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Filmkritik "Väter allein zu Haus" in der ARD-Mediathek

„Väter allein zu Haus“ : Vaterschaft am Limit

Die Reihe „Väter allein zu Haus“ erzählt von unterschiedlichen Vätern und ihren Problemen. Das Finale ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

„Ich habe mich die letzten sieben Jahre Vollzeit um unsere kleine Tochter gekümmert“, antwortet Andreas im Vorstellungsgespräch auf die Frage, warum er nach dem Abschluss nicht als Ingenieur gearbeitet hat. Der Personalchef verzieht leicht das Gesicht und schaut zu seinem Kollegen herüber. „Wir melden uns“, lautet die Antwort. Wie so oft, wenn man sich nicht wieder melden will.

Wenn es um die Erziehung der Kinder geht, sind die Rollenbilder im Umbruch. Aber auf dem Arbeitsmarkt machen Väter, die sich verantwortlich um den Nachwuchs kümmern, die gleichen Erfahrungen wie viele Mütter: Familie und Karriere lassen sich immer noch nicht gut unter einen Hut bringen. Der ARD-Vierteiler „Väter allein zu Haus“ beleuchtet das sich verändernde Männer- und Väterbild und stellte eine Gruppe von vier männlichen Erziehungsberechtigten ins Zentrum, die ihre Aufgabe ernst nehmen und beruflich zurücksteckten, um sich um ihre lieben Kleinen zu kümmern.

Die ersten beiden Teile „Gerd“ und „Mark“ wurden bereits im September 2019 ausgestrahlt und nun folgen mit „Timo“ und „Andreas“ die letzten beiden Episoden. Gemessen an der australischen Serie „House Husbands“, die hier als Vorbild diente und das Sujet über 5 Staffeln und 58 Folgen ausleuchtete, nimmt sich das deutsche Format eher bescheiden aus. Aber auch hier versucht man ein möglichst weites Spektrum an modernen Varianten des Elterndaseins abzudecken und so geht es nun in „Andreas“ um Höhen, Tiefen und Hürden eines schwulen Elterndaseins.

Als die Schwester bei der Geburt ihres Kindes starb, war für Christian (Steve Windolf) und seinen Ehemann Andreas (Tobias van Dieken) schnell klar, dass sie das Kind adoptieren, dessen Vater nicht auffindbar war. Mittlerweile ist die aufgeweckte Stella (Sophia Heinzmann) schon sieben Jahre alt und bringt ihrem Vater Andreas schonend bei, dass sie nun auch alleine zur Schule gehen kann. Während Christian als Feuerwehrmann den Lebensunterhalt verdiente, hat Andreas sich nach dem Ende seines Studiums um Kind und Haushalt gekümmert. Er fühlt sich schon wie seine Mutter (Gitta Schweighöfer), die ihr Leben lang Hausfrau war und gerade ihren Ehemann vor die Tür gesetzt hat.

Zu diesem Herbert (Dietrich Adam) darf Stella, die ihre dunkle Hautfarbe vom biologischen Vater geerbt hat, nicht einmal „Opa“ sagen, weil sie ja genetisch nicht miteinander verwandt seien. Eben dieser biologische Vater steht dann eines Tages vor der Tür und will nun, nachdem er von der unbekannten Tochter erfahren hat, eine aktive Rolle in Stellas Leben spielen. Der Mann macht eigentlich einen umgänglichen Eindruck. Trotzdem finden sich die drei Väter, ehe sie es sich versehen, mit einer Sorgerechtsklage vor Gericht. Dem Richter eilt ein konservativer Ruf voraus. Das schwule Elternpaar scheint schlechte Karten zu haben.

Eine Menge Konfliktstoff hat Drehbuchautorin Kirsten Peters („Billy Kuckuck“) in die Geschichte hineingepackt. Da tut sich auch eine versierte Regisseurin wie Esther Gronenborn („Ein Wochenende im August“) schwer, das alles innerhalb von 88 Fernsehminuten vor der Kulisse eines sonnendurchfluteten Wuppertals zu einem konventionellen Happy End zu führen. Im Gegensatz zur vorherigen Folge „Timo“, bei der Gronenborn ebenfalls Regie führte, kommt die letzte Episode etwas angestrengt und steifbeinig daher. Den Dialogen und Beziehungen der Figuren fehlt der Geruch der Alltäglichkeit genauso wie die emotionale Glaubwürdigkeit. Dass dem Sonnenscheinkind Stella auch noch eine Tumoroperation angedichtet werden muss, damit sich wieder alle vertragen, hat dann fast schon Telenovela-Niveau.

Gut funktioniert hingegen der Chor der vier Väterfreunde, die man in den letzten drei Folgen mit ihren diversen männlichen Schrullen ein wenig liebgewinnen konnte. Sie erinnern vor allem an die besseren Episoden des Vierteilers, dessen tragfähiges Konzept man zu einer größeren, mutigeren Serie ausbauen könnte.

Info „Väter allein zu Haus“ ist in der ARD-Mediathek zu sehen.