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Kinderfilme, die man gerne wiedersieht

Kinderfilme streamen : Mit Hotzenplotz der Langeweile trotzen

Kinderfilme vertreiben auch daheim prima die Zeit. Hier eine Auswahl sehenswerter Produktionen, die auch Eltern Spaß machen.

Im Grunde sind Kinder die begabtesten und vor allem treuesten Cineasten. Anders als Erwachsene, die sich in der Regel mit der einmaligen Sichtung eines Films begnügen, schauen sich Kinder ihre Lieblingsfilme gern immer und immer wieder an. „Nochmal“ heißt es dann. Und wenn der Film vorbei ist: „Nochmal!“

Für Eltern kann drei mal die Woche „Ice Age“ natürlich zur Geduldsprobe werden. Aber es gibt auch Kinderfilme, die weniger hektisch daherkommen und mit Humor und Herz die Aufmerksamkeit der jungen Zuschauer gewinnen – und die der Erwachsenen gleich mit.

„Hände weg von Mississippi“

Der Lieblingsfilm meiner Tochter hieß zum Glück: „Hände weg von Mississippi“. Über viele Lebensjahre hinweg haben wir den Film an verregneten Nachmittagen als Trostpflaster bei einer Magen-Darm-Grippe oder einfach nur aus Spaß angesehen. Sicherlich fünfzig Mal. Eher mehr.

Es gibt nur wenige Filme, die so etwas aushalten. Aber Detlev Buck hat hier Cornelia Funkes Kinderbuch derart liebe- und humorvoll verfilmt, dass das familiäre Sehvergnügen noch weiter wächst, auch wenn oder gerade weil alle auf dem Sofa die Dialoge mitsprechen können. Gedreht wurde im Biosphärenreservat am Schaalsee, das mit goldenen Kornfeldern, saftigen Wiesen, verwilderten Vorgärten und einem weiten blauen Himmel die idyllische Idealkulisse für das sommerliche Kinderabenteuer bietet.

Die zehnjährige Emma (Zoë Charlotte Mannhardt) verbringt hier die Ferien bei ihrer eigenwilligen Großmutter Dolly (Katharina Thalbach), die auf ihrem Hof ein Tierasyl unterhält. Buck spickt die Handlung um eine Pferdeentführung mit zahlreichen Slapstick-Einlagen vom Schweine-Rodeo bis zur finalen Tortenschlacht. Die schrägen Nebenfiguren kommen unübersehbar aus dem Buck’schen Humoruniversum und sind vom opportunistischen Dorfdeppen (Milan Peschel) bis zur wortkargen Vorgartentante (Heidi Kabel) prominent besetzt. (erhältlich bei Amazon, Google Play, Rakuten).

„Lippels Traum“

Auch die Kinderbuchwelten Paul Maars sind immer eine Kinoreise wert. In „Lippels Traum“ führt der elfjährige Philipp (Karl Alexander Seidel), genannt Lippel, in der Schule ein zurückgezogenes Außenseiterdasein. Als der Vater (Moritz Bleibtreu) für ein paar Wochen ins Ausland muss, engagiert er als Aufsicht für den mutterlosen Sohn die garstige Haushälterin Frau Jakob (Anke Engelke). Zum Glück kann sich Lippel mit dem Märchenbuch von „1001 Nacht“ aus dem verregneten Passau mitten hinein in orientalische Welten träumen. Lars Büchel hat diese Reise zwischen Realität und märchenhafter Fiktion mit viel Liebe zum Detail verfilmt. Besonders gelungen sind die Verbindungen zwischen Orient und Niederbayern, die in das spannende Abenteuer auch immer eine gesunde Portion Humor einbringen.

„Räuber Hotzenplotz“

Seit drei Generationen ist Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“ aus keinem Bücherregal im Kinderzimmer mehr wegzudenken. Gernot Roll hat den Kinderbuchklassiker noch einmal für die Leinwand adaptiert und bleibt dem Geist der Vorlage glücklicherweise sehr treu. Keine angestrengten Aktualisierungen. Keine Hi-Tech-Sperenzien. Armin Rohde spielt den warzennasigen Räuber mit sichtbarem Vergnügen an den großen Gesten, der schauspielerischen Übertreibung und den kurzen Slapstick-Einlagen, mit dem der Film sich zu seiner Verwandtschaft mit dem Kasperle-Theater bekennt. Die Landschaften, das malerische Dorf im Süddeutschen, die Räuberhöhle und das Zauberschloss werden in bunten, sommerwarmen Farben gezeichnet, die nie einen Zweifel aufkommen lassen, dass man sich in einer Märchenwelt bewegt. (bei Sky, Amazon, iTunes u.a.).

„Die wilden Hühner“

Mit „Die wilden Hühner“ hat Vivian Naefe Cornelia Funkes Geschichte um eine kleinstädtische Mädchenbande sehr umsichtig verfilmt. Im Zentrum steht nicht die Dauerbefeuerung durch Effekte und Spannungsbogenhuberei, sondern die Charaktere der Kinder, die sehr nah an unserer Welt gebaut sind. Zu Hause kriegen die alleinerziehenden Mütter ihr Liebesleben nicht geregelt, leben die Eltern in Scheidung, überfordern ihre Kinder durch Leistungsstress. Davon erzählt „Die wilden Hühner“ konsequent aus der Perspektive der Kinder, die gegen die fragile Erwachsenenwelt ihre eigene Solidargemeinschaft aufbauen. Die Mädchenbande der „Wilden Hühner“ ist eine verschworene Gemeinschaft, in der jede jeder hilft und die sich gegen die Jungenbande „Pygmäen“ zu Wehr setzt. Drei Folgen hat Naefe verfilmt, und begleitet in den Fortsetzungen nicht nur die Charaktere, sondern auch ihre jungen Schauspielerinnen in die Pubertät hinein (Netflix).

„Chihiros Reise ins Zauberland“

Chihiros Reise ins Zauberland ist eines der Meisterwerke von Hayao Miyazaki. Foto: dpa / United Archives
Die Wilden Hühner (v. l.): Zsa Zsa Inci Bürkle, Michelle von Treuberg, Lucie Hollmann, Jette Hering und Paula Riemann begegnen der Liebe. Foto: dpa / United Archives

Mit den Werken des japanischen Regisseurs Hayao Miyazaki hat Netflix nun ein paar echte Perlen der Zeichentrickfilmkunst ins Sortiment genommen, die Kinder wie Erwachsene gleichermaßen in ihren Bann ziehen. Von „Das Schloss im Himmel“ über „Kikis kleiner Lieferservice“ und „Prinzessin Mononoke“ bis zu „Chihiros Reise ins Zauberland“ entwirft Miyazaki eine mit liebevollen Details handgezeichnetes Fantasieuniversum, das sich wohltuend vom Getöse amerikanischer Familiy-Entertainment-Formate unterscheidet.