Filmfestspiele eröffnen mit Politdrama: Hollywoodflair in Venedig

Filmfestspiele eröffnen mit Politdrama : Hollywoodflair in Venedig

Der rote Teppich ist ausgerollt und die ersten Stars sind schon da: Die Filmfestspiele in Venedig starten zum 69. Mal. Zur Eröffnung gibt es Hollywoodprominenz und politisches Kino.

Als die Regisseurin Mira Nair im Jahr 2001 beim Filmfest Venedig war, war die Welt noch eine ganz andere. Im September gewann Nair damals den begehrten Goldenen Löwen für "Monsoon Wedding" - wenige Tage später erschütterten die Terroranschläge in New York die Welt und veränderten sie nachhaltig.

Das spürte auch Nair, die als Inderin in den USA lebt und zwischen den Kulturen pendelt. Nun brachte die 54-Jährige zur Eröffnung des 69. Internationalen Filmfestivals Venedig am Mittwochabend ein Drama um die Folgen eben dieser Attentate mit. Sie sehe ihr Werk als eine Möglichkeit, Wunden zu heilen. "Als einen Dialog zwischen Amerika und den islamischen Ländern, zwischen Ost und West."

Kate Hudson und Laetitia Casta

Mit "The Reluctant Fundamentalist" (Der zögernde Fundamentalist) ist dem Festival zur Eröffnung so der Spagat gelungen, Kino mit einer politischen Aussage zu zeigen und gleichzeitig namhafte Prominenz auf den Lido zu holen. Denn für die Premiere ihres Films hatte Nair auch ihre Darsteller Kate Hudson, Liev Schreiber und den Briten Riz Ahmed dabei, der die Hauptrolle spielt. Zur Galavorstellung schritten am Abend auch die Jury-Mitglieder wie Laetitia Casta und Samantha Morton über den roten Teppich vor dem Sala Grande. Außerdem war Liev Schreibers Lebensgefährtin, Hollywood-Star Naomi Watts, gekommen.

"The Reluctant Fundamentalist" erzählt vom Leben des jungen Pakistani Changez Khan. Nach einem Studium an der US-Elite-Uni Princeton beweist er in einem Unternehmen in New York sein Talent als Wirtschaftsprüfer. Changez legt schnell eine kometenhafte Karriere hin, lernt ein nettes amerikanisches Mädchen kennen und kann sein Glück vom amerikanischen Traum kaum fassen. Doch dann greifen Terroristen 2001 das World Trade Center an - und Changez' Leben bricht nach und nach auseinander.

"Ich gehöre zu beiden Kulturen, zu beiden Welten, deswegen wollte ich diesen Film machen", erklärte die Regisseurin. Sie wolle Menschen zeigen, die über die Grenzen hinweg eng miteinander befreundet sein könnten, wenn ihnen die Politik nicht im Weg stehen würde.

18 Filme im Wettbewerb

Den Goldenen Löwen wird sie damit nicht gewinnen - "The Reluctant Fundamentalist" läuft beim ältesten Filmfest der Welt außer Konkurrenz. Dafür werden im Wettbewerb bis Ende nächster Woche 18 Werke von Regisseuren wie Brian De Palma, Paul Thomas Anderson und Terrence Malick zu sehen sein.

Der Gewinnerfilm müsse "Innovation und Exzellenz" haben, kündigte der Präsident der neunköpfigen Jury, der US-Regisseur Michael Mann, an. Wie die Juroren vorgehen werden, wisse er aber noch nicht. "Wir müssen irgendwie einen Konsens finden." Einen Vorteil könnten sie dabei jedoch haben, wie der neue Festivaldirektor Alberto Barbera scherzte. "Wir haben die Anzahl der Wettbewerbsfilme im Vergleich zum Vorjahr deutlich gekürzt - vielleicht macht das eure Arbeit einfacher?"

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(dpa)
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