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Film-Kritik: Casanova: Vom Macho zum Frauenversteher

Film-Kritik : Casanova: Vom Macho zum Frauenversteher

Einen Korb dürfte der reale Giacomo Casanova nicht allzu oft in seinem Leben kassiert haben – zumindest wenn man den Memoiren eines der größten Erotomanen aller Zeiten Glauben schenken kann. Umso lukrativer entpuppte sich dieses Gedankenspiel aber bereits des Öfteren im Kino. Grund genug für eine weitere Neuauflage des erotisch-pikanten Stoffes, die nun mit dem Streifen "Casanova" angelaufen ist.

Einen Korb dürfte der reale Giacomo Casanova nicht allzu oft in seinem Leben kassiert haben — zumindest wenn man den Memoiren eines der größten Erotomanen aller Zeiten Glauben schenken kann. Umso lukrativer entpuppte sich dieses Gedankenspiel aber bereits des Öfteren im Kino. Grund genug für eine weitere Neuauflage des erotisch-pikanten Stoffes, die nun mit dem Streifen "Casanova" angelaufen ist.

Diesmal hat sich der schwedische Regisseur Lasse Hallström des populären Casanova-Mythos angenommen und ihn zu einer turbulenten Komödie verarbeitet. Und auch in der jüngsten Filmversion ist der notorische Womanizer (verkörpert von Heath Ledger) nicht vor Pleiten gefeit. So ist es diesmal seine unerwiderte Liebe zur "Hardcore-Feministin" und Intellektuellen Francesca Bruni (Sienna Miller), die als Initialzündung für eine äußerst klamaukige Handlung dient und den Venezianer zu Höchstleistungen im männlichen Balzverhalten antreibt.

Anfänglich macht die Geschichte dann auch noch Spaß, bis sie in ein hoffnungslos überladenes Verwechslungs- und Verwirrspiel mündet. Lasse Hallström konstruiert den Plot aus definitiv zu vielen Nebenhandlungssträngen, die er kurz aufnimmt und dann wieder abrupt fallen lässt. Dadurch entbehrt die Geschichte jeglicher Tiefe. Zudem scheint es, als ob der Regisseur sich bei der Konzeption des Films sehr eng an das Erfolgsrezept für Hollywood-Blockbuster gehalten hätte: Man vermische eine große Portion Klamauk, mit einer kräftigen Prise Action und überziehe das Ganze mit einer zuckersüßen Schicht Romantik. Eine opulente und farbenfrohe Inszenierung mit schönen Kostümen und ansprechenden Schauplätzen sorgt zusätzlich für ein makelloses und märchenhaftes Erstrahlen auf der Leinwand.

Derbe Komik und wilde Slapstick-Einlagen

Das Resultat ist ein optisch ansprechender, leicht verdaulicher Streifen, den der Zuschauer genauso unbewusst konsumieren wird wie die obligatorische Tüte Popcorn während der Kinovorstellung. Die Liebe zum Handlungsdetail, die beispielsweise noch Hallströms Erfolgsfilm "Chocolat" soviel Charme einflößte, fehlt bei Casanova gänzlich. Nur selten erhält die Komödie Schwung durch feinsinnigen Humor und subtile Untertöne. Wenn dies gelingt, so ist es meist der schauspielerischen Leistung von Jeremy Irons, der den Chefinquisitor Bischof Pucci mimt, zu verdanken. Ansonsten bevorzugt der Regisseur die Arbeit mit derben Komik-Elementen wie etwa Verwechslungsspiele und plumper Slapstick. Doch was am Anfang noch Freude macht, wirkt mit Fortlauf der Handlung eher nervtötend.

Von einer Idealbesetzung des jungen Casanovas kann ebenfalls nicht die Rede sein. Heath Ledger, der ehemalige "Ritter aus Leidenschaft", konnte zwar bereits im "Mantel und Degen"-Genre punkten, schafft es jedoch in diesem Werk keineswegs, seiner Figur überzeugende Konturen zu verleihen. Casanovas Wandel vom "von Bett zu Bett hüpfenden Hallodri" zum Mann, dessen Herz einer einzelnen Frau hoffnungslos verfallen ist, verläuft daher wenig glaubhaft.

Casanova ist ein Werk, das den Fans farbenprächtiger Hollywood-Märchen zweifelsohne Spaß bereiten wird. Wer den zauberhaften Charme von Chocolat erwartet, wird diesen jedoch leider entbehren müssen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Casanova

(RP Online)