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Neuer Marvel-Film Mit Doctor Strange ins Multiversum

Benedict Cumberbatch spielt erneut den exzentrischsten Charakter innerhalb der Marvel-Welt. „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ hat Elemente eines Horrorfilms. Man spürt große Experimentierfreude, die die Produktion indes bisweilen etwas anstrengend macht.

 Xochitl Gomez als America Chavez, Benedict Wong als Wong (M.), und Benedict Cumberbatch als Doctor Strange.

Xochitl Gomez als America Chavez, Benedict Wong als Wong (M.), und Benedict Cumberbatch als Doctor Strange.

Foto: AP/Jay Maidment

Im Kollegium der Marvel-Superhelden gehört Doctor Strange ins Lager der Exzentriker und stieß erst spät zum Blockbuster-Sortiment des Konzerns. 1968 von Steve Ditko entworfen wurden die Rechte für die Comic-Figur seit Ende der 1980er-Jahre von einem Studio ans nächste verkauft, ohne dass es zu einer Verfilmung kam. Der eigensinnige Magier erschien zu sperrig für den damaligen Markt, der eher von zugänglicheren Helden geprägt war. Schließlich nahm Marvel selbst das Heft wieder in die Hand und schickte 2016 Benedict Cumberbatch als „Doctor Strange“ ins Rennen, der zuvor in der BBC-Serie „Sherlock“ sein Gespür für unkonventionelle Charaktere bewiesen hatte.

Cumberbatch erschien wie geschaffen für die Rolle des arroganten Neurochirurgen, der nach einem Autounfall seine Hände nicht mehr benutzen kann und in Nepal nach spiritueller Heilung sucht. Dort wird der zu bekehrende Egozentriker in die Disziplin der metaphysischen Kampfkunst eingeweiht, wozu auch Reisen kreuz und quer durch das Zeit-Raum-Kontinuum gehören. In spektakulären 3D-Aufnahmen wurden hier Großstädte einmal nicht in Schutt und Asche gelegt, sondern halluzinogen ineinander gefaltet, mehrfach gespiegelt und verdreht, als hätte M. C. Escher persönlich hinter der Kamera gestanden.

Wenn nun das Sequel unter dem Titel „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ in die Kinos kommt, ist das Verheißung und Warnung zugleich. War die filmische Realität im ersten Teil schon eine wenig verlässliche Größe, wird nun das Portal zu einer noch verrückteren Erzählweise geöffnet. Die ­Story schließt an den jüngsten Spider-Man-Film „No Way Home“ an, in dem Peter Parker mit Doctor Stranges Hilfe die Grenzen des schnöden Universums hinter sich ließ, um im sogenannten Multiversum mehreren Versionen seiner selbst zu begegnen.

Nach dieser humorvollen Einführungsveranstaltung steigen Regisseur Sam Raimi und Drehbuchautor Michael Waldron („Loki“) mit ihrem „Doctor Strange“ gleich in die höhere Algebra der Multiversums-Forschung ein. Munter springt die Handlung zwischen verschiedenen Realitätsebenen hin und her. Da reicht auch schon einmal eine kurzer Fingerzeig von Wanda alias Scarlet Witch (Elisabeth Olsen), um einen blühenden Apfelhain in eine postapokalyptische Landschaft zu verwandeln.

Die Hexe, der im vergangenen Jahr mit „Wandavision“ auf Disney+ Plus eine Serie gewidmet wurde, mausert sich von der „Avengers“-Randgestalt zunehmend zum Superstar des „Marvel Cinematic Universe“ (MCU) und stiehlt auch hier der Titelfigur die Show. Die traumatisierte Magierin hält als tragische Frauenfigur von Shakespeare‘scher Wucht das ganze Multiversum in Atem. „Ich bin kein Monster. Ich bin eine Mutter“, sagt Wanda, die mit aller Kraft versucht, zu jener Existenz zurückzukehren, in der sie glücklich mit ihren beiden geliebten Söhne leben konnte. Dafür ist sie nicht nur bereit, die fragile Ordnung des Multiversums aufs Spiel zu setzen, sondern auch die junge America Chavez (Xochitl Gomez) zu opfern, deren übernatürliche Kräfte für den Seelentransfer durch Raum und Zeit gebraucht werden.

Olsen verkörpert perfekt die tiefe Sehnsucht nach einer alternativen Realität und kann Angelina Jolie als böse Fee in „Maleficent“ durchaus das Wasser reichen. Derweil arbeitet Cumberbatchs Doctor Strange eher unscheinbar als Beschützer und Weltenretter weiter an seinen altruistischen Fähigkeiten, begegnet mehreren Versionen seiner selbst bis hin zum halb verwesten Zombie und trauert nebenberuflich seiner unerfüllten Liebe Christine Palmer (Rachel McAdams) nach, die – dem Multiversum sei dank – vom „love interest“ zur aktiv handelnden Figur aufsteigt.

„Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ dürfte wohl als erster Marvel-Horror-Film in die Firmengeschichte eingehen. Sam Raimi, der nicht nur für die ersten „Spider-Man“-Filme verantwortlich zeichnet, sondern in seinen frühen Werken von „Tanz der Teufel“ (1981) bis zu „Drag Me To Hell“ (2009) umfangreiche Erfahrungen im Gruselgenre sammeln konnte, darf seine morbiden Leidenschaften im Mainstream-Format ausleben. Sein Film richtet sich an die jugendliche und erwachsene Marvel-Genre-Fans und ist als gemütlicher Familienfilm zum Sonntagnachmittag nur bedingt geeignet.

So erfreulich es sein mag, dass sich der Comic-Konzern deutlich experimentierfreudiger zeigt, kommt das Konzept des selbstreferenziellen, multiversellen Erzählens in „Doctor Strange“ auch deutlich an seine Belastungsgrenzen. Auf einer Filmlänge von 126 Minuten wirkt das wilde Gehopse zwischen den Universen und das Arsenal an geklonten Charakteren eher ermüdend als berauschend. Da können auch die redundanten Zauberschlachten und ausuferndes Tai-Chi-Gefuchtel nicht über die dramaturgische Unübersichtlichkeit und die mageren Figurenentwicklungen hinwegtäuschen.

Doctor Strange in the Multiverse of Madness, USA 2022 – Regie Sam Raimi; mit Benedict Cumberbatch, Elizabeth Olsen, Xochitl Gomez, Rachel McAdams, Benedict Wong; 126 Minuten

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