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"A World Beyond" mit George Clooney erstickt in Effekten

"A World Beyond" im Kino : George Clooney irrt durch Disneys neuen Film

"A World Beyond" hätte ein großes Abenteuer werden können. Doch das Action-Drama mit George Clooney hat keine Handlung und erstickt in Effekten.

George Clooney und Walt Disney, denkt man, da kann eigentlich nichts schiefgehen. Aber dann geht es doch schief, und es geht auf so ärgerliche Weise schief, dass man nach diesen elend langen und in jeder Beziehung viel zu lauten 130 Minuten nicht einfach nur betrübt ist, sondern sauer: "A World Beyond" hätte nämlich durchaus das Zeug zu einem großen Film gehabt, zu einem Klassiker.

Am Anfang sitzt man noch da und seufzt selig, weil das wie einer jener Filme beginnt, mit denen Disney zum Gütesiegel für erfüllte und nachgeholte Jugendträume geworden ist, zum Bilderlieferanten für unsere Fantasiewelt. Der kleine Frank hat aus einem Staubsauger einen Rucksack gebaut, mit dem er fliegen kann, ein sogenanntes Jetpack, und mit eben dem bittet er um Aufnahme beim Erfinderwettbewerb der Weltausstellung von 1964. Frank sieht aus wie eine Hollywood-Variante von Karlsson vom Dach, und obwohl er nicht angenommen wird, ist das ein schöner Tag für ihn. Er trifft nämlich ein Mädchen, es ist sehr hübsch, und es führt ihn in den geheimen Fahrstuhl, der Richtung Zukunft fährt: nach Tomorrowland, ins Morgen-Land einer fortschrittsseligen Zeit, die bessere Welt unter der echten. Wissenschaft und Technologie werden dort zum Wohle der Menschheit eingesetzt. Frank wird die nächsten Jahre an diesem Ort verbringen, sich engagieren, sein Wissen beisteuern, und das Mädchen wohnt dort auch.

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Tomorrowland heißt auch ein Themenpark in Disneyland, Walt Disney hat ihn in den 50er Jahren persönlich konzipiert, und wie aus dem Themenpark "Piraten der Karibik" ist daraus nun ein Film hervorgegangen. Im Gegensatz zum ersten "Piraten"-Film wirkt er allerdings auch wie ein Film, der aus einem Themenpark hervorgegangen ist.

Auf die heitere Exposition folgt ein harter Sprung in die Gegenwart, und da lernen wir Casey (Britt Robertson) kennen, ein Mädchen vom Schlage einer Katniss Everdeen aus den "Tributen von Panem": selbstbewusst, patent, mutig. Im Grunde geht nun ein zweiter Film los, denn man lernt Casey ausführlich kennen, bevor sie eine Anstecknadel findet, die einst bei der Weltausstellung verteilt wurde. Wenn Casey sie berührt, findet sie sich wundersamerweise in Tomorrowland wieder, der Stadt, die einst Verheißung war und 50 Jahre später Bedrohung ist.

Frank lebt dort schon lange nicht mehr, er wird von George Clooney gespielt, und er grantelt sehr diesseitig in einem Haus im Wald vor sich hin. In Tomorrowland regiert nun das Böse, die Verbitterung. Casey wird wie von einem Magneten gezogen zu Frank geführt, und es ist höchste Zeit, denn beide werden von Androiden gejagt. Sie reisen nach Tomorrowland, und dort hält Hugh Laurie ("Dr. House") als Herrscher des Zukunftsstaates lange Reden über den Verfall der Welt, die drohende Ökokatastrophe und den bald bevorstehenden Untergang der Welt. Und er fantasiert über die Rettung der Eliten, denen er gern ein Plätzchen in seiner Parallelwelt anbieten würde. Das hübsche Mädchen von früher ist auch da, entpuppt sich aber als Roboter.

Es steckt ein ernster Kern in diesem überladenen und verfahrenen Film. Es geht um den Menschen, der die Natur einholen will und überholen. Es geht um die Frage, die Max Frisch in seinen berühmten "Fragebogen" aufgenommen hat: "Sind Sie sicher, dass Sie noch am Fortbestand der Welt interessiert sind, wenn alle Ihre Verwandten, Freunde und Nachkommen nicht mehr am Leben sind?"

Aber obwohl Damon Lindelof das Drehbuch schrieb, der die Serie "Lost" miterfand, und obwohl Brad Bird Regie führte, der die wunderbaren Filme "Die Unglaublichen" und "Ratatouille" verantwortete und auch die gute vierte Lieferung der "Mission Impossible"-Reihe, bleibt die Erzählung hohl. Erfindungen verändern die Welt, hört man die Macher warnen, aber sie wissen nicht, dass auch Geschichten die Welt verändern, weil Geschichten die Erfinder verändern. Alle Betroffenheit wirkt hier geborgt, das Gerede über den Zusammenschluss der Träumer, der die Welt retten könnte, bloß aufgesetzt.

Letztlich ist "A World Beyond" ein Vehikel, das es ermöglichen soll, Special Effects abzufeuern. Da teilt sich der Eiffelturm und wird zur Raketenstation, da sitzt Clooney in einer Badewanne und wird durchs Dach seines Hauses in einen See katapultiert. Alles gut anzusehen, aber sinnlos, ohne Anbindung an ein Ziel und deshalb ermüdend.

Die großen Filme des Genres, die von Spielberg etwa, erzählen von Kindern, denen etwas widerfährt, das auf etwas Größeres deutet. Sie verhalten sich dazu, so bekommen sie Einblick in die Weltläufte. Diese Filme stellen eine Erzählung in den Mittelpunkt, sie finden Bilder, die Entwicklung nachvollziehbar machen - die der Helden, mit denen man fühlt. Warum hat Disney in "A World Beyond" nicht einfach die Geschichte Franks stringent weitererzählt? Den Moment bebildert, da ihm aufging, dass Maschinen nicht gut sind für die Menschen? In die Story investiert statt in Ausstattung? Charaktere geschaffen? So fühlt man nichts, der Film lärmt vorbei, und am Ende bleibt ein Satz vom Anfang: "Als ich ein Kind war, war die Zukunft anders."

Disney ist so groß, dass das Unternehmen eine Verantwortung für die Imagination der Zuschauer hat, der jüngeren zumal. In "A World Beyond" erfüllt es sie nicht.

(RP)