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Film-Kritik: 'Bärenbrüder': Keine originelle Bärensicht

Film-Kritik : 'Bärenbrüder': Keine originelle Bärensicht

Frankfurt/Main (rpo). "Bärenbrüder" heißt der Film, in dem die Disney Company die Welt wieder in Gut und Böse unterteilt. Die Rolle der Guten wird traditionell mit Vierbeinern besetzt, während die Bösen auf zwei Beinen gehen. Und so läuft auch in diesem Zeichentrickfilm, der am 18. März in die deutschen Kinos kommt, alles auf eine Predigt hinaus, bei der die Jagdopfer ihren Jägern spirituelle Lebenshilfe leisten.

Kenai, der jüngste von drei Indianerbrüdern, die irgendwann nach dem Ende der letzten Eiszeit im pazifischen Nordamerika leben, ist ein pubertierender Jungspund, dem bei einem Initiationsritus von der Schamanin seines Stammes sein allzu friedfertig-weibisches Totemtier enthüllt wird. Es ist ein Bär, Symbol der Liebe, was den Mini-Macho außerordentlich erzürnt.

Als sein ältester Bruder Sitka den unbesonnenen Kenai vor einem Bären rettet und sich dabei selbst opfert, tötet der rachsüchtige Kenai das Tier. Naturgeister, die scheinbar Sinn für Humor besitzen, verwandeln ihn daraufhin selbst in einen Bären, der nun von seinem eigenen Menschenbruder Denahi gejagt wird. Auf dem Weg zu einem mysteriösen Berg, wo der Zauber rückgängig gemacht werden kann, schließt sich ihm das mutterlose Bärchen Koda an, das Kenai zunächst tierisch auf die Nerven geht. Und den Rest kann man sich fast denken.

Den unvermeidlichen komischen "Sidekick" bildet diesmal ein munter schwadronierendes Elchduo; außerdem gibt es Mammuts, Vulkanfelder, die überquert werden müssen, sowie ein Bärenparadies mit springenden Lachsen. Das Wiederkäuen erfolgreicher Motive, wie sie nicht nur "Ice Age", "Mulan", "Pocahontas" ausmalten, ist hier jedoch nicht das Problem, sondern dass es an geistreichem Witz im Detail fehlt, um das Immergleiche aufzupeppen. Besonders "Ice Age" hat hierbei einen Standard gesetzt, angesichts dessen "Bärenbrüder" wie ein magerer Abklatsch wirkt.

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Dick aufgetragene Musikuntermalung

Die mangelnde Originalität wird nach hauseigener Art mit dick aufgetragenem Gefühlsdusel überdeckt: Beständig jaulen weihevolle Gesänge des Bulgarischen Frauenchors über die Szenerie, sülzt Phil Collins' Schmuserock dem Zuschauer die Ohren voll mit musikalischen Unterstreichungen der ganzheitlichen "Message".

Als Inspiration soll Shakespeares "King Lear" gedient haben, - doch es scheint manchmal, als hätten die fünf Drehbuchautoren in ihrer Not den kiffenden Hippie-Schamanen Carlos Castañeda und seine indianischen Naturgeister zu Hilfe gerufen. So spielen psychedelisch wabernde Nordlichter und das geisterhafte Über-Ich des toten Bruders Sitka eine wichtige pädagogische Rolle, doch das bierernste New-Age-Gedöns zwischen Totem und Tundra entpuppt sich als eher fauler Zauber.

Immerhin sind besagte Nord- und andere himmlische Lichter ebenso berückend gezeichnet wie die grandiosen Landschaftspanoramen aus schneebedeckten Gebirgen, Wäldern und Flüssen. Angeblich soll dies der letzte 2-D-Zeichentrickfilm der Disney Company sein, die zukünftig ausschließlich computeranimierte Trickfilme produzieren will.

Vielleicht zum letzten Mal sind also die feingestrichelten Umrisslinien der Tierfelle zu sehen und jene Natur-Hintergründe in zart leuchtenden, malerischen Aquarellfarben, wie sie wohl keine Computeranimation je hervorbringen wird. Ästhetisch ist dieser Trickfilm immer noch ein Genuss, und die witzigen "Outtakes" im Abspann mit Elchen, die Yoga machen, entschädigen ein wenig für manche inhaltliche Abgeschmacktheit - und nicht zuletzt, dass diesmal vermehrt prominente deutsche Schauspieler dem gezeichneten Getier ihre Stimmen leihen: Daniel Brühl (Kenai), Moritz Bleibtreu (Denahi) und Gedeon Burkhard (Sitka).

Hier geht es zur Infostrecke: Szenenbilder "Bärenbrüder"