Filmkritik "High Life"

Science Fiction : In der Umlaufbahn des Grauens

„High Life“ von Claire Denis ist eine düstere Weltraum-Ballade mit „Twilight“-Star Robert Pattinson.

(dpa) Ein Mann, ein Baby und die gnadenlose Unendlichkeit des Weltalls. „Twilight“-Vampir Robert Pattinson zieht es in seinem neuen Film hoch hinaus – und in menschliche Untiefen. In dem düsteren Science-Fiction-Drama „High Life“ spielt er einen zum Tode verurteilten Häftling, der die Todesstrafe gegen eine gefährliche Weltall-Mission eintauscht. Die Aufgabe: zum Schwarzen Loch fliegen und die Energie dort irgendwie nutzbar machen. Bald muss er merken, dass das womöglich die falsche Entscheidung war.

Denn schnell wird klar, dass die Crew sich in der Hoffnung auf Absolution auf eine Reise ohne Wiederkehr und in die Fänge der gnadenlosen Dr. Dibs (für die ursprünglich vorgesehene Patricia Arquette eingesprungen: Juliette Binoche) begeben hat. Die Ärztin, die auf der Erde selbst ein grausames Verbrechen begangen hat, widmet all ihre Energie Experimenten mit der menschlichen Fortpflanzung. Kann man im Weltall Babys zeugen? Und welche Überlebenschance hätten diese Kinder? Bei der Suche auf die Antwort nach diesen Fragen geht Frau Doktor über Leichen.

Trotzdem ist „High Life“ kein reißerischer Film. Er erzählt auffallend langsam von Grauen, Todesangst und menschlichen Abgründen und erinnert in seiner Machart an „Moon“, das vielbeachtete Erstlingswerk von „Warcraft“-Regisseur Duncan Jones, in dem auch ein einzelner, verzweifelter Raumfahrer im Mittelpunkt der Erzählung steht.

Die Kamera begleitet Pattinson, der auch als neuer „Batman“ im Gespräch ist, mit durchaus poetischen Bildern auf dieser Odyssee im Weltraum. Wann immer die zwangsrekrutierten Astronauten es nicht mehr aushalten in ihrer Welt aus Stahl, ziehen sie sich in den grünen Garten zurück. Auf dem Weg zum eigenen Ende eine leise Erinnerung an das Paradies, den biblischen Ursprung der Menschheit.

Unzusammenhängende Bilder von der Erde erinnern an das, was unwiederbringlich verloren ist: eine stürmische Meeresbrandung und Partystimmung im Sportstadion.

Wie jüngst schon in dem Disney-Remake „Dumbo“ hat Lars Eidinger in „High Life“ einen internationalen Mini-Auftritt. Allerdings ist dem deutschen Theatergiganten als Raumschiff-Kapitän Chandra nur eine Rolle im Hintergrund vergönnt – und nur ein einziger Satz.

Der Film hat starke, kammerspielartige Momente – wirkt aber insgesamt fast so ziellos wie das Raumschiff. Highlights sind die Szenen zwischen Monte und seiner Baby-Tochter Willow (Baby Scarlett). Die Verbundenheit und Zärtlichkeit zwischen den beiden ist spürbar – was vielleicht auch daran liegt, dass die kleine Scarlett die Tochter von Pattinsons bestem Freund ist, mit dem er zusammen aufwuchs und zur Schule ging.

High Life, Frankreich, BRD, Polen, USA 2018 – Regie: Claire Denis, mit Robert Pattinson, Juliette Binoche, 113 Min.

(dpa)
Mehr von RP ONLINE