Actionfilm "Wer ist Hanna?" im Kino: Abgerichtet zur Superagenten-Heldin

Actionfilm "Wer ist Hanna?" im Kino : Abgerichtet zur Superagenten-Heldin

Düsseldorf (RP). Die Protagonistin erlegt mit Pfeil und Bogen einen Elch. Weil sie dessen Herz jedoch verfehlte, zieht sie eine Pistole und gibt ihm den Gnadenschuss. Das Irritierende daran, sie ist noch ein Mädchen, vielleicht 16 Jahre alt. Mit ihren blond gelockten Haaren erweckt sie den Eindruck eines Unschuldsengels, mit ihrem Verhalten den einer eiskalten Jägerin. "Wer ist Hanna?" fragt sich der Zuschauer. Und so heißt auch der Film.

Auf den Regisseur Joe Wright ist Verlass. Mag sein, dass er keine unverwechselbare Handschrift besitzt und kein Thema oder Genre besetzt — noch nicht. Aber seit "Stolz und Vorurteil" und "Abbitte" weiß man, dass er keine Routineprodukte abliefert, dass er sorgfältig inszeniert und Nuancen herausarbeitet.

Sein neuester Film, der im Original einfach nur "Hanna" heißt, beginnt als Kammerspiel im Schnee. Irgendwo in Finnland lebt der ehemalige CIA-Agent Erik (Eric Bana) mit seiner Tochter Hanna (Saoirse Ronan) und trainiert sie für einen Ernstfall. Sie kennt sich in der ganzen Welt aus, ohne dagewesen zu sein. Sie beherrscht jede erdenkliche Fremdsprache und jede erdenkliche Kampfsportart.

Erik erlaubt seiner Tochter, das Versteck per Knopfdruck zu verraten. Er taucht unter, sie wird gefangen genommen, zu einem bestimmten Zeitpunkt werden sie sich in Berlin wiedersehen.

Doch erst einmal landet sie in einem Hochsicherheitstrakt in Marokko. Hier erweist sie sich als ernsthafte Konkurrentin für Angelina Jolies Superheldinnen Lara Croft und Salt. Aufgrund ihrer eingangs erwähnten Fähigkeiten kann sie in jeder Situation entkommen und untertauchen.

Ein Herz für Hanna

Leider bringt sie dadurch ihre hilfsbereiten Mitmenschen in Gefahr. Wer ein Herz für Hanna hat, der muss früher oder später dran glauben. Die Oberschurkin Marissa (Cate Blanchett mit roter Bubikopf-Perücke) und ihr Komplize, der tuntige, blondierte Nachtclubbesitzer Isaacs (Tom Hollander), kennen keine Gnade.

Dass Hanna nie zu einer Comic-Figur verkommt, ist eine Stärke des Films. Saoirse Ronan macht deutlich, wie erschrocken Hanna auf ihre eigenen Fähigkeiten reagiert. Und man freut sich mit ihr, wenn sie eine Aussteiger-Familie kennenlernt und sich mit deren Tochter Sophie (Jessica Barden) anfreundet. Natürlich bringt sie auch diese Familie in Gefahr, und Wright fällt für das Problem keine Lösung ein. Hanna überlässt die Familie ihrem Schicksal, und es bleibt unklar, was aus ihr wird.

Berlin mal anders

Je länger der Film dauert, desto deutlicher wird sein Problem. Die Sorgfalt von Joe Wright bei der Personenzeichnung und der Auswahl der Drehorte ist überzogen.

Für das Finale in Berlin hat er sich besondere Mühe gegeben: Man sieht endlich einmal ein Berlin ohne Potsdamer Platz, dafür heruntergekommene Sozialbauten am Kottbusser Tor und den stillgelegten Freizeitpark Plänterwald.

Gudrun Ritter, die große alte Dame des Ost-Berliner Theaters, und Martin Wuttke haben starke Kurzauftritte, aber zu welchem Zweck? Niemand ist am Ende klüger, weder Hanna noch ihr Vater, der vielleicht gar nicht ihr Vater ist, oder Marissa, die vielleicht ihre angeblich tote Mutter ist.

Der Film bietet unendlich viel Action. Aber er verspricht noch mehr und kann es nicht einlösen.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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