Golden Globes Award für Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio

Golden Globes : Letzte Preisvergabe vor der Oscar-Nacht

Die Schauspieler Jennifer Lawrence, Amy Adams und Leonardo DiCaprio wurden mit den Golden Globes ausgezeichnet. Die Produktion "12 Years A Slave" von Regisseur Steve McQueen wurde als bestes Kino-Drama geehrt.

Die Verleihung der Golden Globes ist eine große Sause, gewissermaßen die Abi-Fete unter den Galas der sogenannten Award Season in Hollywood. Als Königin dieser schampusseligen Festivität eignet sich derzeit niemand besser als die Schauspielerin Jennifer Lawrence. Die 23-Jährige ist seit ihrem Oscar für ihre Rolle in dem Film "Silver Linings" im vergangenen Jahr der Darling der Film-Industrie: begabt und in der Kleiderwahl gut beraten, kumpelhaft und ein bisschen prollig, tiefe Stimme, großes Herz — jeder mag sie.

Sie gewann denn auch einen Golden Globe für ihren Auftritt in der Satire "American Hustle", da spielt sie eine leicht derangierte und stets promilleheitere Gattin mit komischer Frisur. Sie ist gut in dem Film, sowas kann sie, aber ob Lawrence nun beste Chancen auf Oscar Nummer zwei hat, ist fraglich.

Viele meinen ja, die Golden Globes seien ein sicherer Indikator für die Vergabe der Oscars, die Vorentscheidung sozusagen. Dabei befinden gerade mal 80 Stimmberechtigte in der Hollywood Foreign Press Association über die Preise, Filmjournalisten aus aller Welt also. Traditionell geht es bei ihren Nominierungen anscheinend mehr um das Gelingen der Feier als um große Filmkunst.

Die viel gediegenere Academy Of Motion Pictures And Arts, die die Oscars vergibt, ist hingegen stärker an ästhetischen Kriterien interessiert, an nationalen Aspekten zudem, außerdem setzen sich ihre Mitglieder aus 6000 Filmschaffenden zusammen, Menschen von jenseits der Leinwand: Regisseure und Schauspieler, Maskenbildner und Produzenten. Wenn man all das einrechnet, ist es nicht unwahrscheinlich, dass am 2. März nicht Jennifer Lawrence einen Oscar bekommt, sondern ihre Konkurrentin Lupita Nyong'o. Die hat in "12 Years A Slave" einen derart anrührenden Auftritt als geschundene Sklavin, dass sich viele der Stimmberechtigten dann doch für sie aussprechen dürften.

Überhaupt ist "12 Years A Slave" der große Verlierer dieser Golden-Globe-Nacht. Der Kostümfilm von Regisseur Steve McQueen wurde zwar als bestes Film-Drama geehrt (bei den Golden Globes wird zwischen Drama und Komödie unterschieden), in allen anderen Kategorien aber übergangen. Den Regie-Preis bekam Alfonso Cuarón für die Weltraum-Meditation "Gravity", und die meisten Darsteller-Preise gewann die beste Komödie "American Hustle" — neben Lawrence wurde auch Hauptdarstellerin Amy Adams geehrt.

Doch "12 Years A Slave" ist ein starker Film, langsam und konventionell erzählt, aber mit einer Intensität, die dem Zuschauer körperliche Schmerzen bereitet. Die Geschichte des Films ist wahr, es geht um den schwarzhäutigen Solomun Northup, der Mitte des 19. Jahrhunderts als freier Mann in New York lebte, von Menschenhändlern verschleppt wurde und als Sklave in Louisiana arbeiten musste. Der Mann konnte seine Familie nicht informieren, zwölf Jahre hoffte er auf Erlösung oder eine Fluchtmöglichkeit, und McQueen zeigt die Misshandlungen und Folterungen, die Gewaltexzesse und Auspeitschungen in unerträglicher Genauigkeit. Der Regisseur dürfte denn auch trotz Niederlage bei den Globes als Favorit ins Oscar-Rennen gehen, sein Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor ebenfalls, und auch Nebendarsteller Michael Fassbender wird unter den Genannten nicht die geringsten Chancen haben, wenn übermorgen die Oscar-Nominierungen verkündet werden.

Die Globes sind genau genommen eine gewaltige Werbe-Veranstaltung. Die Studios nutzen die Gelegenheit, um noch einmal auf der ganzen Welt auf ihre Filme aufmerksam zu machen — der Start des vielfach nominierten "12 Years A Slave" etwa wurde hierzulande eigens vom Dezember auf kommenden Donnerstag verlegt. Am selben Tag läuft auch "The Wolf Of Wall Street" an, die mit "Gravity", "American Hustle" und "12 Years A Slave" wichtigste Produktion der Saison. Und wenn die Golden Globes in diesem Jahr überhaupt als Lackmustest taugen, dann womöglich bei den Hauptdarstellern. Cate Blanchett, die für ihr Spiel in Woody Allens "Blue Jasmine" den Golden Globe bekam, dürfte auch bei den Oscars die Favoritin sein. Und Leonardo DiCaprio, der für seine Leistung in "The Wolf On Wall Street" geehrt wurde, wird der Einzige sein, der Robert Redfords ersten Darsteller-Oscar (für "All Is Lost") verhindern kann.

Die Globes haben keinen Einfluss auf die Vergabe der wichtigsten Filmpreise der Welt. Aber sie machen sie noch spannender.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Gewinner der Golden Globe Awards 2014

(RP)
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