"Hugo Koblet — Pédaleur de Charme" im Kino: Aufstieg und Fall eines Sportstars

"Hugo Koblet — Pédaleur de Charme" im Kino : Aufstieg und Fall eines Sportstars

Der Name Hugo Koblet ist wahrscheinlich den wenigsten jungen Leuten ein Begriff. In den 50er Jahren zählte der Schweizer zu den besten Radrennfahrern der Welt. Ein Kinofilm erzählt nun die tragische Geschichte des Nationalhelden - mit dem kometenhaften Aufstieg, den Frauengeschichten und seinem mysteriösen Tod.

Für das Werk "Hugo Koblet" über das Leben des "Pédaleur de Charme", wie er vom Chansonnier Jacques Grello genannt wurde, bediente sich der Schweizer Regisseur Daniel von Aarburg bei Originalfilmen aus den Nachkriegsjahren, stellte Schlüsselszenen mit Schauspielern nach und führte Interviews mit Koblets damaligen Teamkollegen, Konkurrenten und seinen Lebensgefährtinnen. Herausgekommen ist ein gekonnter Mix aus Doku und Spielfilm, der nicht nur männliche Radsportfans unterhält.

Keiner hatte damals mit ihm gerechnet: Im Jahr 1950 gewinnt Koblet mit 25 Jahren als erster Nicht-Italiener den Giro d'Italia, ein Jahr später die Tour de France.

Dabei ist diese Karriere für den am 21. März 1925 in Zürich geborenen Bäckersohn nicht unbedingt vorgezeichnet. Sein alkoholsüchtiger Vater torpediert immer wieder die Pläne seines Sohnes. Einmal zersägt er ihm sogar sein Fahrrad. Doch Koblet hat immenses Talent. Scheinbar mühelos lässt er seine Verfolger hinter sich.

Koblet (im Film: Manuel Löwensberg) ist aber nicht nur einer der erfolgreichsten Radprofis der damaligen Zeit, sondern auch eine der schillerndsten Figuren in der Geschichte des Schweizer Sports. "Weltwunder" wird er genannt und vom Papst empfangen. Mit der Schauspielerin Waltraut Haas ist der "schöne Hugo" verlobt und zehn Jahre lang mit dem Fotomodell Sonja Bühl verheiratet.

Der Regisseur hat lange recherchiert für seinen Film - der erste Mix aus Doku und Fiktionalem in der Schweiz überhaupt. "Was mich interessierte war diese Ikarus-Geschichte: Jemand, der von unten kommt und schnell aufsteigt", sagt der Filmemacher. Nach Ende seiner Karriere geht Koblet das Geld aus. Und dann passiert der Unfall, von dem niemand weiß, ob es Selbstmord war. Das Auto des 39 Jahre alten Koblet kracht 1964 gegen einen Baum. Es gibt keine Bremsspuren.

(dpa)
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