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Film-Kritik: Der Exorzismus von Emily Rose: Teufelsritt

Film-Kritik : Der Exorzismus von Emily Rose: Teufelsritt

Der Fall der jungen Anneliese Michel aus Klingenberg in Franken schlug 1976 hohe Wellen. Ihre Geschichte wird nun verspätet, dafür gleich doppelt aufgegriffen: Hans-Christian Schmid dreht "Requiem", und bereits zu sehen ist die US-Version "Der Exorzismus von Emily Rose". Ein Überaschungshit der schockiert und fasziniert.

Gezeigt wird die Leidensgeschichte einer jungen Frau, die sich eines Tages von einem lebensfrohen, glaubensfesten Teenager in einen hoffnungslosen Fall für die Psychiatrie verwandelt, weil unbekannte Kräfte von ihrer Seele Besitz ergreifen. Was auch immer die Ärzte tun und verschreiben, es hilft ihrem erbarmungswürdigen Zustand nicht ab. Innere Höllenqualen treiben Emily Rose um, für die es keine rationale Erklärung zu geben scheint. Die amerikanische Anthropologin Felicitas D. Goodman hat darüber ein Buch mit dem Titel "Anneliese Michel und ihre Dämonen" geschrieben.

Im Film wie in der einstigen Realität greift nun ein katholischer Priester ein, auf Wunsch des armen Mädchens und im Einklang mit dem zuständigen Bischof und den kanonischen Bestimmungen. Pater Richard Moore versucht Emily den Teufel aus dem Leib zu treiben, doch auch er scheitert, und die junge Frau stirbt einen leidvollen Tod. Der Pater wird vor Gericht gestellt, doch dort erklärt er: "Dies ist Gottes Angelegenheit. Kein weltliches Gericht ist hierfür jemals wirklich zuständig." Natürlich ist die Gerichtsverhandlung einmal mehr das Glanzstück dieses spannenden, unter die Haut gehenden Films, der mehr ist als nur ein weiterer Horror-Thriller.

Viele Fragen, die eine Diskussion lohnen

Hauptfigur des Films ist allerdings weder die arme Emily noch der Pater, sondern die überaus ehrgeizige Strafverteidigerin Erin Bruner, gespielt Laura Linney, die ihre Liste beeindruckender Rollen im amerikanischen Film um ein weiteres Glanzlicht bereichert. Linney zeigt diese Frau als Juristin, die einen Fall annimmt, um sich beruflich zu profilieren. Doch die Konfrontation mit all den außergewöhnlichen Begleitumständen der Tragödie um Emily Rose bringt die spröde, rational denkende Erin Bruner ins Grübeln, ja verunsichert sie zutiefst.

Ähnliches dürfte sich auch auf viele Betrachter des Films übertragen: Gibt es wirklich Veränderungen in der menschlichen Seele und im Körper, die sich jeder psychiatrischen und medizinischen Erkenntnis entziehen? Hat ein religiöser Mensch dann das Recht, Heilung zu suchen bei einem Geistlichen seines Vertrauens? Und wie reagieren darauf Ärzteschaft und Justiz? Regisseur Scott Derrickson, der zusammen mit Paul Boardman auch das Drehbuch verfasst hat, wirft diese Fragen in publikumswirksamer, manchmal auch reißerischer Weise in dem zweistündigen Film auf, ohne sie erschöpfend zu beantworten.

Doch an solchem Ehrgeiz wäre die Produktion auch mit Sicherheit gescheitert. Neben Linney agieren Tom Wilkinson mit wuchtiger Körperlichkeit als Pater Moore und Jennifer Carpenter, die mit beängstigender Intensität Emily Rose verkörpert. Wer den Film gesehen hat, wird über das Geschehen reden wollen. Es ist ja immer gut, in Horror-Streifen nicht allein zu gehen. In diesem Fall ist es ganz besonders ratsam, denn es gibt viel zu diskutieren nach dem Kinobesuch von "Der Exorzismus von Emily Rose".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Exorzismus von Emily Rose

(ap)