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Filmkritik "Just Mercy"

Nach einer wahren Begebenheit :  Jamie Foxx kämpft für Gerechtigkeit

„Just Mercy“ ist ein arg moralisierendes Drama mit überragenden Darstellern.

(dpa) Im Jahr 2001 veröffentlichte das Justizministerium in den USA eine bedrückende Statistik: Einer von drei schwarzen Männern landet demnach im Lauf seines Lebens irgendwann einmal im Gefängnis. 150 Jahre liegt die Abschaffung der Sklaverei zurück, aber der Umgang mit Afro-Amerikanern und Rassismus in Polizei und Justiz bleiben ein wichtiges Bürgerrechtsthema. Obwohl seit 2001 die Inhaftierungsraten gesunken sind, ändert sich insgesamt wenig an der strukturellen härteren Verfolgung von Schwarzen. Ein heimlicher Held, der seit Jahrzehnten beeindruckend für mehr Gerechtigkeit kämpft, ist der Jurist Bryan Stevenson.

Seine Erinnerungen „Just Mercy“ (deutscher Titel „Ohne Gnade“) stehen seit über fünf Jahren ohne Unterbrechung auf der US-Bestsellerliste, inzwischen wird eine einfacher formulierte Version des Buches sogar an Schulen benutzt. Dass Stevenson erst überredet werden musste, dieses Buch zu schreiben, zeugt von seinem Charakter. Jetzt startet „Just Mercy“, ein Drama über die Anfänge seiner Karriere, in deutschen Kinos.

Zu sehen ist Stevenson (Michael B. Jordan), wie er Ende der 1980er Jahre sein Jura-Studium in Harvard beendet hat. Ihm stehen alle Türen offen, doch er entscheidet sich, nach Alabama zu ziehen, um dort an Fällen mit Todesstrafe zu arbeiten. Er will erreichen, dass zu Unrecht Verurteilte nicht auf dem hier nur lapidar „Gelbe Mama“ genannten Elektrischen Stuhl landen.

Sein erster großer Fall wird Walter McMillian (Jamie Foxx), ein schwarzer Holzhändler, dem trotz ausreichender Beweise für seine Unschuld der Tod droht. Er soll ein weißes, 18-jähriges Mädchen umgebracht haben, aber der einzige Zeuge ist ein Krimineller mit vielen Gründen zu lügen. Stevenson und Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) beginnen trotz einer übermächtigen Justiz einen jahrelangen Kampf gegen das Todesurteil.

Klingt, als ob man das schon einige Male gesehen hat, und subtil ist er wirklich nicht, dieser Film. Das große Glück des Dramas ist es aber, dass die drei Hauptdarsteller mit ihren sehr zurückhaltenden Leistungen der überdeutlichen Moral von Regie, Drehbuch und Kamera etwas entgegensetzen.

Michael B. Jordan erinnert nach seinen sehr physischen Rollen in „Black Panther“ und „Creed“ daran, dass er mit Indie-Filmen wie „Fruitvale Station“ und der Football-Serie „Friday Night Lights“ berühmt wurde. Auch Jamie Foxx zeigt hier nichts von seiner manchmal etwas dominanten Überdrehtheit.

Möglicherweise erreicht die überdeutliche Moral dieses Films trotzdem vor allem Zuschauer, die ohnehin von den Ungerechtigkeiten der amerikanischen Justiz überzeugt sind. Die reale Geschichte von Bryan Stevenson ist aber beeindruckend genug, dass die Zuschauer innehalten dürften und mehr über ihn und ein zutiefst verdorbenes System erfahren wollen.

Just Mercy, USA 2020 – Regie: Destin Daniel Cretton, mit Michael B. Jordan, Jamie Foxx, Brie Larson, 137 Min.

(dpa)