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Kino-Kritik: Asterix und die Wikinger: Kein Zaubertrank

Kino-Kritik : Asterix und die Wikinger: Kein Zaubertrank

Wer Asterix-bewandert ist, der weiß, dass der Wikinger sich vor gar nichts fürchtet. Doch Angst hat bekanntlich auch sein Gutes, meint zumindest der nordische Hauptmann Maulaf, und so empfangen "der kleine Stern" und sein dicker Gefährte Besuch von ganz weit oben. In der Comic-Verfilmung ist daher weniger das übliche "Römer-Ärgern" angesagt als vielmehr das "sich-Fürchten-lernen".

Die Römer machen sich aber eher rar in dieser achten Zeichentrickversion eines Asterix-Comics, die am 11. Mai anläuft. Sei's wegen der dänischen Koproduktion oder wegen zeitgeistiger Anpassung - von der Vorlage "Asterix und die Normannen" blieb neben dem routinemäßigen Römer-Hauen und Piraten-Versenken nur das Grundmotiv übrig, nämlich das folgenschwere Missverständnis um eine wortwörtlich genommene Redewendung. Und das Grauen vorm keltischen Dieter Bohlen, Troubadix. Statt also wie im Comic in Gallien zu verweilen, verschleppen die Wikinger Majestix' verweichlichten Neffen Grautvornix, der von sich behauptet, der größte Angsthase der Welt zu sein, ins eisige Skandinavien.

Asterix und Obelix eilen zu seiner Rettung und ärgern sich nicht nur mit dem verzogenen Bubi herum, sondern auch mit dem Wikinger-Seher Kryptograph, der einst jene unbedachte Äußerung "Angst verleiht Flügel" getan hat und nun selbst Angst hat, als Schädeltasse in Maulafs Geschirrservice zu enden. Dazwischen bleibt immer noch Zeit für ein Schwätzchen über Walross à la crème. Grautvornix, einst die Parodie eines langhaarigen "Beatnik", wird zusätzlich als Vegetarier und Pazifist veralbert und mit einem Brieftauben-Handy ausgerüstet. Als emanzipatorisches Schmankerl kommt noch Maulafs selbstbewusste Tochter Abba ins Spiel.

Stimmen von Dieter Hallervorden und Christian Tramitz

Die "Asterix und Obelix"-Comics sind längst zum westeuropäischen Kultur-Code mit geradezu völkerverbindender Wirkung geworden, mit dem ganze Generationen rudimentäre Lateinkenntnisse erwarben und viele Sprüche selbst zu geflügelten Worten wurden: kein Fondue-Abend, in dem nicht unweigerlich der Satz "In den See, in den See, mit einem Gewicht an den Füßen!" fällt. Allerdings haben nicht erst die beiden Realfilme mit Gérard Depardieu gezeigt, dass vom gallischen Esprit höchstens eine Hand voll Sparwitze auf die Leinwand hinüber gerettet werden können. Das ist auch diesmal so, und dennoch hat das betuliche Geplänkel, dem etwas Zaubertrank-Doping gut getan hätte, seine Berechtigung.

Nostalgische Erwachsene erinnern sich an ihre zerfledderten Heftchen, und Kindern bietet das im Vergleich zu anderen Animationsfilmen etwas ungelenke Zeichentrickabenteuer harmlose Unterhaltung, die sich wohltuend vom zynischen Ami-Stil absetzt. Die Synchronstimmen sind unter anderen mit Dieter Hallervorden, Götz Otto und Christian Tramitz prominent besetzt, und die Wikinger sind - bei Thor! - aus härterem Holz geschnitzt als die spillerigen Römer, womit die dänischen Koproduzenten ihren Vorfahren Hommage erweisen. Und so wartet man gespannt auf die längst überfällige Verfilmung "Asterix und die Goten" mit kriegslüsternen Wessi- und Ossi-Goten und viel Cervisia.

(ap)