Filmkritik "Doctor Sleeeps Erwachen"

Die Fortsetzung von „Shining“ : Rückkehr in Zimmer 237

Mike Flanagans Horror-Film „Doctor Sleeps Erwachen“ mit Ewan McGregor.

(dpa) Es ist Nacht. Das Overlook-Hotel ist eingeschneit. Die Fenster sind verriegelt. Und das einst prächtige, seit Jahrzehnten verlassene Hotel ist heruntergekommen. In der eisigen Stille ist nur der pulsierende Herzschlag von Danny Tor­­rance zu hören. Fast 40 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen in Stanley Kubricks Horrorklassiker „The Shining“ kehrt Danny an den Ort des Grauens zurück. Bis es dort in der Kino-Fortsetzung „Doctor Sleeps Erwachen“ zum Showdown kommt, vergeht in dem Fantasy-Horrorfilm von US-Regisseur Mike Flanagan allerdings einige Zeit.

Im Jahr 2012 ist das Leben von Danny (Ewan McGregor), der sich nun Dan nennt, ein Scherbenhaufen. Die Geister der Vergangenheit verfolgen ihn weiter. Er ist traumatisiert, dem Alkohol verfallen, hat keinen Job und keine fest Bleibe. Dank seiner übersinnlichen Fähigkeiten – dem Shining – kommuniziert er gelegentlich mit dem toten Hallorann (Carl Lumbly), der wie ein Mentor für ihn ist. In einer unscheinbaren Kleinstadt gelingt Dan der Neuanfang. Er arbeitet in einem Hospiz, wo er dank seiner telepathischen Fähigkeiten die Sterbenden beruhigt. Dort bekommt er den Spitznamen Doctor Sleep.

Jahre später nimmt ein Mädchen, dessen Kräfte noch stärker als Dans sind, telepathisch Kontakt zu ihm auf. Teenager Abra (Kyliegh Curran) warnt ihn vor einem übersinnlichen, Jahrhunderte alten Kult namens „Der wahre Knoten“. Die Gruppe um die charismatische, aber bösartige Rose (Rebecca Ferguson) verlängert ihr eigenes Leben durch Morde an Kindern, die das Shining haben.

Wie „The Shining“ (1980) basiert auch die Fortsetzung auf einem Roman von Horrorspezialist Stephen King. 2013 erschien das Buch „Doctor Sleep“. Im Kino-Sequel haben Dans Rückkehr in das ikonische Gebäude mit dem mysteriösen Zimmer 237 und dem Garten-Labyrinth sowie die Begegnung mit altbekannten Figuren natürlich ihren Reiz. Alles sieht fast genauso aus wie früher. Die Adler-Schreibmaschine steht immer noch auf dem Tisch in der Eingangshalle. Selbst das musikalische Thema aus „The Shining“ klingt kurz an. Kino-Nostalgiker wird es freuen. Die erste, romangetreuere Hälfte des zweieinhalbstündigen Films ist zwar mitunter etwas zäh. Doch ab der Mitte nimmt „Doctor Sleeps Erwachen“ Fahrt auf.

Doctor Sleep, USA 2019, 152 Min., von Mike Flanagan, mit Ewan McGregor, Rebecca Ferguson

Mehr von RP ONLINE