Felicitas Hoppe sagt

Die Gedanken der Schriftstellerin: Felicitas Hoppe und die Einsamkeit

Der Dokumentarfilm „Felicitas Hoppe sagt“ porträtiert die Schriftstellerin.

Felicitas Hoppe will nicht in eine Zeit gehören. Zeitlos soll ihre Kunst, ihr Schreiben sein. Felicitas Hoppe hat radikale Meinungen. Die Büchner-Preisträgerin spricht sich aus, sie sagt, was sie denkt. Und doch blickt sie den ganzen Film über fast nie in die Kamera. „Felicitas Hoppe sagt“ lebt ganz von ihrer Stimme.

Manchmal sieht man Hoppe gar nicht, meistens sieht man nur ihren Mund seitlich in Großaufnahme, aber fast immer spricht sie, erzählt, ohne Hemmungen und ehrlich – zumindest wirkt es so. Sie spricht von Wahrhaftigkeit, von Angst, von Einsamkeit: „Die Schriftstellerei ist eine durchweg einsame Tätigkeit.“ Und sie spricht von ihrer Angst vor Einsamkeit: „Ich möchte nicht in meinem eigenen System leben.“

Hoppe erzählt und wird erzählt in diesem Film. Man sieht sie fast nie ganz, immer nur einen Ausschnitt, eine Perspektive, einen Bruchteil ihrer Wahrnehmung. Ein Eindruck, der durch die Bildgestaltung vertieft wird. Es gibt nie ein Vollbild. Drei kleinere Kacheln flimmern ein wenig irritierend als waagerechte Streifen über das Bild, mal sieht man alle Kacheln, mal eine, mal zwei. Manchmal zeigen sie alle verschiedene Bilder, eine Landschaft, Hoppes Mund, Hoppe und Landschaft, dann bewegt sich wieder alles synchron.

„Der Glaube, sich kurzfristig Freiheit verschaffen zu können, ist eine Illusion“, erklärt Felicitas Hoppe und spricht von ihren Hasswörtern: Regeneration, Auszeit. Hoppe weiß, dass eine Auszeit für sie falsch ist. Sie mag, was sie tut. Und sie glaubt, dass es Menschen gibt, die ihr das übel nehmen, so als dürfe man Weltbetrachtung und Kunst nur betreiben, wenn man schon große Not erlitten hat.

Eine Sprecherin (Gundula Gause) liest ab und zu Zitate von Hoppe vor, wie Überschriften. Gegen Ende des Films beginnen die Zitate, mit Hoppes Rede zusammenzufließen, bis Hoppe und Gause synchron sprechen. Gause sagt: „Felicitas Hoppe sagt, mich haben Gruppen nie interessiert.“ Hoppe ist Einzelgängerin. Sie hat keine Kinder, keinen festen Lebenspartner. Sie übernimmt gerne Verantwortung. Im Film trägt sie immer wieder eine Maske. Sie lässt sich mit Maske von einem Straßenkünstler porträtieren. Hoppe glaubt, dass es nicht möglich ist, so dargestellt zu werden, wie man wirklich ist.

Der Film versucht das bei ihr aber trotzdem. Und weil ihre Gedanken so direkt und ungebremst den Film vereinnahmen, hat man als Zuschauer den Eindruck, sie etwas besser zu verstehen. Nahe kommt man ihr aber nicht. In fast jeder Einstellung sieht man ihren Rücken, sie wendet sich konsequent ab, spricht mehr mit sich als mit dem Zuschauer. Sie hat die Einsamkeit selbst gewählt und so bleibt sie auch. Eine ferne Künstlerin, die man doch ein wenig verstehen kann.

Felicitas Hoppe sagt, Deutschland 2017 – Regie: Thomas Henke und Oliver Held, mit Felicitas Hoppe und Gundula Gause, 80 Min.

(cg)