Er wurde 88 Jahre alt: Eddi Arent — ein begnadeter Komiker ist tot

Er wurde 88 Jahre alt: Eddi Arent — ein begnadeter Komiker ist tot

Der deutsche Schauspieler wurde mit Edgar-Wallace- und Karl-May-Filmen bekannt. Er starb im Alter von 88 Jahren.

Der deutsche Schauspieler wurde mit Edgar-Wallace- und Karl-May-Filmen bekannt. Er starb im Alter von 88 Jahren.

Seine Kunst bestand vor allem aus Minimalismus: Eddi Arent verkehrte den Inbegriff des deutschen Bürokraten ins Komische und war dabei in seinen besten Momenten Buster Keaton nicht unähnlich.

Arent war in seinen Filmen der Butler, der Polizeifotograf oder ein Kriminalassistent, seine Rollennamen waren dabei so austauschbar wie die Figuren: Haggett, Parker, Edwards. Am Ende war Eddi Arent aber immer Eddi Arent. Manchmal nervig, manchmal anrührend lustig, weil er seine Bandwurmsätze mit ernstem Hintersinn sprach.

Arent relativierte in den Edgar-Wallace-Filmen stets das Böse, verkörpert meist von Klaus Kinski, und adelte die Werke mit seinem sanften Humor. Bereits vor einigen Tagen ist der Schauspieler, wie am Mittwoch bekannt wurde, im Alter von 88 Jahren gestorben. Arent ist Anfang der Woche beigesetzt worden.

Angefangen hat Arent, Sohn des Leiters der Danziger Wasserwerke, nach dem Krieg als Kabarettist. Er trat im literarischen Kabarett "Der Widerspiegel" auf, später auch in der "Mausefalle" und in der Kleinkunstbühne "Die Zwiebel". Zeitzeugen sagten von Gebhardt Georg Arent, den Freunde nur Eddi nannten, dass er sein komisches Talent auch im Privaten zeigte — selbst mit ihm nach dem Krieg irgendwo Schlange zu stehen, soll unterhaltsam gewesen sein. Arent zog es freilich zu Größerem.

Die erste Filmrolle hatte er 1958, in "Der Arzt von Stalingrad". Bereits ein Jahr später tauchte er als Butler James in "Der Frosch mit der Maske" auf — es war der Beginn seiner Karriere als perfekter "sidekick", also als Partner der Stars, der diese durch sein brillantes, aber auf sie ausgerichtetes Spiel oft besser aussehen lässt.

Er stapelte gerne tief

Arent selbst stapelte gerne tief, was seine Fähigkeiten anging. Er sei "ein ganz gewöhnlicher normaler Gebrauchsschauspieler", sagte er einmal und verkannte dabei, dass die Zuschauer ihn für sein Understatement liebten.

Im Gegensatz zu den gerade bei Edgar Wallace besonders schurkischen Schurken und heldischen Helden wirkte Arent in seiner übertriebenen Bodenständigkeit oft erfrischend normal. Wenn einer das breite Publikum zur Identifikation einlud, dann er — selbst wenn er Melone oder Tropenhelm trug. Auch der Wilde Westen war nicht vor Arents Komik sicher; als Greenhorn Lord Castlepool ritt der Schauspieler durch drei "Winnetou"-Verfilmungen.

Als die Edgar-Wallace- und Winnetou-Filme Ende der 60er und Anfang der 70er ausliefen, wurde es etwas stiller um Eddi Arent. Rollen aber gab es weiterhin für ihn, wenn auch nicht von größerer Durchschlagskraft. Die erreichte er noch einmal mit der TV-Sketch-Reihe "Harald und Eddi" an der Seite von Harald Juhnke. Vier Staffeln wurden ab 1987 abgedreht, danach hatte sich die Schauspielerei so gut wie erledigt. Dabei galt er als besonders effektiv: "Drehe sparend — dreh mit Arent" lautete ein geflügeltes Wort.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte der große Komiker in einem Seniorenheim. Statt Rampenlicht bevorzugte er das ganz normale Leben, so wie er es sich 1988 in dem Sketch "Robert Redford an der Bar" mit Juhnke erträumte: "Ich sitze hier als ein ganz normaler Mensch, habe vor mir ein ganz normales Glas und in meinem Hals einen stinknormalen Durst, und den möchte ich jetzt damit löschen; und ich bin nicht prominent, ich bin kein Künstler und ich möchte endlich meine ganz normale Ruhe haben."

(RP/jco)
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