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Filmkritik: Guantanamo-Drama Der Mauretanier mit Jodie Foster

„Der Mauretanier“ : Jodie Foster kämpft für Gerechtigkeit

Nach realer Vorlage inszeniertes Gerichtsdrama aus Guantanamo: Der Kinofilm „Der Mauretanier“ erzählt von einem Verfahren, das ohne stichhaltige Beweise geführt wird.

Die Bilder gleichen sich, auch wenn 30 Jahre dazwischen liegen. Zu Beginn von „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) betrat Jodie Foster als unerfahrene FBI-Agentin Clarice Starling eine hoch gesicherte Justizvollzugsanstalt, um den gefährlichen Kannibalen Hannibal Lecter zu befragen. Nun steht Foster in der Rolle der Rechtsanwältin Nancy Hollander erneut im Sicherheitsbereich einer ganz anderen Gefängnisfestung: dem Internierungslager auf dem US-Marinestützpunkt im kubanischen Guantanamo, wo seit 2002 insgesamt 779 Häftlinge unter Terrorismusverdacht festgehalten wurden.

Einer von ihnen war Mohamedou Ould Slahi, der 14 Jahre inhaftiert war, ohne dass Anklage gegen ihn erhoben wurde. Seine „Guantanamo-Tagebücher“, in denen er die Menschenrechtsverletzungen und Folterungen durch US-Geheimdienst und Militär eindrücklich schildert, wurden 2015 veröffentlicht, entwickelten sich zu einem Bestseller und bieten nun auch die Grundlage für Kevin Macdonalds Justizdrama „Der Mauretanier“.

Wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wird Slahi (Tahar Rahim) bei einer Familienfeier in Mauretanien von der örtlichen Polizei zu einem Verhör abgeholt. Für den jungen Mann, der in Deutschland Elektrotechnik studiert hat, beginnt eine Odyssee, die von Verhörzentren in Nordafrika über Afghanistan bis nach Guantanamo führt. Für die Verhörspezialisten von Militär und Geheimdienst ist die Sache klar: Slahi gehört zur Al Qaida und hat die Täter rekrutiert, die die Flugzeuge ins World Trade Center gelenkt haben. Stichhaltige Beweise gibt es hierfür nicht, aber das spielt keine Rolle in Guantanamo, das als militärischer Stützpunkt auf Kuba außerhalb der US-Rechtssprechung liegt.

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Die politisch engagierte Rechtsanwältin Nancy Hollander und ihre Assistentin Teri Duncan (Shailene Woodley) übernehmen den Fall und wollen ein Haftprüfungsverfahren einleiten. Für die abgeklärte Strafrechtsverteidigerin spielt es keine Rolle, ob ihr Mandant schuldig ist oder nicht. Ihr geht es um die fehlende Rechtsstaatlichkeit im Umgang mit dem Verdächtigen.

Ganz anders sieht dies der Militärjurist Colonel Stuart Couch (Benedict Cumberbatch), der die Schuldigen des Anschlags vor Gericht bringen will und damit beauftragt wird eine Anklageschrift gegen Slahi zu verfassen. Aber auch er muss bald erkennen, dass es im System Guantanamo nicht darum geht, rechtssichere Beweise zu finden, sondern unter Folter geheimdienstliche Informationen und Geständnisse zu erzwingen.

Regisseur Kevin Macdonald („King of Scotland“) inszeniert seine politische „true story“ als routiniertes Justizdrama, das sein aufklärerisches Anliegen geradlinig ansteuert. Jodie Foster spielt die abgebrühte Menschenrechtsanwältin mit der ihr eigenen charismatisch-moralische Integrität.

Das emotionale Epizentrum des Filmes ist jedoch der wunderbare algerisch-französische Schauspieler Tahar Ramin („Der Prophet“), der das Leid und die Verzweiflung, aber auch den Lebensmut und den Humor seiner Figur zu einem berührenden Porträt verbindet.

Von den 779 Menschen, die Guantanamo festgehalten wurden, sind nur acht strafrechtlich verurteilt worden, von denen wiederum drei in zweiter Instanz frei gesprochen wurden. Die Zahlen machen deutlich, dass es in Guantanamo nie darum ging, Schuldige vor Gericht zu stellen, sondern darum jenseits rechtsstaatlicher Beschränkungen durch forcierte Verhörmethoden an geheimdienstliche Informationen zu gelangen.

„Der Mauretanier“ macht deutlich, welche verheerenden Folgen diese Politik für die Betroffenen, aber auch für die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Demokratie hat.

Der Mauretanier, USA/GB 2020, Regie: Kevin Macdonald, mit Jodie Foster, Tahar Ramin, Shailene Woodley, 129 Min.