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Film-Kritik: Corpse Bride: Wo Leichen kichern

Film-Kritik : Corpse Bride: Wo Leichen kichern

Nomalerweise sind Zombies eher eklig: Sie faulen, sehen schaurig aus und stehen auf der Sympathieskala ganz unten. Regisseur Tim Burton steht aber für die witzig-skurrile Seite des Horror-Genres. In seinem neusten Kino Streich "Corpse Bride" lässt er wieder die Puppen tanzen: Mit dem Film über eine untote Braut entführt der Kindskopf die Zuschauer wieder einmal ins Leichenreich.

Ein schüchterner junger Mann holt die Schöne versehentlich ins Diesseits zurück, als er im Wald einen Hochzeitsschwur probt und dabei den Ring einer Baumwurzel überstreift, - die sich als Knochenhand von Emily entpuppt. Versprochen ist versprochen, meint die leichenblasse Wiedergängerin, richtet ihr Skelett und entführt Victor ins Reich der munteren Toten.

Nach seinem originellen Puppentrick-Märchen "Nightmare before Christmas" im Jahre 1993 dreht Burton mit seinem am 3. November anlaufenden Grusical erneut eine Hommage an den König der Stop-Motion-Trickfilme, Ray Harryhausen. Neben Harryhausen, dessen Name im Film auf einem Klavierflügel auftaucht, frönt Burton seiner Vorliebe für die schauerromantischen Gespenstergeschichten der angelsächsischen "Gothic Novels" und für alte Horrorschinken.

Und leider zeigt sich auch diesmal, dass der Regisseur über das Recycling seiner in der Kindheit angehäuften Erinnerungen an eine naiv-triviale Populärkultur nicht hinauskommt und wenig zu erzählen hat. Anders als in seinem bitter-süßen Vorgängerfilm "Charlie und die Schokoladenfabrik" nach einer Geschichte des grimmigen Roald Dahl wirkt sein neuer Film, der auf einer osteuropäischen Legende basiert, wie eine mühsam auf 77 Minuten getrimmte Kurzgeschichte.

Der Tod steht ihr gut

Besonders umständlich ist die Einführung, in der Victor, der sensible Spross neureich-vulgärer Fischhändler, mit Victoria, der Tochter hochnäsiger, aber verarmter Adeliger, zwangsverlobt wird. Zwar verliebt sich Victor sogar in Victoria, doch die versehentliche Heirat mit der verrotteten Emily, die sich als beharrlich verfolgende Unschuld erweist, lässt ihn fast nekrophil werden. Und dies nicht nur, weil die verfluchte Untote mit ihren transparenten Schleiern so glamourös ausgeleuchtet wird wie ein Stummfilmstar und am Klavier schmachtend von ihren Phantomschmerzen - "Ich habe kein Herz, aber Gefühle" - singt.

Denn die Handlung beruht auf einem einzigen Witz: dass nämlich die Welt der Lebenden tödlich langweilig ist, dagegen die aller Konventionen ledigen Toten ihr Verwesen meist durch ausgelassenes Feiern kompensieren.

Tim Burtons Animationskünstler und Hauskomponist Danny Elfman legen sich gewaltig ins Zeug, um die tote Puppen-Materie zum Tanzen zu bringen, ertüfteln eine viktorianisch-steife, in kaltem Blaugrau verschattete Oberwelt und eine im Stil des Architekten Antonio Gaudi wild wuchernde herzige Unterwelt, in deren Pubs klappernde Gebeine einen schmissigen "danse macabre" aufführen. Dabei gibt's am Rande nette Gags wie etwa ein Hundeskelett, das zwar aufs Wort hört, aber den Befehl "Spiel tot!" nicht versteht, oder Emilys ständig herauskullernder Augapfel samt eines frechen Wurms, der sich in ihrem Schädel gemütlich eingerichtet hat.

Doch mit dem aktuellen britischen Puppentrick-Geniestreich "Wallace & Gromit" kann Burtons eindimensionales Märchen nicht mithalten. Burtons spinnenbeinige, mit Glubschaugen versehene Grufties sind expressive, aber seelenlose Designer-Kreationen. Jedes Augenbrauenzucken der Knetfigur "Gromit" ist lebendiger als die per Sechskantschlüssel animierte Mimik von Burtons Puppenköpfen, die aus Metall und Silikon gefertigt sind. Seiner Fangemeinde wird diese Hochzeit aus morbidem Grusel-Design und naiv-infantiler Komik erneut behagen, doch wer genauer hinschaut, bemerkt die Leere im Totenschädel.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Corpse Bride

(ap)