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Kino-Kritik: Breakfast on Pluto: No Sex, no Drugs, no Rock'n'Roll

Kino-Kritik : Breakfast on Pluto: No Sex, no Drugs, no Rock'n'Roll

Aus der Enge des streng katholischen Kleinorts auf den Transvestiten-Strich der bunten Großstadt und wieder zurück - in dem Drama "Breakfast on Pluto" geht die androgyne Waise Patrick auf Identitätssuche. Nach "The Butcher Boy" hat Regisseur Neil Jordan zum zweiten Mal einen Roman des irischen Schriftstellers Patrick McCabe verfilmt.

Er schillert, provoziert und witzelt und leidet doch wie niemand sonst: Der junge Patrick wächst als Waise in einem kleinen Ort nahe der Grenze zu Nordirland auf. Der Alltag der Gemeinde ist stark von der Kirche beeinflusst, doch schon früh merkt Patrick, dass es mit dem Glauben unter Rock und Soutane nicht weit her ist. Schließlich macht sich der androgyne Patrick "Kitten" Braden in dem Drama "Breakfast on Pluto" auf, im London der 70er Jahre seine Mutter zu suchen und landet schließlich auf dem Transenstrich.

Seine Reise führt Kitten durch die schrille Zeit der 70er. Er lebt als Glamrocker, Zauber-Assistentin, Stricher und Peep-Show-Girl. Foto: Sony Pictures

Bei seiner Suche nach Herkunft und Zukunft springt Patrick von Welt zu Welt, von Geschlecht zu Geschlecht. Auf die katholische Enge folgt die Weite der ersten Beziehung, aus Liebe wird Schmerz, aus Vertrauen Angst, aus Freundschaft Verantwortung. Er lebt als Glamrocker, Zauber-Assistentin, Stricher und Peep-Show-Girl, findet Freunde und verliert sie, kehrt nach Hause zurück und geht wieder fort.

Das ist genug Stoff, um die Lebensgeschichte "Kittens" in immerhin über zwei Stunden in kurzweiligen 36 Kapiteln zu erzählen. Regisseur Neil Jordan macht daraus eine den barocken Narrenstücken nahe Geschichte über einen schillernden Schelm unserer Tage, der mit Genuss und Sprachwitz den Finger auf die Wunden der Gesellschaft legt. Unter die bunten Bilder und Kostüme der Glam-Rock-Zeit mischt Jordan dann noch einige politische Statements gegen den brutalen Krieg der Nordiren und nette Popsongs wie "Sugar Baby Love" von den Rubettes, "You're such a Good Looking Woman" von Joe Dolan oder das Titel gebende "Breakfast on Pluto" von Don Partridge.

Die Melange aus Anzüglichkeit, Politik und Pop dürfte im Kino bei einem breiteren Publikum durchaus ankommen - nur überzeugend ist sie nicht. Murphy ist einen Hauch zu schön, um in der Verzweiflung zu vergehen, die Songs sind ein bisschen zu bekannt, um über den stereotypen Retro-Blick hinauszuführen und die Erotik ein Tick zu versteckt, um wirklich mehr als prüde Anzüglichkeit zu sein.

Das ist besonders verblüffend, weil Jordan gerade zu Beginn des Films im katholischen Irland die Bigotterie von Kirche und Landbevölkerung anprangert - und dann doch selbst darin gefangen zu sein scheint. Alles bleibt nur angedeutet: Sex, Drogen und selbst Rock'n'Roll finden auf der Leinwand eigentlich nicht statt. Das dürfte die Freiwillige Selbstkontrolle Kinowirtschaft (FSK) auch dazu bewogen haben, "Breakfast on Pluto" bedenkenlos ab zwölf Jahren freizugeben.

Dennoch mag der Film vergnügliche Unterhaltung sein: Bunt, witzig, beschwingt und nicht ohne anrührende Tragik über das Leben des lebenssüchtigen wie -tüchtigen "Kitten" Braden. Der gibt am Ende auch die Hoffnung weiter, dass doch manches Sinn ergibt, was lange nicht danach aussah.

(afp2)