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Filmkritik "Reminiscence" mit Hugh Jackman

„Reminiscence“ : Morgen bleibt nur die Erinnerung an heute

„Reminiscence“ bietet eine etwas bemühte Science-Fiction-Geschichte aus einer düsteren Zukunft. Hugh Jackman erweist sich als limitierter Schauspieler. Allein das dystopische Miami mutet gelungen an.

Miami steht das Wasser bis zum Hals. Der Klimawandel hat den Meeresspiegel angehoben, die unteren Stockwerke dauerhaft geflutet und die Straßen in Kanäle verwandelt. Die Reichen sind in die trockeneren Regionen geflüchtet und verbarrikadieren sich hinter dicken Flutmauern. Unten kämpfen die Menschen nicht nur tagtäglich gegen die Wassermassen, sondern auch gegen Kriminalität und soziale Verelendung.

In diesem dystopischen Setting siedelt Lisa Joy ihr Spielfilmdebüt „Reminiscence“ an. In Floridas durchnässter Hauptstadt unterhält der Kriegsveteran Nick (Hugh Jackman) mit seiner früheren Kampfgefährtin Watts (Thandie Newton) eine Gedächtnis-Detektei. Ein Wasserbad, eine Spritze in den Hals und ein Helm aus Elektroden auf den Kopf und schon geht die Reise los in die Vergangenheit. Viele kommen hierher, um in aussichtslosen Zeiten die schönen Momente ihres Lebens noch einmal zu durchleben. Aber auch die Staatsanwaltschaft nutzt die Durchleuchtung der Erinnerung als Verhörtechnik.

Dann steht sie da: die ach so geheimnisvolle Mae (Rebecca Furgerson) in einem knallroten Kleid, das sie schon bald fallen lässt, um ins Erinnerungsbad einzutauchen – eine Femme Fatale wie aus dem Handbuch. Natürlich verfällt ihr Nick auf der Stelle, verbringt eine kurze glückliche Zeit mit Mae, bevor die Traumfrau spurlos verschwindet. Er kann es nicht fassen, dass sie ihn verlassen haben soll und beginnt in der überfluteten Stadt und den eigenen Erinnerungen zu ermitteln.

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Regisseurin und Drehbuchautorin Lisa Joy ist sichtbar beseelt von der Idee ihr dystopisches Setting mit Elementen des klassischen Film Noir zu verkneten. Aber der Genre-Teig will hier einfach nicht aufgehen. Auch wenn die visuellen Reize des kunstvoll verdüsterten Miami-Venedigs eine anfängliche Faszinationskraft entwickeln, kommt die klischeebeladene Story nie aus dem Hafen der Vorhersehbarkeit heraus. Und so wirkt der Film-Noir-Hokuspokus schon bald sehr bemüht.

Frau Ferguson mag als Wiedergängerin von Lauren Bacall gerade noch so durchgehen, aber Herr Jackman ist gewiss kein Humphrey Bogart. Auch wenn der schöne Mann mit seinem nackten, geräumigen Oberkörper das Erinnerungsbad immer und immer wieder besteigt, werden seine schauspielerischen Defizite in den emotionaleren Szenen erneut überdeutlich. Ähnlich übersteuert werden auch die Plattitüden über das trügerisch-tröstende Wesen der Erinnerung dargeboten, während der viel versprechende dystopische Zukunftsentwurf auf einen bloßen Verdunklungseffekt reduziert wird.

Reminiscence, USA 2021 – Regie: Lisa Joy, mit Hugh Jackman, Thandie Newton, Rebecca Ferguson, 116 Minuten