Filmkritik "Knives Out" mit Daniel Craig

Agatha-Christie-Hommage : Ein Hercule Poirot für unsere Zeit

Sehenswerter Krimi: „Knives Out“ mit Christopher Plummer und Daniel Craig.

(dpa) Ein riesiges Herrenhaus, ein Krimiautor mit aufgeschlitzter Kehle und seine schrägen Familienangehörigen, die alle guten Grund hatten, den eigenwilligen Patriarchen Harlan Thrombey ins Jenseits zu befördern. Mittendrin in diesem Schlamassel – im Stil eines Agatha-Christie-Krimis – thront ein selbstgefälliger Ermittler, der den mysteriösen Tod aufklären will. War es Mord oder Selbstmord? Für die Zuschauer ist es ein helles „Whodunit“-Vergnügen zum Miträtseln: Wer hat‘s getan?

James-Bond-Darsteller Daniel Craig (51) hat sichtlich Spaß daran, einmal nicht den coolen 007 zu mimen. In der Thriller-Komödie „Knives Out – Mord ist Familiensache“ ist er Benoit Blanc, ein Privatdetektiv, der sich mit Zigarre im alten Ledersessel lässig zurücklehnt und mit breitem Südstaatenakzent die Tatverdächtigen vernimmt.

Nicht nur mit Craig hat sich US-Regisseur Rian Johnson („Star Wars: Die letzten Jedi“) den Richtigen ausgesucht. Zur stargespickten Besetzung zählt Oscar-Preisträger Christopher Plummer als ungeliebtes Familienoberhaupt, das gleich nach der Feier zu seinem 85. Geburtstag aus dem Leben scheidet.

Zuvor hatte ihn die exzentrische Verwandtschaft noch hochleben lassen: Tochter Linda (Jamie Lee Curtis), eine berechnende Geschäftsfrau, mit einem aufgeblasenem Ehemann (Don Johnson), der erfolglose Sohn Walt (Michael Shannon), die ständig um Geld bettelnde Schwiegertochter Joni (Toni Colette), der verwöhnte Enkelsohn Ransom (Chris Evans), der schnelle Autos liebt.

Alle fiebern nun der Erbschaft entgegen, nur Marta trauert um den alten Thrombey. Ana de Armas („Blade Runner 2049“) spielt die Pflegerin, die sich liebevoll um ihren Chef kümmerte. Oder hat auch sie etwas zu Verbergen? Das Hauspersonal gerät ebenfalls ins Netz der bitterbösen Fehden und Verbalattacken der völlig dysfunktionalen Verwandten. Marta hat dabei ein besonderes Problem. Sobald sie lügt, muss sie sich übergeben.

Rian Johnson, ein erklärter Agatha-Christie-Fan, schaute für „Knives Out“ ein bei ihrer Figur des Meisterdetektivs Hercule Poirot ab. Wie ein Krimi-Klassiker schwelgt der Film mit üppigen Kulissen in einer vergangenen Zeit. Doch Regisseur Johnson, der auch das Drehbuch schrieb, peppt seine Hommage mit zeitgemäßem Witz und politischen Anspielungen im Amerika unter Donald Trump auf. So geht es auch um Privilegien von Reichen, um rechte Gesinnung und um illegale Einwanderer. Marta, Tochter einer Latina-Frau ohne Papiere, wird von der Thrombey-Familie als fleißige Arbeiterin geschätzt. Doch da hört es mit der Kenntnis schon auf. Die einen glauben, sie stamme aus Ecuador, andere sprechen von Paraguay.

Die in Kuba geborene De Armas hat sich mit diesem Auftritt in Hollywood etabliert. Die 31-jährige ist für einen Golden Globe als beste Komödiendarstellerin nominiert. Auch Craig hat als Hauptdarsteller in einer Komödie Gewinnchancen.

Knives Out, USA 2019 – Regie: Rian Johnson, mit Daniel Craig, Chris Evans, Ana de Armas, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, 130 Min.

(dpa)