Golden Globes 2018 - Hollywood beschwört Zeitalter der Frauen

Golden Globes 2018: Hollywood beschwört Zeitalter der Frauen

Ganz in Schwarz setzten die Stars der amerikanischen Filmbranche bei der Golden-Globe-Gala in Los Angeles ein Zeichen gegen Missbrauch und Sexismus. Fatih Akin wurde für sein NSU-Drama ausgezeichnet - das erhöht seine Chancen auf einen Oscar.

Die Roben waren exquisit - und so freizügig geschnitten wie bei solchen Anlässen üblich. Dass das nun allseits bemerkt wird, belegt, wie schnell Prüderie im Spiel ist, wenn eigentlich über Sexismus, Missbrauch, Machtgefälle gestritten werden sollte. Doch einer Gala gänzlich die Farbe zu entziehen, ist ein mächtiges Zeichen. Und so war es ein effektvoller Entschluss von Hollywoodstars wie Emma Watson, Meryl Streep oder Catherine Zeta-Jones, bei der 75. Verleihung der Golden Globes in Los Angeles ganz in Schwarz zu erscheinen. Optisch wirkungsvoll demonstrierten sie so gegen Missbrauch und Sexismus in der Filmbranche - und der gesamten Gesellschaft. Dass es bei Zeichen nicht bleiben soll, haben einige der Stars auch schon bewiesen, indem sie der Initiative "Time's Up" (Die Zeit ist vobei) beitraten und einen millionenschweren Rechtshilfefonds gründeten. Er soll Frauen helfen, sich auch juristisch gegen Übergriffe zu wehren. Natürlich wird erst das die Wirklichkeit verändern.

Doch es ist schon etwas in Bewegung geraten in Hollywood, seit prominente Frauen öffentlich gegen den Großproduzenten Harvey Weinstein aussagten, der mehr als hundert Frauen sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt haben soll. Das war bei der Globe-Gala zu spüren - zum Beispiel am Verhalten eines Mannes: Seth Meyers, der Comedian und Moderator der Gala, verglich sich selbst mit dem ersten Hund, den man in den Weltraum schoss - so unwohl fühlte er sich in der Rolle des männlichen Gastgebers einer Show, die auf einmal ganz der Sache der Frauen gewidmet war. Das klang nach Zeitenwende.

Fatih Akin gewinnt Golden Globes 2018 mit Film "Aus dem Nichts"

Und weil das Politische in Hollywood immer pathetisch verhandelt wird, gab es auch eine dieser kämpferischen Reden, zu denen sich die Gala-Gemeinschaft erhebt und zu Tränen gerührt zeigt. Gehalten hat sie die Entertainerin Oprah Winfrey, die für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Sie stellte den Aufstand der Frauen in eine Linie mit dem schwarzen Bürgerrechtskampf und erinnerte an die vielen nicht-prominenten Frauen, die unter Sexismus und Missbrauch leiden - und in untergebenen Positionen kaum Chancen haben, sich dagegen zu wehren. Diese Zeiten seien vorbei, rief Winfrey. Das liberale Hollywood beschwört den Aufbruch in ein neues Zeitalter der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern.

Das kann man läppisch finden mit Blick auf das Weiße Haus, in dem ein Mann regiert, der nicht gerade für die Sache der Frauen eintritt. Genau wie Meyers' Anspielung darauf, dass Oprah Winfrey die nächste amerikanische Präsidentin werden könnte. Hollywood, das haben die vergangenen Wahlen gezeigt, steht nur für einen Teil des Landes, und die Gräben zwischen den Lagern sind tief. Doch sind aus der Traumfabrik immer Impulse in die Gesamtgesellschaft ausgegangen. Wer einer Nation Geschichten erzählt, hat Macht. Und so werden die schwarz-gewandeten Stars dieser Golden-Globe-Zeremonie womöglich nicht nur in die Geschichte des Showgeschäfts eingehen. Sie haben in ihren dunklen Roben ein Bild der Geschlossenheit in die Welt gesandt.

Um Filme ging es natürlich auch in der Nacht im Beverly Hilton Hotel, in dem Hollywoods Auslandspresse traditionell die Globes vergibt - mit höchst erfreulichem Ergebnis für einen deutschen Regisseur: Fatih Akin erhielt für sein NSU-Drama "Aus dem Nichts" einen Globe für den besten fremdsprachigen Film. Damit haben sich seine Chancen im Oscar-Rennen erhöht. Wieder einmal ist ein zeitgeschichtlicher Stoff aus Deutschland in Hollywood erfolgreich. Das mag daran liegen, dass Akin mit Diane Kruger einen Star zur Hauptdarstellerin machte, den man in Hollywood kennt und der unter seiner Regie eine neue, hochdramatische Seite zeigen konnte. Es mag auch daran liegen, dass Kruger und Akin seit Wochen in den USA unterwegs sind, um ihren Film bekannt zu machen und auch in den kommenden Tagen noch zu Vorführungen vor Oscar-Academy-Mitgliedern touren. Sie investieren Zeit und Geld. Vor allem ist es Akin aber gelungen, reales Geschehen gerade so weit zu abstrahieren, dass es sich packend erzählen lässt. Dazu inszeniert er glaubhaft eine gebrochene Diane Kruger, die ihre Rolle mit überraschender Wucht ausfüllt. "Aus dem Nichts" ist kein Star-Vehikel, es ist ein engagiertes Drama.

Trotzdem zeigte sich Akin in Los Angeles ehrlich überrascht: "Wahnsinn! Unglaublich, ich kann es gar nicht fassen! Krass, krass!", sagte er kurz nach der Preisverleihung. Und dass er nun auf noch mehr Aufmerksamkeit für seinen Film hoffe. Akin erzählt in seinem Drama von einer Frau, die ihre Familie bei einem Anschlag von Neonazis verliert, bald aber gegen Anschuldigungen kämpfen muss. Es ist die Geschichte der Opfer der NSU-Anschläge in Deutschland. Akin erzählt sie mit Wut - und Mitgefühl.

Der große Gewinner bei den Globes ist "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri", der am 25. Januar in die Kinos kommt. Das Werk des Iren Martin McDonagh wurde als bestes Drama ausgezeichnet und gewann drei weitere Trophäen, darunter die für Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin. Sie spielt darin eine Mutter, die gegen Polizei-Inkompetenz kämpft, um die Ermordung ihrer Tochter aufzuklären. Starke Frauen im Kampf gegen Willkür und Machtmissbrauch - Hollywood ist gerade empfänglich für Geschichten, die von Ohnmacht erzählen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Gewinner der Golden Globe Awards 2018

(dok)
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