"Begabt" im Kino: Drama des hochbegabten Kindes

"Begabt" im Kino : Drama des hochbegabten Kindes

Welches Umfeld verdient ein hochbegabtes Mädchen? In Marc Webbs Familiendrama "Begabt" stehen sich eine ehrgeizige Großmutter und ein notorisch unambitionierter Onkel gegenüber und streiten um die Erziehungshoheit – mit Witz und harten Bandagen.

Welches Umfeld verdient ein hochbegabtes Mädchen? In Marc Webbs Familiendrama "Begabt" stehen sich eine ehrgeizige Großmutter und ein notorisch unambitionierter Onkel gegenüber und streiten um die Erziehungshoheit — mit Witz und harten Bandagen.

Dann allerdings taucht die förderwütige Großmutter Evelyn (Lindsay Duncan) auf, ebenfalls Mathematikerin. Sie fährt mit dem Mädchen an die Bostoner Elite-Uni M.I.T. und strengt eine Sorgerechtsklage an. Diese Handlung erinnert an "Das Wunderkind Tate" (1991) von und mit Jodie Foster als überforderter Kellnerinnen-Mutter. Dagegen ist schwer anzukommen. Trotzdem schafft Drehbuchautor Tom Flynn einen berührenden Film - und Regisseur Marc Webb ist nach der romantischen Komödie "(500) Days of Summer" und "The Amazing Spider-Man" verantwortlich für die Gefühls-Choreografie.

Auch das Spiel ist durchgehend nuanciert und voller Leben, vom rastlosen Kind bis hin zur bedingungslos loyalen Nachbarin (Octavia Spencer). Da stören dann nur wenige ärgerliche Schwächen das Bild. Zum einen ist es seltsam, wie Frank am Ende eine Auflösung aus dem Hut zaubert, die er die ganze Zeit mit sich getragen hat. Musste er erst bereit dafür werden?

Und leider werden aus dem Fünf-Personen-Cast zwei Figuren fast gar nicht auserzählt. Außer ihrer mütterlichen Liebe zu Mary erfährt man etwa von der Nachbarin nichts. Und wer ist die unverschämt hübsche Frau in den immer raffinierteren Kostümen, die erst Mary unterrichtet und dann aus Versehen mit deren Onkel im Bett landet?

Aber vielleicht ist das Absicht. Denn das Wichtigste und Schwierigste im Leben, erzählt dieser Film, ist ja immer die Familie.

Begabt — Die Gleichung eines Lebens, USA 2017 — Regie: Marc Webb, mit Mckenna Grace, Chris Evans, 101 Min.

(dpa)
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