Glory Days of Rock ’n’ Roll: Ein Film über die Spider Murphy Gang

Ein Film voller Nostalgie : Glory Days of Rock ’n’ Roll

Helden der 80er Jahre: Eine Doku erzählt die Geschichte der Spider Murphy Gang. Die Band ist älter geworden, glücklich sind Günther Sigl und Barny Murphy aber trotzdem. Immer noch treten sie vor Publikum auf.

Ach, die Spider Murphy Gang! Anfang der 80er Jahre war das, da sang sie „Skandal im Sperrbezirk“, „Wo bist Du“ und „Schickeria“. Sie brachte das Bayerische zum Swingen, Rock ’n’ Roll aus München, und das klang so: „Jeder spielt‘n Superstar / Und sauft en Schampus an der Bar / In der Schickeria“. Eine Herzensband, grundsympathisch, lustig, und für Menschen, die sich gerade erst für Musik zu interessieren begannen, eine Brücke zum Werk der Helden Beatles, Elvis und Chuck Berry. Bis 1984 reihten sie Hit an Hit, und als sie 1985 die ziemlich unterirdische Single mit dem Titel „Cadillac“ herausbrachten, ahnte man schon, dass das nicht ewig so weitergehen würde. Tatsächlich hat man dann auch sehr lange nichts von ihnen gehört.

Deshalb ist man froh, dass nun ein Dokumentarfilm über die Gruppe ins Kino kommt. Titel: „Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock ’n’ Roll“. Man sieht gleich zu Beginn Günther Sigl, den Sänger und Bassisten, auf der Bühne stehen. Früher hatte er diese Tolle und war jung, nun hat er graues Haar und ist viel älter, und dass sein aktuelles Konterfei ständig gegen das von früher geschnitten wird, ist ein bisschen gemein. Die Spiders sind alt geworden, man kann das nicht anders sagen, und sie granteln sehr schön, sie hadern mit der Vergänglichkeit, das ist das Leitmotiv dieses melancholisch gefärbten Films.

Die Plattenfirma wollte damals immer neues Material, sagen sie, sie haben ihre musikalischen Ideale aus dem Blick verloren. Erst stieg Keyboarder Michael Busse aus, dann Schlagzeuger Franz Trojan, und irgendwie war dann die Luft raus. Günther Sigl und Barny Murphy erzählen das bei der Brotzeit, der eine seufzend, der andere zupackend, und warum ihnen noch keiner eine Talksendung im Fernsehen gegeben hat oder einen Podcast, ist ein Rätsel.

Man sieht Bilder von damals, als sie selbst überrascht waren von ihrem Erfolg. Wie sie sich in kleinen Clubs in München ein Publikum erspielt haben, Englisch singen wollten, Bayerisch singen sollten und es dann auch taten – zum Glück. Überhaupt ist München in diesem Film unheimlich schön. Allmählich merkt man denn auch, dass Sigl/Murphy glückliche Menschen sind. Sie treten weiter auf, das Publikum wird wieder größer. Nostalgie und Retrowelle sorgen für einen goldenen Spätherbst. Am schönsten sind Szenen wie jene, in denen Günther Sigl seine Plattensammlung durchsieht: „Beatles, Beatles, Beatles“, schwärmt er, „wenn ich die höre, ist wieder alles wie früher.“ Und: „B52’s! Ja, die waren nervig.“

Einmal setzt sich Sigl in die Bahn. Er fährt zu einem Konzert in den Norden und als Lektüre hat er eine Zeitschrift dabei: „Bass Professor“ heißt sie. Da möchte man ihn umarmen.

„Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock n Roll“, Deutschland 2019 – Regie: Jens Pfeifer, 87 Min.

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