten Hausfrau, die ihre Liebesbedürftigkeit dadurch ausdrückt, dass sie Otto ungefragt an den Hosenlatz geht.

Blindfisch Dörrie gönnt Ida als Ausgleich noch nicht mal einen Quickie mit ihrem Verehrer Leo. Im Grunde sehen diese Weibsbilder so aus, als seien sie von einer parteiübergreifenden Koalition bigottester und kapitalismusverteufelndster Machos entworfen. Das solch abgestandene Klischeefiguren statt geistreicher Witze nur flauen Klamauk ausdünsten, verwundert nicht.

Somit scheitert diese Komödie zweifach: Sie ist nicht lustig. Und in der Art, wie sie hiesige Strukturmängel bei der Vereinbarung von Kind und Beruf ins Private verlegt, tut sie Frauen keinen Gefallen, im Gegenteil. Nicht nur im Mekka der Frauenfilme, Frankreich, dürfte Dörries seltsam gewundene Komödie Befremden hervorrufen. Jedes Land hat die Filme, die es verdient.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Fischer und seine Frau

(ap)