Drama "Uncle Boonmee": Daheim unter Geistern

Drama "Uncle Boonmee" : Daheim unter Geistern

(RP). Für den Kinobetreiber sind derartige Filmtitel der reine Albtraum. "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben – ein Film von Apichatpong Weerasethakul": So etwas passt nicht in die beleuchtbare weiße Glasscheibe über dem Eingang. Aber so lang der Titel auch sein mag, und so unaussprechbar der Name des Regisseurs: Der Film selbst ist von einer rührenden Schlichtheit. Inhaltlich, darstellerisch und vor allem technisch.

(RP). Für den Kinobetreiber sind derartige Filmtitel der reine Albtraum. "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben — ein Film von Apichatpong Weerasethakul": So etwas passt nicht in die beleuchtbare weiße Glasscheibe über dem Eingang. Aber so lang der Titel auch sein mag, und so unaussprechbar der Name des Regisseurs: Der Film selbst ist von einer rührenden Schlichtheit. Inhaltlich, darstellerisch und vor allem technisch.

Uncle Boonmee ist ein nierenkranker Mann, der nicht mehr lang zu leben hat. Da er nicht in einem Krankenhaus dahinvegetieren möchte, kehrt er auf sein Landgut im Nordosten Thailands zurück, wo er von Freunden, seiner Ehefrau und seinem Sohn umgeben ist. Die Frau ist zwar tot und der Sohn verschollen, aber das spielt in diesem Film keine Rolle. Sie sind trotzdem anwesend. In statischen Einstellungen sitzen Menschen aus dem Diesseits und aus dem Jenseits ganz selbstverständlich nebeneinander und reden, leise und langsam.

Im Zusammenhang mit der verstorbenen Frau verwendet Apichatpong Weerasethakul Doppelbelichtungen, was bei der Darstellung von Geistern nicht ungewöhnlich ist. Gewagter erscheint da die Kostümierung des verschollenen Sohnes: Er trägt ein Affenkostüm wie aus einer Schulaufführung von "King Kong", und seine Augen leuchten rot.

Das mag gegen westliche Sehgewohnheiten verstoßen; der Regisseur findet das völlig normal. Er ist Comic-Liebhaber, und in den Kindertagen des thailändschen Fernsehens war es üblich, dass den Darstellern die Texte zugeflüstert wurden, die sie dann mechanisch wiederholten. Begriffe wie Trash oder Camp — oder magischer Realismus — können dem thailändischen Regisseur nicht fremd sein, schließlich hat er in den USA studiert. Aber er kennt keine Schuldgefühle im Umgang mit Billigkostümen; er muss sich nicht durch vordergründige Ironie distanzieren.

Apichatpong Weerasethakul glaubt an Seelenwanderungen zwischen Menschen, Pflanzen, Tieren und Geistern und sieht keinen Grund, sich dafür zu rechtfertigen. Er glaubt an das, was wir schwarze Magie nennen, aber er setzt das ohne Dampf und Blitze ins Bild. Die Kamera bleibt im Wortsinne auf dem Boden. In Cannes erhielt "Uncle Boonmee" die Goldene Palme als bester Film.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

(RP)