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Kino-Kritik: Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn

Kino-Kritik : Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn

Dass Genie und Wahnsinnn häufig nah beieinander liegen, ist bekannt. Diese Paarung eignet sich vor allem für Dramen. Wenn diese spannenden Geschichten dann noch hervorragend besetzt sind, beispielsweise mit Gwyneth Paltrow und Anthony Hopkins, verspricht die unheimliche Alliance ein Erfolg zu werden - wie das gleichnamige Bühnenstückvon David Auburn, der dafür mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Aber versprechen werden bekanntlich nicht immer eingelöst...

Regisseur John Madden erzählt hier die Geschichte der Mathematik-Studentin Catherine, die mit ihrem Vater, einem psychisch unheilbar erkrankten Mathematikprofessor, unter einem Dach lebt und für den alten Mann sorgt. Der hat immer noch wache Momente, in denen seine einstige Genialität und Brillanz hervorblitzt. Doch die Lösung für ein hochkompliziertes Problem, an dem er lange gearbeitet hat, vermag er nicht mehr zu finden. Das geling vielmehr Catherine, die das mathematische Talent des Vaters geerbt hat. Doch die junge Frau wird von der Angst gequält, ebenfalls von der Krankheit des Professors ergriffen zu werden und in geistiger Umnachtung zu enden.

Diese Angst bleibt auch nach dem Tod des Vaters. Catherine soll sich nun entscheiden: Folgt sie dem Ruf ihrer überaus lebenstüchtigen Schwester, die sie nach New York mitnehmen will, oder will sie auf ihre Beziehung zu dem netten Studenten Hal setzen, dessen Liebe sie erwidert, aber dem sie nicht völlig vertraut. Es ist aber Hal, der eine sensationelle Entdeckung macht. Danach steht Catherine vor einer völlig neuen Situation.

Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow macht aus der Darstellung der jungen Mathematikerin die beeindruckend intensive Charakterstudie einer Frau, die fürchtet, für ihre außerordentliche Begabung einen zu hohen Preis zahlen zu müssen.

Ein Drama ohne Nachwirkungen

Paltrow, inzwischen zweifache Mutter, wirkt noch immer sehr mädchenhaft, das kommt ihr in dieser Rolle sehr zugute. Anthony Hopkins, auch Oscar-Preisträger, hat als ihr Filmvater eine eher kleine Rolle, die der Brite gewohnt souverän meistert. Die derzeit vielbeschäftigte Hope Davis als Catherines dominante Schwester zeigt einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit, diese Schauspielerin spielt sich immer mehr nach vorne, ohne wahrscheinlich je ein ganz großer Star zu werden. Jake Gyllenhaal, gerade noch ein schwuler Cowboy in "Brokeback Mountain", agiert etwas zu fiebrig als Freund der Professorentochter.

So ganz mag man nicht glauben, dass der Student das Herz der komplizierten jungen Frau zu erobern und auch noch den Wert einer hochkomplizierten mathematischen Formel zu ermessen vermag. Ob die allzu ausgeklügelt wirkende Handlung Auburns, der auch mit Rebecca Millter das Drehbuch verfasst hat, im Theater funktioniert, kann mangels Kenntnis nicht beurteilt werden. Im Kino jedenfalls ist "Der Beweis" recht schwere Kost mit eher geringem Nährwert.

Der Film konfrontiert den Betrachter mit Problemen und Charakteren, die keinerlei Nachwirkung haben. Das kann bei Actionspektakeln, Thrillern und Komödien nicht als Mangel gewertet werden. Bei ambitionierten Dramen ist das allerdings zu wenig, und das lässt diese Theaterverfilmung letztlich scheitern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn

(ap)