Kino-Kritik: Biedere Football-Nostalgie

Kino-Kritik : Biedere Football-Nostalgie

Düsseldorf (RP). Im Schlamm übler Wiesen ist er zuhause. Dodge Connelly (George Clooney) ist Profi-Footballer zu einer Zeit, als dieser Job noch ganz unten auf der Rangliste der Amüsierbudenbeschäftigungen steht. Im Amerika der frühen 20er, in die "Ein verlockendes Spiel" uns führt, schauen die Football-Begeisterten sich lieber die Amateurspiele der College-Teams an. Darum dauert es in Clooneys dritter Regiearbeit nicht lange, bis der einzige Sponsor Connellys Mannschaft versetzt.

Dass aus dem Profi-Football dann doch noch etwas wurde, wissen selbst jene, deren Jagd- und Apportiertrieb bei schnellen Bällen nicht sofort erwacht. "Leatherheads", so der Originaltitel, erzählt sehr frei vom Umschwungmoment. Connelly schafft es, den populärsten Amateurspieler, den Kriegshelden Carter Rutherford (John Krasinski), ins Profilager zu locken und das Bezahlgebolze als die wahre Gladiatorenliga zu etablieren.

Nach Clooneys vorigen Regiearbeiten "Confessions Of A Dangerous Mind" (2002) und "Good Night, and Good Luck" (2005) hätte man von "Ein verlockendes Spiel" durchaus eine herbe Aufarbeitung der Football-Professionalisierung erwarten können. Aber Clooney wählt einen ganz anderen Ansatz, einen film- und sportnostalgischen. Er will eine Gründungslegende im Stil der Screwball-Comedies der 30er- und 40er-Jahre erzählen.

Howards Hawks, George Cukor, Leo McCarey und Preston Sturges standen also Pate bei diesem Film, in dem Renee Zellweger die kecke Journalistin Lexie Littleton spielt, die sich von Männern nicht einschüchtern lässt und das Team auf Schritt und Tritt begleitet, um die Profiträume als Unfug und den Kriegsheldenruhm als Humbug zu entlarven. Clooney steigert sich bis an den Rand der Farce in eine Cary- Grant-Imitation, und eine starrgesichtige Zellweger, die in den USA längst den Titel Mrs. Botox weg hat, bekommt vom Drehbuch die Hommage an Rosalind Russell in "His Girl Friday — Sein Mädchen für besondere Fälle" aufgenötigt.

Aber Entscheidendes fehlt dem Gekabbel zwischen Clooney und Zellweger: das hohe Tempo, das rasante Hakenschlagen, die bissige Aufmüpfigkeit. Die Screwball-Comedy war schnell, weil sie in ihren scharfzüngigen Geschlechterkämpfen mehr wagte, als Hollywoods Zensoren und die konservative Mehrheit im Lande eigentlich ertragen mochten. Sie flitzte davon, bevor sie von den Rollenwächtern gepackt werden konnte. "Ein verlockendes Spiel" dagegen bewegt sich mit gerührter Hingabe über das Gefechtsfeld einer anderen Ära, und Nostalgie wird zur ermüdenden Behäbigkeit.

Nach einer Weile fällt der Film auseinander in biedere kleine Sportmuseumsscherze, als finde er sich noch in der Produktion mit seinem künftigen Schicksal ab: an Regentagen zum Auftakt der Footballsaison als Bierwerbungsumfeld im TV versendet zu werden.