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Fast & Furious 9 mit Vin Diesel - Film-Kritik

„Fast & Furious 9“ : Vroooom!

Die PS-Saga geht weiter: Im neunten Teil der schwer erfolgreichen Auto-Action fliegt ein Pontiac mit Raketenantrieb in den Orbit. Ansonsten ist alles wie immer: laut und schnell.

Seit nunmehr 20 Jahren tritt Vin Diesel in „Fast & Furious“ aufs Gaspedal, lässt mächtige Motoren aufheulen, Reifen quietschen und die Herzen des vornehmlich männlichen Publikums höher schlagen. Denn hier dürfen Kerle noch Kerle sein. Und trotz Klimakrise werden Verbrennungsmotoren gefeiert. Genüsslich bringt man die Muscle-Cars auf Touren, um die spärliche Handlung jedes Sequels mit einer dichten Abfolge von Verfolgungsjagden zu strukturieren.

Mittlerweile sind Dominic Toretto (Diesel) und seine fahrtüchtige „Familie“ aus dem Schatten illegaler Autorennen herausgetreten. Banden-Unstimmigkeiten, die auf der Raserstrecke ausgetragen werden, reichten irgendwann als Turbo für den Plot nicht mehr aus. Die versierten Bleifüßer sind zum Spezialkommando auf die Seite der Guten gewechselt und nehmen geheimdienstliche Aufträge von Mr. Nobody (Kurt Russell) entgegen. Dennoch herrscht in „Fast & Furious“ immer eine gewisse Regellosigkeit, wenn es um die Gesetze der Schwerkraft, der Logik oder des nachvollziehbaren Erzählens geht.

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Das ist in „Fast & Furious 9“ (kurz: F9) nicht anders. Im Gegenteil: Regisseur Justin Lin, der in der lukrativen Kinoserie schon zum fünften Mal hinter der Kamera steht, legt diesbezüglich gerne noch ein Schippe drauf. Flog Dominics Sportwagen in Folge 7 (2015) spektakulär von einem Hochhaus zum nächsten, wird nun ein frisierter Pontiac Fiero mit Raketenantrieb zu den Satelliten in den Orbit geschickt. Autos und Männer können eben alles in diesem Franchise.

Selbst Wiederauferstehungen stellen in dem Erzählkosmos kein größeres Problem dar. Sung Kang, dessen Figur des koreanischen Racers Han sich über vier Folgen zum Publikumsliebling gemausert hatte und im Abspann von Episode 6 in einem brennenden Wagen vermeintlich gestorben ist, taucht mit einer hanebüchenen Überlebenserklärung aus dem Untergrund wieder auf.

Augenzwinkernd lässt Justin Lin in „F9“ sogar ein wenig Selbstironie ins Macho-Getriebe einwirken. Ausführlich darf sich Roman (Tyrese Gibson) über das Wunder der Unverwundbarkeit auslassen, das die Helden-Crew aus den wüstesten Raser- und Schlägereien stets ohne eine Schramme davonkommen lässt. Das sei doch nicht normal, stellt er fest und sinniert über mögliche Superhelden-Qualitäten im Team.

Zumindest numerisch wurde in dem Franchise auch die Frauenquote über die Jahre erhöht. Neben Michelle Rodriguez, die seit Anfang an dabei ist, aber nach neun Folgen etwas ermüdet wirkt, dürfen Nathalie Emmanuel als hochbegabte Hackerin und Jordana Brewster als Toretto-Schwester mit den Jungs spielen. Ihre Rollen bleiben allerdings ziemlich blass. Immerhin hat Charlize Theron als Schurkin Cipher erneut ein paar markante Auftritte, und Dame Helen Mirren darf als Diamantendiebin auch mal kurz hinters Steuer.

Neben zünftig orchestrierten Action-Einlagen, die sich im Zehn-Minuten-Takt über zweieinhalb lautstarke Kinostunden verteilen, wartet „F9“ sogar mit knallhartem, psychologischem Tiefgang auf. Denn der Bösewicht ist in diesem Fall kein Fremder, sondern Dominics verhasster, leiblicher Bruder Jakob (John Cena). Dieser möchte mit der Macht eines programmierten Kristallkörpers, der aussieht, als habe man ihn gerade aus einem Fantasy-Fan-Shop gestohlen, die Weltordnung „rebooten“.

Schwerer als die globalen Machtfantasien wiegt jedoch, dass Dominic seinem jüngeren Bruder die Schuld am Tod des Vaters gibt. Der ist seinerzeit mit einem manipulierten Wagen bei einem Rennen in Flammen aufgangen – nicht ohne vorher dem Sohn noch eine Lebensweisheit mit auf den Weg zu geben: „Es geht nicht darum der stärkere Mann zu sein. Es geht darum Größe zu zeigen“, sagt er beim letzten Boxenstopp. Eingefügte Rückblenden zeugen von der Tiefe der traumatischen Verlusterlebnisse, deren rührselige Aufarbeitung „F9“ zeitweise führungslos über das tränenfeuchte Pflaster einer Soap-Opera schlittern lässt. Soviel Gefühl in all dem Krach.

Aber natürlich werden die Emotionen von den verfeindeten Gebrüdern tapfer runter geschluckt. Schließlich sind weder Diesel noch Cena bereit oder in der Lage, ihre hölzerne Mimik um eine zweite oder dritte Nuance zu erweitern. Und so hat dieser neunte Aufguss der „Saga“ (Eigenbezeichnung der Marketingabteilung) vor allem auf dem Gebiet der halbfreiwilligen Komik einiges zu bieten, wodurch die Redundanz des Action-Spektakels erfolgreich aufgelockert wird.

Selbstverständlich ist „Fast & Furious 10“ schon in der Pipeline, und man darf gespannt sein, wann der erste Tesla mit Elektroantrieb ins Sortiment der KFZ-Fetischisten aufgenommen wird.