Berlinale-Sieger "Feuerwerk am helllichten Tage" von Yinan Diao: Brutal und doch poetisch

"Feuerwerk am helllichten Tage" im Kino : Brutal und doch poetisch

Regisseur Yinan Diao erzählt eine packende Kriminalgeschichte in "Feuerwerk am helllichten Tage" – und zeichnet zugleich ein Bild vom chinesischen Alltag.

Regisseur Yinan Diao erzählt eine packende Kriminalgeschichte in "Feuerwerk am helllichten Tage" — und zeichnet zugleich ein Bild vom chinesischen Alltag.

Er war der Überraschungssieger der diesjährigen Berlinale. Jetzt kommt der mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete Thriller "Feuerwerk am helllichten Tage" in die Kinos. Der chinesische Regisseur Yinan Diao erzählt darin eine brutale Crime-Story um Liebe, Rache und sexuelle Gier - gleichzeitig aber auch viel über die Lebensverhältnisse in seinem Heimatland.

Fan Liao, bei den Berliner Filmfestspielen für seine Rolle in dem harten Krimi als bester Schauspieler ausgezeichnet, spielt in "Feuerwerk am helllichten Tage" den auf eigene Faust ermittelnden Ex-Polizisten Zhang. Die grausame Mordserie, deren Folgen ihn zum Alkohol haben greifen und depressiv werden lassen, holt den früheren Kommissar wieder ein.

Damals waren auf Kohlehalden im Norden des Landes menschliche Leichenteile gefunden worden. Ein neues Verbrechen könnte nun zum wahren Täter führen. Zhang beginnt neue Recherchen - bis er sich in eine Tatverdächtige verliebt. Der Regisseur erzählt seine in viele Handlungsstränge verästelte Geschichte im Stil des Film noir. Kalte Winterbilder herrschen vor. Die Figuren agieren äußerst kühl, die Dialoge sind knapp und pointiert.

Vom Alltag im gegenwärtigen China zeichnet der Film ein düsteres Bild: In der harten Arbeitswelt ist der Umgangston rau. Gefühle und Mitmenschlichkeit zählen oft wenig. Die expressiv inszenierten Gewaltszenen erinnern an Werke von Quentin Tarantino. Yinan Diao nimmt Anleihen auch bei Claude Chabrol - ohne dabei dessen inhaltliche Stringenz zu erreichen. Am Ende läuft der Zuschauer Gefahr, den Überblick zu verlieren.

(RP)