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Disney-Produktion floppt in den USA: Johnny Depp enttäuscht als Indianer

Disney-Produktion floppt in den USA : Johnny Depp enttäuscht als Indianer

Die Disney-Produktion "The Lone Ranger" startet übermorgen in den deutschen Kinos. In den USA gilt der Western für die ganze Familie bereits als Flop. Tatsächlich fehlt es dem 250-Millionen-Dollar-Film am Wichtigstem: Herz.

Wenn eine Figur im Kino erfolgreich ist und auch Kinder anspricht, gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit ziemlich rasch ein Spielzeug mit dem Gesicht dieses Helden. Die Firma Lego etwa vertreibt Bausätze mit Motiven aus "Star Wars", Autos aus der "Cars"-Reihe und Landschaften mit den Hobbits aus dem "Herrn der Ringe". Seit Neuestem stehen nun die Kartons mit Szenen aus der Produktion "The Lone Ranger" in den Geschäften — sie indes werden womöglich nicht so viele Abnehmer finden wie die Konkurrenzprodukte.

Der Film "The Lone Ranger" kommt übermorgen in die deutschen Kinos, und in den USA, wo er bereits zu sehen ist, gilt die Produktion längst als Flop. Dabei hatte man in den Studios von Walt Disney hohe Erwartungen in diesen Western für die ganze Familie gesetzt. Wer nur die äußeren Daten betrachtet, wird die anfängliche Euphorie sogar verstehen: Gore Verbinski, Regisseur der immens erfolgreichen "Fluch der Karibik"-Reihe, inszeniert eine populäre Geschichte. Es geht um den aufrechten, aber naiven Lone Ranger, der im Wilden Westen für Gerechtigkeit sorgt, und an seiner Seite hat er einen gerissenen Freund, den Komantschen Tonto. Die ungewöhnlichen Helden wurden in den 30er Jahren erschaffen, zunächst für eine Radioserie, dann kamen Comics hinzu und eine TV-Reihe. In den USA kennt sie fast jedes Kind.

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Verbinski engagierte Johnny Depp für die Rolle des Tonto, Disney investierte 250 Millionen Dollar, die das Team für wunderbar anzuschauende Explosionen ausgeben durfte und für rasante Actionszenen. Allein: Der zweieinhalb Stunden lange Film hat kein Herz, man sieht ihm an, dass er Malen nach Zahlen betreibt. Er möchte nicht nur Komödie sein, sondern auch Drama, Geschichtsunterricht und Persiflage. Er wurde auf den Erfolg hin designt und verlor dabei alle Originalität.

Starker Beginn kann den Film nicht retten

Dabei beginnt "The Lone Ranger" stark, er setzt mit einer Rahmenhandlung im Jahr 1933 ein. Der Indianer Tonto ist das Ausstellungsstück in einem Diorama, das sich Kinder ansehen, um mehr über die Geschichte Amerikas zu erfahren. Er erwacht zum Leben, als ein Junge vor ihm steht, er erzählt von 1869, als er in Texas lebte und sich mit seinem Kumpel, dem Lone Ranger, gegen die Ungerechtigkeiten wehrte, die beim Bau der Eisenbahn vom Pazifik zum Atlantik passierten.

Die Titelfigur wird von Armie Hammer gespielt, und der sagt seine Sätze so steif auf, als könne er selbst kaum fassen, sie überhaupt auswendig gelernt zu haben. Johnny Depp spielt nach dem Motto, dass mehr von einer guten Sache immer besser bedeutet. Also legt er den Tonto an wie den Jack Sparrow aus dem "Fluch der Karibik". Aber es ist viel zu viel, und das Duo findet keine Balance. Sie reden vor imposanter Kulisse aneinander vorbei, die Chemie stimmt nicht, diese Freundschaft ist durch und durch künstlich. Hinzu kommt, dass Verbinski sich den Spaß gönnt, in jeder Szene eine Anspielung auf große Vorbilder zu verstecken. Er zitiert den "Schwarzen Falken" von John Ford, zudem "Little Big Man" und Dutzende andere Klassiker. So bleibt der Film ein Flickenteppich aus fremden Ideen, er überzeugt nicht als eigenständiges Ganzes.

In den USA ist das Startwochenende besonders wichtig, und dessen Ergebnis ergab für "The Lone Ranger": 48,9 Millionen Dollar. Bei diesen Produktionskosten ein Desaster. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum spielte die relativ günstig produzierte Animationskomödie "Ich — einfach unverbesserlich 2" aus den Universal-Studios rund 142 Millionen Dollar ein. Für Disney ist das die zweite mächtige Enttäuschung nach dem Misserfolg von "John Carter", der bei 350 Millionen Kosten weltweit nur 282 Millionen hereinholte. Auch Depps Spiel scheint immer weniger Menschen anzusprechen — seine Komödie "Dark Shadows" blieb ja ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.

So bleibt nur eine vage Hoffnung: der Erfolg der Lego-Männchen.

(RP)