Filmkritik "Freies Land"

Deutsches Drama : Düsterer Nachwende-Krimi

In „Freies Land“ ermitteln zwei Polizisten in Landschaften, die nicht blühen wollen.

(dpa) Blühende Landschaften sehen anders aus. Wenn die Kamera in Christian Alvarts Thriller „Freies Land“ aus der Hubschrauberperspektive über ostdeutsche Fluss- und Sumpfgebiete gleitet, wird es brenzlig. Der Himmel grauverhangen, die Felder verdörrt – Markus Bach und Patrick Stein, die beiden Ermittler, rasen im alten Mercedes über vereiste Erdwege, vorbei an Fabrikruinen und leerstehenden Häusern. Es sieht ziemlich ungemütlich aus in diesem schwarzen Krimi, der in der unmittelbaren Nachwendezeit spielt.

Junge Leute verlassen in Scharen die kleine Stadt Löwitz an der Neiße in Richtung Berlin. Doch was steckt hinter der Geschichte der beiden Schwestern, die spurlos verschwunden sind? Sind sie auch nach Berlin abgehauen, ohne sich zu verabschieden?

Alvart, der unter anderem die Berliner Unterwelt-Serie „Dogs of Berlin“ für Netflix drehte, lässt ein ungleiches Paar das Schicksal der verschwundenen Mädchen ermitteln. Der nach Rostock versetzte West-Kommissar Stein (Trystan Pütter) und der Ost-Kommissar Bach (Felix Kramer) tauchen in eine Welt ein, über die noch der lange Schatten der DDR liegt.

Gesellschaftliche Umbrüche lassen sich oft mit Krimis gut beschreiben: Der Ermittler blickt in die dunklen Ecken der Gesellschaft, in der oft nicht nur sprichwörtlich die Leichen im Keller liegen. Dreißig Jahre nach der Wende blickt Alvart nun auf die Wiedervereinigung wie ein Kriminalist auf einen Tatort.

Mitten im Winter, also in verkarsteter und farbloser Natur, begeben sich Stein und Bach auf Spurensuche zwischen verkrachten Existenzen und enttäuschten Wendeverlierern. Was zunächst als Einzellfall aussieht, entpuppt sich bald als Serientat. Denn die Schwestern sind nicht die einzigen Verschwundenen aus der Kleinstadt. Doch ob die Mutter der beiden Mächen (Nora Waldstätten) oder die Polizeiführung – sie alle schweigen aus Angst oder stiller Komplizenschaft. Was treibt diese Menschen an? Und welche Rolle spielt Charlie (Ludwig Simon), der mit den Mädchen gesehen wurde?

Alvart zeichnet mit seinem Film ein düsteres Bild der Jahre unmittelbar nach dem Mauerfall. Manchmal fallen die Pinselstriche etwas zu grob aus. Aber „Freies Land“ erinnert 30 Jahre später daran, dass nach dem Mauerfall die Landschaften doch nicht sofort zu blühen begannen.

Freies Land (2019), BRD 2019 – Regie: Christian Alvart, mit Trystan Pütter, Felix Kramer, Nora Waldstätten, Marius Marx. 129 Min.

(dpa)