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"Diana" mit Naomi Watts im Kino: Ein Sonntagmorgen-Fernsehfilm

Kinofilm über die Königin der Herzen : Lady Di und die Liebe zum Chirurgen

Der Film "Diana" des deutschen Regisseurs Oliver Hirschbiegel beleuchtet die letzten Lebensjahre der Königin der Herzen. Das ist Klatsch, abendfüllend gedehnt.

Das ist eigentlich kein Kinofilm, "Diana" muss man vielmehr als Zeitschrift verstehen, als gut aussehende, aber nicht immer seriöse Fantasie darauf, wie prominente Menschen miteinander sprechen, wenn die Türen zum Schlafzimmer geschlossen sind.

Regisseur Oliver Hirschbiegel, der mit dem "Untergang" berühmt wurde und Bruno Ganz die Rolle gab, die er nicht mehr los wird, beschäftigt sich mit den letzten beiden Lebensjahren von Lady Diana. Nicht so bekannt, jedenfalls hierzulande nicht, ist die Tatsache, dass der wichtigste Mann in Dianas Leben seit 1995 eben nicht jener windige Dodi Al Fayed war, mit dem sie 1997 in Paris in den Tod raste, sondern ein grundsolider und etwas untersetzter pakistanischer Herzchirurg namens Hasnat Khan.

Diana begegnete ihm in einem Krankenhaus, sie kehrte jeden Tag unter einem Vorwand zurück, und schließlich wurden die beiden ein Paar. Man traf sich in Khans Wohnung in Chelsea und im Kensington Palace, den Diana damals bewohnte. Sie sprachen über Heirat, Diana besuchte Khans wohlhabende Familie in Lahore, doch die Mutter lehnte Diana ab, und der unglückliche Khan heiratete schließlich die Frau, die ihm von der Familie ausgewählt wurde.

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Ein Sonntagmorgen-Fernsehfilm

Der Film zeigt das Versteckspiel der Liebenden. Khan legte sich auf die Rückbank von Dianas Autor, sie zog eine Wolldecke über den Mann, so passierten sie die Palastwachen. Das ist eigentlich ein Sonntagmorgen-Fernsehfilm, die Interieurs wirken allzu aufgeräumt, das Licht ist immer warm und schmeichelhaft, und die Kostüme der Hauptdarsteller sitzen akkurat. Klatsch, abendfüllend gedehnt, unterhaltsam immerhin. Das Problem ist nun, dass nicht so recht klar wird, was Hirschbiegel eigentlich will.

Wenn es ihm allein um die märchenhafte Liebesgeschichte gegangen wäre, hätte er die Romanze nicht so hölzern inszeniert. Wenn er Diana von dem Ruf hätte befreien wollen, ein Opfer der Medien zu sein, um sie stattdessen als selbstbewusste Regisseurin ihrer Karriere zu zeigen, hätte er engagierter zu Werke gehen müssen. Er hätte dann auch ihren Konflikt mit dem Königshaus dokumentieren müssen. Aber Charles und all die anderen kommen nicht vor, da sind nur Diana und Khan.

"Diana" sieht allzu brav aus und ist ziemlich süßlich, die Schauspieler wirken verkleidet, und warum Noami Watts die Titelrolle angenommen hat, vermag man nicht zu beantworten. Ein weiteres Problem ist das Drehbuch, die Dialoge sind mitunter hanebüchen. Sie klingen hilflos, als hätte sich ein Autorenteam Gedanken darüber gemacht, wie derart bekannte Menschen wohl reden, wenn keiner zuhört. Das Ergebnis pendelt zwischen rührend-naiv und hölzern. Khan: "Der Triumph eines Arztes ist immer nur vorübergehend, das habe ich von Victor Chang gelernt." Diana: "Das war der Mann, bei dem Du unten in Sydney studiert hast."

Folgt man der Argumentation des Films, der sich wiederum auf die einschlägigen Monographien beruft, bendelte Diana nur deshalb mit Dodi an, weil sie Khan eifersüchtig machen wollte. Khan wurde von Journalisten zum Filmstart aufgespürt. Er lebt in London, ist geschieden. Als er gefragt wurde, ob er sich "Diana" ansehen werde, schüttelte er den Kopf. Der Überlebende des Dramas ist ein Gentleman.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Naomi Watts in dem Kinofilm "Diana"

(RP)