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"The Expendables" im Kino: Der Wumms der späten Jahre

"The Expendables" im Kino : Der Wumms der späten Jahre

(RP). In dem Action-Film "The Expendables" kämpfen die Eisenfäuste des 80er-Jahre-Kinos gemeinsam gegen das Böse. Die selbstironischen Auftritte von Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis umweht Pensionärs-Wehmut. Hart zur Sache geht es trotzdem.

Es gibt in diesem Film eine Szene, die so schön ist wie der Moment, wenn die Rolling Stones in einem ihrer aktuellen Konzerte das Lied "Satisfaction" spielen. Bruce Willis steht da, er hat einen Job zu vergeben, ein Schurkenstaat in Südamerika soll von Schurken befreit werden, und beworben haben sich Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger.

Die beiden ehemaligen Konkurrenten treffen aufeinander, der mit durchgedrücktem Rücken im Anzug auftretende Schwarzenegger sagt: "Du hast Gewicht verloren." Und Stallone, der hier einen ins T-Shirt gepressten Schmuddel spielt, antwortet: "Und du hast es gefunden." Das sieht nicht mehr so gut aus wie früher, erheitert aber trotzdem, denn was man hört, klingt wie die Erinnerung.

Film für die so genannten Best Ager

"The Expendables" heißt die Produktion, die man als ersten Action-Film für die so genannten Best Ager bezeichnen kann, für Menschen ab 50 also. Jungspund Jason Statham (37) spielt zwar mit, ansonsten hat Regisseur und Hauptdarsteller Sylvester Stallone (63) all jene zusammengetrommelt, die bereits in den 80er Jahren im Kino die Weltretter vom Dienst waren oder einfach gut zuschlagen konnten: neben Schwarzenegger (63) und Willis (55) noch Mickey Rourke (57), Jet Li (47) und Dolph Lundgren (52), der inzwischen aussieht wie ein kaputter Kühlschrank.

Keiner von ihnen ist seit den Erfolgen von "Rocky", "Rambo" und "Stirb Langsam" mit Anmut gealtert — was aber nicht schlimm ist, weil es ihnen ja nie um Anmut ging. Allerdings hat im High-Tech-Kino der Gegenwart keine der Eisenfäuste mehr die Zugkraft, einen Film allein zum Erfolg zu machen. Die Muskeln, die sie sich vor 40 Jahren aufgeladen haben, drücken nun schwer auf die Knochen, und so schleichen die Jungs wie traurige Bären durch die Kulissen. Vor allem bei Stallone, der seine Augen neuerdings mit Kajal schwärzt, sieht das herzzerreißend und ziemlich komisch aus: ein gedrungener Kerl mit Armen so dick wie die Oberschenkel von Lothar Matthäus. Bei einem Stunt zog Stallone sich einen Haarriss in einem Halswirbel zu. Er musste genagelt werden.

Mit ihrer körperlichen Verfassung geht die Truppe offensiv um. Schon der Titel ist selbstironisch: "The Expendables" bedeutet so viel wie die Überflüssigen oder die Entbehrlichen. Sie arbeiten als Söldner, die sich nicht um die Bedingungen eines Jobs kümmern, wenn nur das Geld stimmt. Mit klapprigem Gerät reisen sie nach Südeuropa und Lateinamerika, killen und brandschatzen und kehren reich heim. Das Kokettieren mit dem Altmodischen ist indes durchaus als Statement gegen die digitale Aufrüstung der Branche zu verstehen. Bei Stallone und seinen Kraftmeiern stehen noch Freundschaft und Ehre an erster Stelle, und Gegner werden nur erledigt, wenn man das Weiße in ihren Augen erkennen kann. Es geht diesen Figuren also nicht nur ums körperliche, sondern auch ums moralische Überleben.

Man trifft sich zum Messerwerfen

So beschwört der Film gleich zu Beginn die Freuden der tequilaseligen Kumpel-Kameradschaft. Man taxiert Frauen, die oben aufgepustet aussehen und hinten Schlagseite haben und unten irgendwie langgezogen wirken. Man legt einander zur Begrüßung die Faust ans Kinn und sagt Sätze wie "Weißt du noch, damals in Bosnien?". Man trifft sich zum Messerwerfen und Zuprosten im Tattoo-Studio. Der Laden wird geführt von einem Typen im Ed-Hardy-Chic, der den Gästen vom Motorrad aus Farbe unter die Haut sticht. Er ist arg durchgerockt und hat es mit den Botox-Behandlungen im Gesicht ein wenig übertrieben. Mickey Rourke musste sich für diese Rolle nicht eigens umziehen.

Der Fortgang ist genreüblich: Das Team bricht auf, um einen Diktator zu stürzen, eine Frau kommt dazwischen, einer verliebt sich in sie, das macht alles kompliziert. Es hilft nur: Amoklaufen. Nun muss viel geballert, verdroschen und in Brand gesteckt werden.

Intesives Rattern und Klatschen

Im letzten Viertel der 100 Minuten wird das Rattern und Klatschen so intensiv, dass die Soundkulisse wie die Percussion bei einem afrikanischen Stammes-Ritual anmutet. Es könnte also sein, dass es der Trance geschuldet ist, wenn man den Film mag.

Wahrscheinlich steckt aber mehr dahinter. Rund 65 Millionen Dollar hat der Film binnen weniger Tage in den USA eingespielt. Das mit kleinem Budget gedrehte Werk führt die Kino-Charts seit zwei Wochen souverän an. Und das liegt sicher auch an der Muckibuden-Romantik, die als feine Brise die schweißnassen nackten Oberkörper erfrischt. Einmal wird ein Expendable von seiner Geliebten betrogen, weil er so lange weg gewesen ist. Der Neue ist gemein, er schlägt der Frau ein Veilchen.

Also kommt der Expendable zurück und haut den Neuen aber so was von zu Klump. Danach schwingt sich der edle Rächer aufs Motorrad, schaut seiner Ex in die Augen und sagt: "Du hättest auf mich warten sollen. Ich wäre es wert gewesen." Gasgeben, Motorheulen, Sonnenuntergang.

Manchmal ist es super, ein Mann zu sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "The Expendables" macht Action-Träume wahr

(RP)