Heute wäre er 100 geworden: John Wayne - der letzte Cowboy

Heute wäre er 100 geworden : John Wayne - der letzte Cowboy

Düsseldorf (RP). Jeder kennt ihn, keiner liebt ihn. Respekt ja, auch Bewunderung, aber Liebe? Die musste sich John Wayne stets hart erkämpfen, im Film wie im Leben. Zum Glück hatte ihn die Natur bestens präpariert, ihm die Kraft eines Ochsen geschenkt, die Statur eines Bären und die Konstitution eines Ackergauls. Stur wie ein Esel war er noch obendrein. Aber eben nicht so leicht kaputt zu kriegen, weder vom Krebs noch von den Kritikern, nicht mal von den Frauen.

John Wayne war ein Mann aus einer anderen Zeit, rau, herzlich, konservativ, allem Neuen gegenüber skeptisch bis abweisend, aber stets ein Mann von Moral. "Er war hässlich, stark und würdevoll" wünschte er sich als Inschrift für seinen Grabstein, freilich umsonst. Daran ändert auch sein bevorstehender 100. Geburtstag nichts. So weit zum Thema Liebe.

John Wayne, der bürgerlich auf den schönen Namen Marion Michael Morrison hörte, wäre das höchstens ein brummiges "God'damn" wert. Gefühlsduselei lag ihm fern, Wayne sagte lieber, wo's lang geht, oder er kippte sich einen hinter die Binde. Meistens beides. "Ich traue keinem Mann, der nicht trinkt", lautete seine Philosophie. Ob Abstinenzler für ihn vor oder nach Kommunisten, Homosexuellen, Liberalen, Vietcong und Indianern rangierten, ließ Wayne aber offen. Kurzum: der baumlange Kerl aus Iowa mochte niemanden, der seiner Meinung nach den amerikanischen Traum infrage stellte. Denn den hatten seine Vorfahren dem Land abgerungen - und Wayne, der Vorzeige-Cowboy, (st)ritt für die Freiheit.

So überzeugend verkörperte er diese Rolle, dass Stalin und Mao angeblich Killer beauftragten, um Wayne eliminieren zu lassen. Moralische Verwerfungen versprachen sich die Diktatoren davon, doch Chruschtschow konnte zumindest Stalin von seinen Plänen abbringen. Hollywood als Angriffsziel, ein Star als Hoffnungsträger einer Nation - was für ein Skript! Tatsächlich aber war John Wayne das Gesicht des wahren Amerikas, weit mehr als der verzweifelte James Dean oder der softe Elvis Presley. Wayne war ein Mann aus dem Herzen des Landes, einer, der zehn Kilometer mit dem Pferd zur Schule ritt, anpacken konnte, sich als Aprikosenpflücker, Lastwagenfahrer und Eisverkäufer durchschlug. Die Menschen nannten ihn Duke, Herzog (abgeleitet vom Namen seines Airdale-Terriers), weil sie sich freuten, einen Adeligen aus dem Volk zu haben - den König der Cowboys.

Natürlich spielte Wayne auch andere Figuren, der Westerner aber entsprach seinem Seelenbild. Vor dem Spiegel trainierte er sich den wiegenden Gang an, das Gebaren eines Mannes, der keinen Streit sucht, aber auch keinem aus dem Weg geht. Mit der Zeit perfektionierte er diese Rolle, formte das öffentliche Bild des Cowboys nach seiner Gestalt. "Ich habe versucht, einen Mann zu spielen, der sich schmutzig macht, der manchmal schwitzt, der es genießt, ein Mädchen zu küssen, der zornig wird, der sauber kämpft, solange es möglich ist, und unsauber, wenn er muss. Man kann wohl sagen, dass ich aus dem Westernheld ein Raubein gemacht habe."

Kein Darsteller spiegelte die Topographie des Westens, die kantigen Felsen des Monument Valley so perfekt wie John Wayne; sein massiver Körper, seine harten Züge standen im Dialog mit der Landschaft. Regisseur John Ford hat das als erster erkannt, bei ihm spielte Wayne einige seiner besten Rollen: "Der Teufelshauptmann", "Der letzte Befehl", "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" und natürlich den innerlich zerrissenen Ethan Edwards in "Der Schwarze Falke". Dass Wayne die Rolle des entwurzelten Indianerhassers Edwards, der sich am Ende eines Besseren besinnt, zu der ihm liebsten erklärte und sogar einen seiner Söhne Ethan taufte, sagt viel über ihn aus.

Mit Ford verband Wayne die Verwandtschaft derjenigen, die einfach loslegen und hinterher fragen, die Lakonie der Handwerker, deren Poesie aus dem Willen zur Perfektion entsteht. Beide geizten mit Lob für den anderen, politisch stammten sie aus verschiedenen Lagern - aber sie waren sich trotzdem so nah, wie man sich unter Westernern sein konnte. Seinen letzten Drink nahm Ford mit Wayne, ein Abschied wie in einem ihrer Filme.

Waynes eigener Abgang war allerdings auch filmreif. Mit 57 erwischte der Krebs ihn zum ersten Mal, der Duke opferte eine Lunge, blieb aber siegreich. Seinem Image schadete die Krankheit nicht, im Gegenteil, Wayne galt nun erst recht als unerschütterlich. Jetzt hatte er auch die Gelassenheit, seinen Figuren einen leicht ironischen Touch zu geben - das bescherte ihm 1969 für seine Rolle in "Der Marshall" seinen einzigen Oscar. Danach folgte Dutzendware, bis auf seinen letzten Film, "Der Scharfschütze", in dem er ausgerechnet einen krebskranken, todgeweihten Revolverhelden spielte. Zwei Jahre, bevor die Krankheit erneut bei ihm diagnostiziert wurde. Am 11. Juni 1979 verlor er seinen letzten Kampf.

Wo andere in den Altersstarrsinn abglitten, wählte Wayne die Altersmilde. In den letzten Lebensjahren weichten seine stockkonservativen Positionen etwas auf, so unterstützte er den demokratischen Präsident Jimmy Carter in dessen Haltung zum Panama-Kanal. Auch andersdenkenden Kollegen - wie etwa der Öko-Aktivistin Jane Fonda - gegenüber wurde er weitaus nachsichtiger. "Ich kenne Jane Fonda, seit sie ein kleines Mädchen ist. Ich kann ihr bei keinem einzigen Wort zustimmen, das sie gesagt hat, aber ich würde mein Leben geben, um das Recht zu verteidigen, dass sie es sagen darf."

Wie bei keinem anderen Schauspieler fließen bei John Wayne Leben und Werk zusammen. Er war so oder so auf die Hauptrolle gebucht (in 142 von 153 Filmen), nicht nur auf der Leinwand überlebensgroß, ein ganzer Kerl eben.

Sein Problem: Er war ein Auslaufmodell. Aber er hat das Beste daraus gemacht. "In jedem Film habe ich John Wayne gespielt, unabhängig von der Rolle - und ich habe es gut gemacht, oder?"

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zehn Western mit John Wayne

(RP)