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Harry Belafonte hält Brandrede gegen Rassismus bei Oscar-Verleihung

Ehrenoscar für Schauspieler und Sänger : Harry Belafonte hält Brandrede gegen Rassismus in Hollywood

Harry Belafonte spricht mit heller, aber leicht rauer Stimme bei seiner Dankesrede für den Ehrenoscar. So ruhig die Stimme ist, so drastisch ist der Inhalt. Schlägereien, Baseballschläger, Blut auf den Straßen, das sind seine Stichworte. Es sind jedoch keine Filmszenen, sondern es ist die unrühmliche Geschichte der amerikanischen Filmindustrie. Die Geschichte der Gewalt zwischen Schwarzen und Weißen.

Für sein humanitäres Engagement hat die "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" Harry Belafonte am Samstag ausgezeichnet. Die "Academy" verleiht die Ehrenoscars seit einigen Jahren in einer eigenen Zeremonie, um ihnen eine besondere Bedeutung abseits der anderen Kategorien zu verleihen. Belafonte nutzte diese besondere Bühne, um Teile der amerikanischen Filmgeschichte aufzuarbeiten, die selbst Filmkritiker nur selten aufgreifen.

Es sind drastische Bilder, die der 87-jährige Belafonte mit seiner mittlerweile brüchig wirkenden Stimme beschreibt. Er spricht von verfeindeten Gruppen, die mit Basballschlägern aufeinander einschlagen. Von Wut, Zorn und Hass getrieben, schlagen sie aufeinander ein, bis das Blut die Straßen rot färbt. Schwarze und Weiße verletzen sich, wünschen einander den Tod. Die Szenen die Harry Belafonte beschreibt, hat seiner Meinung nach Hollywood produziert. Doch sie sind keine gestellten oder nachgespielten Szenen. Auslöser für die beschriebenen Unruhen war der Film "Die Geburt einer Nation". Der Historienfilm hatte unter anderem den Ku-Klux-Klan glorifiziert, offen rassistische Motive verbreitet. Aufführungen des Films im Jahr 1915 hatten zu Straßenschlachten geführt.

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Hollywood gibt Vorlagen für die Politik

Der Film sei laut Belafonte der erste Film gewesen, der im Weißen Haus aufgeführt worden war. Der damalige US-Präsidenten Woodrow Wilson habe den Film ausdrücklich gelobt. Harry Belafonte räumt in seiner Rede mit dem teils vorherrschenden Eindruck auf, Filmemacher aus Hollywood hätten nur auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert und seien Spielball der Politik gewesen. Belafontes Beispiele zeigen jedoch, dass Filmmacher, mit ihren Filmen den Rassismus selbst forciert haben und Impulse für die Politik und die Gesellschaft geliefert haben.

Belafonte trat für Bürgerrechte und gegen Apartheid ein

Nur kurz geht Harry Belafonte in seiner Rede auf seine eigenen Erfahrungen mit Rassismus und Unterdrückung ein. Er spricht über die 1940er bis 1960er Jahre und die sogenannte "McCarthy-Ära". In dieser Zeit standen zahlreiche Künstler unter Verdacht kommunistische Ziele zu verfolgen oder sich mindestens nicht an Ermittlungen gegen andere Verdächtige zu beteiligen. Die Künstler landeten auf einer schwarzen Liste, fanden kaum Stellenangebote. Harry Belafonte stand selbst auf dieser Liste, hatte er sich doch in den 1950er Jahren lautstark für die Bürgerrechtsbewegung eingesetzt und ab den 1970er Jahren gegen das Apartheidsregime in Südafrika protestiert.

Statt wütend zurückzublicken, bleibt Belafonte in seiner Rede ruhig, kontrolliert seine Stimme. Mit einem Lächeln hält er der Branche ihre Verfehlungen in der Vergangenheit vor: eine Atmosphäre der Missgunst und des Rassismus. Doch Belafonte lobt auch aktuelle Entwicklungen. Er hebt Filme wie "Twelve Years a Slave" oder "Brokeback Mountain" hervor. Die Filme arbeiten zum einen die Geschichte der Sklaverei auf, greifen zum anderen das Thema Homosexualität im amerikanischsten aller Berufe, dem des Cowboy auf.

Dabei sei es nicht nur der Inhalt, das Thema, die diese Filme besonders machten. Die technologischen Fortschritte würden den Künstlern grenzenlose Möglichkeiten geben, um dem Zuschauer "tiefere Einblicke in die menschlische Existenz" zu geben.

Sehen Sie hier das Video der Rede in voller Länge:

(ac)