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Britischer Regisseur: Ken Loach - Altmeister des Polit-Films feiert 70.

Britischer Regisseur : Ken Loach - Altmeister des Polit-Films feiert 70.

Frankfurt/Main (rpo). Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk bekam Ken Loach mit der Goldenen Palme, die ihm in Cannes die Jury für seinen Film "The Wind That Shakes the Barley" erhielt. Der britische Regisseur gilt als Prototyp des Polit-Filmers, der immer im Hinterkopf hat, dass man mit Bildern und Geschichten die Gesellschaft verändern kann. Am Samstag wird der scharfe Beobachter 70 Jahre alt.

Die begehrte "Goldene Palme" war aber keineswegs nur das vorgezogene Geburtstagsgeschenk einer freundlich gestimmten Jury. Vielmehr war es die verdiente Anerkennung für einen Künstler, der seit vielen Jahren im Fernsehen und im Kino mit unbeirrbarer Konsequenz realistische, sozialkritische Themen und Geschichten in den Mittelpunkt seines Schaffens gestellt hat. Damit hat Loach Maßstäbe gesetzt für all jene Filmemacher, die mit ihren Arbeiten nicht nur Unterhaltung, sondern Anregung, Reflexion und auch Provokation beabsichtigen.

Kassenschlager hat der Brite damit selten erzielt, aber stetig wachsende Beachtung und Respekt. Loach, dessen Vater Elektriker in einer Fabrik war, hat nie seine sozialen Wurzeln vergessen. Weil seine Filme fast immer von normalen Menschen in bedrückenden sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen erzählen, konnte er auch fast immer auf die Mitwirkung teurer Stars verzichten und den Einsatz eher unbekannter Schauspieler oder von Laiendarstellern zu einem der Markenzeichen seiner Arbeit machen.

Nie ein Blatt vor den Mund genommen

Vor kritischen politischen Äußerungen hat sich der Filmemacher als bekennender Linker nie gescheut. Ob es die verhasste Thatcher-Regierung war, Tony Blairs Politik oder die Bush-Regierung in den USA - Loach hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn er bedrohliche Fehlentwicklungen sah. Dass er gleichwohl ein unabhängiger Geist ist, beweisen Filme wie "Land and Freedom" (1995), eine kritische Auseinandersetzung mit der angeblichen "antifaschistischen Einheitsfront" im Spanischen Bürgerkrieg.

Loach kann übrigens auch ergreifende Liebesgeschichten auf die Leinwand bringen, wie er 2004 mit dem Film "Just a Kiss" bewiesen hat. Es ist die Geschichte einer ebenso leidenschaftlichen wie schwierigen Beziehung zwischen einer jungen Irin und einem pakistanischstämmigen Mann. In seinem nun in Cannes preisgekrönten Film behandelt Loach das Irland der 20er Jahre, in dem Rebellen gegen die britischen Besatzer kämpften. Ken Loach gehört auch mit 70 Jahren noch zu den Filmemachern, die etwas zu sagen haben und das immer besser ausdrücken können.

(ap)