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"Das Verschwinden der Eleanor Rigby" im Kino: Das Verschwinden der großen Gefühle

"Das Verschwinden der Eleanor Rigby" im Kino : Das Verschwinden der großen Gefühle

In dem Beziehungsdrama "Das Verschwinden der Eleanor Rigby" spielen James McAvoy und Jessica Chastain ein Paar, das eine Tragödie auseinandertreibt. Erzählt wird die Geschichte zweimal: aus ihrer und aus seiner Sicht.

Die Stars Jessica Chastain und James McAvoy berühren in Ned Bensons Kinodebüt "Das Verschwinden der Eleanor Rigby". Vielleicht liegt es an der Entstehung des Liebesdramas, dass es dennoch nicht ganz überzeugt. Wie für einander geschaffen wirkt das New Yorker Paar Eleanor (Jessica Chastain) und Conor (James McAvoy). Verliebt liegen die beiden Anfangdreißiger nachts im Park und beobachten die Glühwürmchen. Unbekümmert erscheinen sie trotz ihrer stagnierenden beruflichen Entwicklungen: Er führt eine schäbige Bar mit laut Gastro-Kritik "uninspirierter Küche", sie hat ihre Promotion abgebrochen.

Dann bricht eine Tragödie über die Eheleute herein, die sie auseinandertreibt: Eleanor zieht sich verzweifelt zurück, während Conor in seinem Alltagstrott bleiben will. Die Geschichte über zwei völlig unterschiedliche subjektive Erfahrungen eines Geschehens erdachte Kurzfilmer Ned Benson (37) für sein Kinoregiedebüt - das eigentlich aus zwei Spielfilmen besteht.

Sein Drama "The Disappearance Of Eleanor Rigby: Him And Her" schildert nacheinander die männliche und die weibliche Wahrnehmung der Ereignisse. Als Doppelfassung feierte das mehr als dreistündige Werk 2013 seine Uraufführung beim Toronto International Film Festival. Aus Gründen der Markttauglichkeit hat der Autor und Regisseur den Film nun auf rund zwei Stunden reduziert, dabei die Perspektiven der beiden Hauptfiguren miteinander verschränkt. Im Frühjahr wurde "The Disappearance Of Eleanor Rigby: Them" - bei uns als "Das Verschwinden der Eleanor Rigby" - beim Festival in Cannes präsentiert.

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Großartige Schauspieler konnte Benson für sein Debüt engagieren. Neben dem neuen Weltstar Chastain ("The Tree Of Life", "Interstellar") und McAvoy ("The Last King Of Scotland", "Abbitte") gehören dazu William Hurt und Ciarán Hinds als Väter sowie Isabelle Huppert als französische Mutter Eleanors. Groß sind auch die Ambitionen des jungen Arthouse-Filmers, der sich von einer Beatles-Zeile inspirieren ließ: "All the lonely people, where do they all come from?" (All die einsamen Menschen, woher kommen sie alle?) heißt es im Hit "Eleanor Rigby" (1966). "Es ist ein Film über die Liebe und darüber, was für eine subjektive Erfahrung das Leben ist. Wir alle leben letztlich in der gleichen Geschichte, doch jeder, der Teil unseres Lebens ist, hat seine eigene, mal mehr und mal weniger unterschiedliche Perspektive darauf", sagte Benson.

Der Filmemacher packt reichlich viel in seinen Erstling - und vielleicht liegt es gerade am nachträglichen Zusammenschnitt, dass die interessante Geschichte oft unausgewogen und oberflächlich wirkt. So erschaffen zwar Chastain mit ihrer Strahlkraft und der wahrhaftig wirkende McAvoy Momente ungewöhnlicher Emotionalität. Doch die vielen weiteren Themen - etwa Identitätsfindung, Herkunft, Familienbande, die endlosen Optionen der Generation der 30-Jährigen - verringern die Schlüssigkeit und Tiefe des ungewöhnlichen Projekts.

(RP)