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James Bond: 007-Film-Verlegung trifft die angeschlagene Kino-Branche

„Keine Zeit zu sterben“ : Bond-Verlegung trifft angeschlagene Kino-Branche hart

Kinos leiden unter der Corona-Krise. Cineworld schließt alle Häuser in Großbritannien und den USA. Und Hoffnung ist derzeit nicht in Sicht. Die neuerliche Verlegung des 007-Streifens ist ein Schock.

Der neue James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ ist sechs Wochen vor dem geplanten Start erneut verschoben worden – jetzt schon zum vierten Mal. Der Agententhriller mit Daniel Craig soll erst am 2. April 2021 ins Kino kommen. Die Ankündigung der Produzenten enttäuschte nicht nur Fans, sie verärgerte besonders Kinobetreiber, die um ihre Existenz fürchten. Mit dem neuen Blockbuster hatten viele die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Kinogeschäfts verbunden.

Die Mitteilung der Produzenten kam für viele überraschend. Die PR-Kampagne für „Keine Zeit zu sterben“ lief schon auf Hochtouren. Ein neuer Trailer, Werbespots, Plakate und eine James-Bond-Podcast-Reihe – es war alles vorbereitet für den Start in diesem November. Am Tag vor der Nachricht hatte Popstar Billie Eilish sogar noch ihr Musikvideo zum Titelsong „No Time To Die“ veröffentlicht. Die Absage-Entscheidung fiel offensichtlich kurzfristig.

Einen Zusammenhang mit dem Coronavirus nannten die 007-Produzenten nicht explizit, er gilt aber als sicher: Die miserablen Einspielergebnisse des Christopher-Nolan-Films „Tenet“, der als einziger Blockbuster in diesem Sommer anlief, dürften dabei auch eine Rolle gespielt haben. Laut der renommierten Branchen-Website „Box Office Mojo“ spielte die 200-Millionen-Dollar-Produktion bis Sonntag rund 307 Millionen Dollar ein, davon magere 45 Millionen auf dem wichtigen US-Markt, wo wegen der Pandemie immer noch viele Kinos geschlossen sind. Zum Vergleich: Der bisher letzte Bond-Film „Spectre“ aus dem Jahr 2015 hatte weltweit 880 Millionen Dollar (751 Millionen Euro) in die Kassen gespielt.

Den neuen Starttermin für James Bond im April 2021 habe man gewählt, „damit ein weltweites Kinopublikum den Film sehen kann“, hieß es in der knappen Mitteilung von MGM, Universal und der Produzenten Michael G. Wilson und Barbara Broccoli. „Wir verstehen, dass die Verzögerung für Fans enttäuschend ist, aber nun freuen wir uns darauf, „No Time To Die“ nächstes Jahr zu teilen.“ Ob die Corona-Lage bis dahin besser geworden ist, ist allerdings völlig offen.

Und womöglich werden einige Kinos den Start gar nicht mehr erleben. Die Corona-Pandemie führt zu einem Kahlschlag in der Kinobranche: Die vorübergehende Schließung aller Cineworld-Kinos in Großbritannien und den USA kostet rund 45.000 Mitarbeiter ihre Jobs. Ab Donnerstag zieht der weltweit zweitgrößte Kinobetreiber nach AMC die Vorhänge in 536 Lichtspielhäusern in den USA und 127 in Großbritannien zu. Es gehe darum, Kosten zu sparen und das noch vorhandene Geld zusammenzuhalten, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Schritt hatte sich am Wochenende angedeutet. Zu Beginn der Corona-Krise blieben die meisten Kinos weltweit zunächst geschlossen. Seit der langsamen Wiedereröffnung im Sommer können die Häuser aufgrund der Hygiene- und Abstandsauflagen deutlich weniger Besucher empfangen, was es schwer macht, überhaupt kostendeckend zu operieren.

Auch die Hollywood-Blockbuster „Black Widow“, „The King‘s Man“ und „Top Gun Maverick“ laufen nun erst im kommenden Jahr an. Die mehrfach verschobene Comic-Verfilmung „Wonder Woman 1984“ soll zwar kurz vor Weihnachten starten - genauso wie „Dune“, „Tod auf dem Nil“ und der Pixar-Animationsfilm „Soul“. Insider rechnen allerdings mit weiteren Änderungen. Der 25. James-Bond-Film galt vielen als letzte Hoffnung, die Zuschauer noch in diesem Jahr zurück in die Kinosäle zu locken.

Der Start war schon drei Mal vertagt worden. Ursprünglich hatte er im Oktober 2019 Premiere feiern sollen. Als der britische Regisseur Danny Boyle wegen „kreativer Differenzen“ im August 2018 von dem Projekt zurücktrat, wurde der Start auf Februar 2020 verlegt. Unter Boyles Nachfolger, dem US-Amerikaner Cary Joji Fukunaga, wurde der Termin um zwei weitere Monate auf April korrigiert, um das Drehbuch nachzubessern. Dann allerdings brach die Coronavirus-Pandemie aus.

(dpa)