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Filmkritik "French Exit" mit Michelle Pfeiffer

„French Exit“ : Michelle Pfeiffer hält Hof in Paris

Eine Dame der feinen New Yorker Gesellschaft will ihr letztes Geld in Paris durchbringen: Die großartige Michelle Pfeiffer ist der Mittelpunkt der bitteren Tragikomödie „French Exit“.

Das Omelett ist kalt, die Stimmung im Bistro frostig, und als Frances den blasierten Kellner um die Rechnung bittet, geht der erstmal vor die Tür, um eine zu rauchen. Sie verzieht keine Miene ob der Provokation, sondern nimmt in aller Seelenruhe ihr Parfüm aus der Handtasche sprüht drei kräftige Hübe auf das Blumengesteck in der Tischmitte und zündet es an. Es brennt sehr schön, und der Kellner eilt rascher herbei, als er geplant hatte. Das ist der Punkt, an dem Frances doch noch warm wird mit Paris.

„French Exit“ heißt dieser Film, und sein Herz ist die 63 Jahre alte Michelle Pfeiffer, die die Hauptrolle spielt. Ihre Frances ist um die 60 und lebt in Manhattan, dort ist sie weltberühmt. Ihr vermögender Mann starb vor einigen Jahren. Frances fand ihn freitags tot auf dem Bett. Sie wollte gerade zum Skifahren aufbrechen und dachte sich, am Montag wird er auch noch tot sein, wäre schade um die Reise. Also fuhr sie und kümmerte sich erst nach der Rückkehr das Notwendige.

Mit ihrem erwachsenen Sohn lebt sie über den Schluchten der großen Stadt. Pelzmäntel schützen sie gegen die emotionale Kälte, doch irgendwann spricht ihr Bankberater diesen Satz: „Es ist alles weg.“ Er meint das Geld, aber das Publikum weiß längst: Alles andere ist auch futsch. Frances nimmt ihren Sohn und ihren Kater Small Frank und reist mit den letzten Stapeln Bargeld per Schiffspassage nach Frankreich: Paris sehen und sterben.

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Die Romanvorlage „Letzte Rettung: Paris“ von Patrick deWitt ist ein besonderes Buch, weil es zumeist bloß andeutet und dem Leser viel Raum lässt, sich seinen Reim auf die Motive der Figuren zu machen. Vor allem aber weht Liebenswürdigkeit durch die Zeilen, die Freude am Spleenigen. Das kann man von der Verfilmung durch Azazel Jacobs nicht sagen. Sie ist ziemlich bitter. Zudem ist sie sehr statisch, bewegt sich nur allmählich voran. Der Regisseur weiß nicht so recht, ob er eigentlich lieber eine Hommage an den Regie-Kollegen Wes Anderson gemacht hätte oder eine durchgestylte Kapitalismus-Satire. Beides nur anzudeuten, ist jedenfalls keine gute Lösung.

Von der Stadt sieht man kaum etwas, die Handlung spielt vor allem in Räumen. Die Szenerie ist honiggelb lackiert. Die Figuren stehen viel herum. Die Mühsal des In-die-Welt-Geworfenseins lastet auf ihren Schultern. Aber sie sehen gut aus dabei, und dass man dennoch seine Freude hat an der gewollt prätentiösen Darstellung, liegt an Michelle Pfeiffer. Sie rauchen zu sehen, ist das Eintrittsgeld wert. Ihr Augenaufschlag. Ihre Lust am Zynismus ihrer Sätze. Als sie noch in New York die Euro-Bündel in der Bank abholt und in ihre geräumige Handtasche steckt, fragt der Banker, wohin sie denn wolle. „Nach Paris, petit cochon“, sagt sie. Er ist Amerikaner und versteht nicht. „Kleiner Prinz“, übersetzt sie. Wie ein Kind, das vom Lehrer gelobt wurde, steht er nun da und blickt Frances hinterher. Erst seine Sekretärin entzieht der Schwärmerei den Grund: „Cochon heißt Schwein.“

Gegen Ende wird das Publikum mit ein paar schönen Szenen des Ensembles belohnt. In Paris findet Frances so etwas wie eine Familie.„Eigentlich wollte ich sterben, bevor das Geld weg ist“, sagt sie. „Aber gut, hier bin ich.“

French Exit, USA 2020 - Regie: Azazel Jacobs, mit Michelle Pfeiffer, Lucas Hedges, Imogen Poots, 110 Min.