Drama "Rückkehr ans Meer" von François Ozon: Das traumhafte Misslingen der Liebe

Drama "Rückkehr ans Meer" von François Ozon : Das traumhafte Misslingen der Liebe

(RP). Die spätsommerliche Sonne in diesem Film blendet, man kann die Umwelt dann nicht klar sehen. Manche Szenen spielen bei Sonnenaufgang und einige bei Sonnenuntergang, und auch dann liegt ein Schleier von Zwielicht über den Dingen. Alles schwebt, nichts ist gewiss, es gibt keine Sicherheit. So ist das in der sehr schönen, sehr elegischen Geschichte "Rückkehr ans Meer" von François Ozon. Bis zum tieftraurigen, knallharten Schlussbild.

(RP). Die spätsommerliche Sonne in diesem Film blendet, man kann die Umwelt dann nicht klar sehen. Manche Szenen spielen bei Sonnenaufgang und einige bei Sonnenuntergang, und auch dann liegt ein Schleier von Zwielicht über den Dingen. Alles schwebt, nichts ist gewiss, es gibt keine Sicherheit. So ist das in der sehr schönen, sehr elegischen Geschichte "Rückkehr ans Meer" von François Ozon. Bis zum tieftraurigen, knallharten Schlussbild.

Der 42-jährige Regisseur hat bunte und fantastische Produktionen wie "8 Frauen" und "Ricky" vorzuweisen, aber dieser in kurzer Zeit digital gedrehte Film gehört in eine Reihe mit den melancholischen Arbeiten "Unter dem Sand" und "Die Zeit, die bliebt". Es geht um Mousse und Louis, zwei schöne, junge Menschen aus dem Pariser Bürgertum. Sie lieben sich, sie leben in einem Stadtpalais, sie nehmen Drogen, zu viele. Louis stirbt. Mousse ist schwanger, aber die Familie von Louise möchte das Kind nicht, da flieht sie aufs Land, an die Küste. In ein Haus am Meer.

Das ist die Ouvertüre, wenige Bilder und kaum 15 Minuten genügen Ozon, um den Zuschauer einzustimmen. Man spürt die Leere im Leben dieser von Isabelle Carré gespielten Frau. Carré macht das wunderbar. Sie war während der Dreharbeiten selbst im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft, sie bestimmte das Tempo, der Dreh ist ein Experiment. Hinter den traumhaften Naturbildern lauert stets der Abgrund, die elegischen Ansichten eines Babybauchs am Strand beunruhigen: Irgendetwas ist da los.

Nach einigen Wochen bekommt Mousse Besuch. Ein junger Mann (Louis-Ronan Choisy) zieht für ein paar Tage bei ihr ein, es ist der Bruder von Louis. Eine Liebesgeschichte beginnt, eine schöne, feine, unkörperliche — der Bruder ist schwul. Aber sie kümmern sich umeinander mit großer Zartheit, sie verstehen sich. Es entwickelt sich indes alles so langsam zwischen den beiden und nicht ohne Verletzungen, und das Einverständnis und die Geborgenheit bricht Ozon immer wieder auf. Da ist ein Mann, der Mousse im Café anspricht, weil schwangere Frauen ihn besonders reizen. Da sind die durchfeierten Nächte in der Diskothek, die eigentlich zu viel sind für Mousse.

Den Figuren fehlt der Halt, sie suchen Orientierung. Man spürt irgendwann den Drang, einzugreifen, die Gleichgültigkeit von Mousse zu schütteln, die Zurückhaltung vom Bruder des verstorbenen Geliebten zu nehmen. Am Ende wird die Zeit am Meer ein biografischer Zwischenraum sein, vergangen. Die Figuren bewegen sich in unterschiedliche Richtungen. Sie treiben voneinander weg. So traurig ist das, denkt man, so wahrhaftig auch. Ein bewegender Film.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

(RP)