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Filmkritik "Tesla" mit Ethan Hawke

Tesla-Filmbiografie : Kino-Meditation über einen Futuristen

In dem ambitionierten Biopic „Tesla“ spielt Ethan Hawke den visionären Physiker (1856–1943). Der Film bricht mit klassischen Strukturen des Genres und lässt Vergangenheit und Zukunft verschmelzen.

Gerade erst war Benedict Cumberbatch als Erfinder Thomas Edison im Kino zu sehen. Nun schlüpft Ethan Hawke in die Rolle des Elektroingenieurs Nikola Tesla (1856-1943), der zur gleichen Zeit mit seinen Entwicklungen im Bereich der Energietechnik auf sich aufmerksam machte.

1889 zieht der serbische Einwanderer nach Amerika und heuert bei den Edison-Werken an. Aber die Hoffnungen auf eine fruchtbare Zusammenarbeit zerschlagen sich schon bald. Der egozentrische Thomas Edison ist an Teslas Entwicklungen überhaupt nicht interessiert und beutet den Ingenieur nur als billige Arbeitskraft aus. „Nichts wächst im Schatten eines Eichenbaums“, stellt Tesla lakonisch fest und macht sich auf die Suche nach anderen Investoren für seine bahnbrechenden Ideen.

Die Erfindung des Elektromotors ist wegweisend – auch für die Entwicklung einer Wasserturbine, die Tesla zusammen mit dem Unternehmer George Westinghouse (Jim Gaffigan) in den Niagara-Fällen installiert. Aber anders als Westinghouse und Edison, die um die Vorherrschaft auf dem amerikanischen Strommarkt kämpfen, steht für Tesla nicht die gewinnträchtige Vermarktung seiner Erfindungen im Vordergrund, sondern die Vision einer Zukunft, die er mit seinen Ideen gestalten will. Er ist fest davon überzeugt, dass er mit einer drahtlosen Energieübertragung die Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbinden kann und baut in den Bergen von Colorado eine Forschungsstation auf, in der er die Energie von Gewittern einzufangen versucht.

Aber in Michael Almereydas „Tesla“ geht es weniger um die umfassende Würdigung von Teslas Werk, als um die filmische Meditation über einen Futuristen, dessen Ideen zu groß und zu idealistisch waren für den kapitalistischen Markt seiner Zeit. Genauso wie sein außergewöhnlicher Protagonist versucht auch Almereyda sich mit seinem Film jenseits der Konventionen zu verorten.

Immer wieder bricht er die klassische Biopic-Struktur auf, indem er Vergangenheit und Zukunft ineinander fließen lässt und Szenen kreiert, von denen die Erzählerin aus dem Off wenig später sagt, dass sie nie stattgefunden haben. Etwa wenn Edison sich bei Tesla entschuldigt, seine Erfindungen würdigt, ihm eine Zusammenarbeit anbietet, um dann am Tresen eine Cola zu bestellen und sein Smartphone aus der Jacke zu ziehen.

Der Ansatz, einen Visionär wie Tesla nicht nur über das Tatsächliche, sondern das Mögliche zu beschreiben und unsere Gegenwart darin zu spiegeln, ist zunächst einmal reizvoll – selbst wenn die visuelle und narrative Umsetzung, die auch vor Karaoke-Einlagen nicht zurückschreckt, hier nicht immer überzeugt.

Ethan Hawke schaut man natürlich immer gerne bei der Arbeit zu. Er spielt den Mann, der „nur in seinem Kopf existiert“ und den Frauen in seinem Leben kaum Platz einräumt, mit der ihm eigenen Tiefenentspanntheit. Aber auch er kann in dieser doch sehr wortkargen Rolle leider nicht zu voller Form auflaufen.

Tesla, USA 2020 – Regie: Michael Almereyda, mit Ethan Hawke, Eve Hewson, 102 Min.