Verleihung der Golden Globes Comeback auf Bewährung

Beverly Hills/Düsseldorf · Die Golden Globes waren wegen ethischer und finanzieller Verfehlungen in Verruf geraten. Nach zwei Krisenjahren kehrten sie nun mit einer Gala zurück. Und weil Hollywood vor allem ein Geschäft ist, kamen viele Stars und lächelten.

Golden Globes 2024 - alle Gewinner der Verleihung
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Das sind die Gewinner der Golden Globes 2024

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Foto: dpa/Chris Pizzello

Der Moderator des Abends war der Comedian Jerrod Carmichael, und er ging gleich zu Beginn seines Eröffnungsmonologs auf den Elefant im Raum ein. „Ich sage Ihnen, warum ich hier bin. Ich bin hier, weil ich schwarz bin“, sagte er. Das sei ein moralisches Dilemma, aber ein Freund habe gesagt, die 500.000 Dollar Gage seien es wert. So kehrten die Golden Globe also zurück auf die Bühne: etwas demütig, aber nicht allzu sehr. Ein bisschen glamourös, doch nicht so extrem wie früher. Ausgelassen, wenn auch mit angezogener Handbremse. Und als Business-Event, und zwar genau wie eh und je.

Nach einem Jahr krisenbedingter TV-Abstinenz wurde die Gala im „Beverly Hilton Hotel“ in Beverly Hills wieder im Fernsehen übertragen. Die Golden Globes galten einst als „Hollywoods Party des Jahres“, doch kurz vor der Verleihung 2021 enthüllte die „Los Angeles Times“, dass es finanzielle und ethische Verwerfungen in der Organisation gab, die die Preise verteilt. Die Hollywood Foreign Press Association (HFPA) bestand damals aus 87 ausschließlich weißen Mitgliedern. Und von denen nahmen einige offenbar Gefälligkeiten der Industrie entgegen. Das berühmteste Beispiel ist die mehrtägige Einladung ans Set der Serie „Emily In Paris“, Fünf-Sterne-Luxushotel inklusive. Die heitere, aber nicht gerade cineastisch hochwertige Produktion tauchte danach denn auch unter den Nominierten auf.

Golden Globes 2023: Die Stars auf dem roten Teppich
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Stars bei den Golden Globes 2023

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Foto: dpa/Jordan Strauss

Die Empörung war enorm. Studios und Produktionsfirmen zogen sich zurück, der Sender NBC setzte die Ausstrahlung der Gala aus. Stars wie Tom Cruise wollten ihre Golden Globes nicht behalten, Scarlett Johansson prangerte den Frage-Stil mancher Mitglieder der HFPA an, der mitunter sexistisch sei.

Die Organisation betrieb Krisenmanagement nach bekanntem Muster: Man bekundete den Willen, sich zu ändern. Alle Mitglieder mussten sich neuerlich um Aufnahme bewerben, zusätzliche wurden eingeladen, darunter sechs people of colour. Es gibt nun 96 Mitglieder, zudem 103 Wahlberechtigte von außen – auch die, so heißt es, seien nicht ausschließlich weiß. Der Verhaltenskodex sei nun strenger, die Statuten wurden überarbeitet.

Würde das genügen?, fragte man sich vor der 80. Preisverleihung. Würde alles wieder werden wie früher? Die Antwort: Ja, denn Hollywood ist eben keine moralische Anstalt, sondern ein Geschäft. Am Donnerstag beginnt die Oscar-Academy ihr Voting für die diesjährigen Preise, da möchten alle die Gelegenheit nutzen, sich noch einmal zu präsentieren. An der Gala hängen Millionensummen für Caterer, Chauffeure, Blumen-Lieferanten und ähnliche Gewerbe. Und wer gewinnt, darf sich zumeist ebenfalls über zusätzliche Einkünfte freuen: Eine Studie aus dem Jahr 2021 besagt, dass Filme, die mit dem Golden Globe geehrt werden, im Schnitt 16,5 Millionen Dollar zusätzlich an Ticketeinnahmen verbuchen.

Die meisten Stars kamen also und lächelten. Und dennoch spürte man, dass das gewissermaßen eine Show auf Bewährung war. Die Golden Globes galten ja stets als durchgeknallte kleine Schwester der Oscars. Die Scherze waren derber und giftiger, die Feiern exzessiver. Bisweilen nahm man sein Champagner-Glas mit auf die Bühne zur Preisvergabe. Das war nun anders. Statt mehrerer Aftershow-Partys gab es nurmehr eine, die Reden klangen getragener und manchmal angestrengt lustig, und mehrere Promis wie Julia Roberts blieben dann doch lieber daheim. 20 Nominierte fehlten, alle führten indes professionelle Gründe an. Cate Blanchett, die für ihre Rolle als Dirigentin in „Tar“ ausgezeichnet wurde, dreht aktuell in England. Amanda Seyfried, die für ihr Spiel in „The Dropout“ gewann, arbeitet an einem Musical. Kevin Costner hielt der starke Regenfall in Kalifornien ab. Nur Zendaya, Gewinnerin mit der Serie „Euphoria“, verzichtete auf eine Begründung.

Das Interesse an den Golden Globes war jahrzehntelang so hoch, weil zum einen die großen Namen ein Faible für die Preis-Gala hatten: Alle waren da und amüsierten sich, manche schlugen über die Stränge. Zum anderen, weil man die Globes als Prognose wertete für die Oscar-Saison. Auch insofern knüpfen sie nun an alte Zeiten an. James Cameron, Steven Spielberg und viele andere waren da. Und natürlich kann man sich vorstellen, dass Siegerproduktionen wie „The Fabelmans“ und „Banshees Of Inisherin“ auch am 12. März bei den Oscars gewinnen könnten. Gleiches gilt für Regie-Gewinner Steven Spielberg („The Fabelmans“) und Schauspiel-Siegerin Angela Bassett („Black Panther: Wakanda Forever”).

Die Award Season ist also eröffnet. Die Golden Globes sind zurück. The Show must go on.

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