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"Im Wendekreis der Eidechse": Der letzte Film von Helge Schneider

"Im Wendekreis der Eidechse" : Der letzte Film von Helge Schneider

Der Komiker hat angekündigt, dass "Im Wendekreis der Eidechse" seine letzte Kinoarbeit sein wird. Wie schade!

Helge Schneider gehört zu den wenigen deutschen Künstlern, die tatsächlich machen können, was sie wollen. Nicht, dass ihm das nicht total egal wäre. Das ist ja sein Geheimnis. Was soll man schon zu einem begnadeten Komiker sagen, der selbst den sinnlosesten, langatmigsten Gag mit dem unermüdlichen Spaß eines Kindes zelebriert? Da sagt man gar nichts. Da lacht man einfach. "00 Schneider — Im Wendekreis der Eidechse" ist Schneiders Fortsetzung des 19 Jahre alten "00 Schneider — Jagd auf Nihil Baxter".

Wer Helges Bühnenauftritte kennt, weiß, dass der Mann Zeit hat. Und Polizeilegende Roy Schneider wird nach wie vor gebraucht, denn in Mülheim gehen böse Buben um. 00 macht einen notorischen Popo-Grabscher (Rudi Olbrich) dingfest, indem er sich undercover in Fummel und Pumps wirft und als Lockvogel über den Straßenstrich stöckelt. Immer dabei: sein geliebter Pomeranian Spitz.

Spätestens nach diesem Einstieg hat der Regisseur, Drehbuchautor, Filmmusik-Komponist und Darsteller Schneider sie wieder alle in der Hand. Die Fans, die Ruhrpöttler, die Gelegenheitszuschauer. Und 00 ist natürlich noch nicht fertig: Ein Huhn wurde geklaut und eine Kioskbesitzerin mit einer ätzenden Flüssigkeit bespuckt. Dahinter steckt Meisterverbrecher Jean-Claude "Die Eidechse" Pillemann, gespielt von Rocko Schamoni. Schneider eröffnet die ebenso gnaden- wie orientierungslose Ermittlung. Orientierungslos, weil die zwei im Lauf des Films sehr oft gekonnt aneinander vorbei tänzeln. Aber wir haben ja Zeit.

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Helge Schneider ist und bleibt Geschmackssache. Wer ihn nicht mag, wird auch diesmal nichts zu lachen finden. Er ist immer da am witzigsten, wo nichts passiert. Deshalb verzichtet Schneider auch auf dynamische Elemente, sinnvolle Dialoge, dramaturgische Höhepunkte und andere Belanglosigkeiten. Wo Kollegen wie Mario Barth und Kaya Yanar an der Aufgabe scheiterten, ihr Kalauer-Gehechel auf die Länge eines abendfüllenden Kinofilms zu dehnen, erklärt er den Inhalt zur Nebensache. Die besten Szenen könnten auch autarke Bühnennummern sein. Anarchisch brillant die Sitzung beim Psychiater, zum Brüllen das Bewerfen eines Staubsaugervertreters mit Pfannkuchen. Die Amateurdarsteller, meist alte Freunde, hat Schneider sichtlich dazu angehalten, ihre Sätze nach Kräften plump aufzusagen. So ist tatsächlich der Pomeranian Spitz der ausdrucksstärkste Mime am Platz.

Ursprünglich wollte Schneider in Spanien drehen, musste aber wegen deutscher Fördergelder größtenteils im Land bleiben. Ein paar Tage in Spanien legte er trotzdem ein. Im Film führt das nun dazu, dass er in seiner Heimatstadt Mülheim herumkurvt, um plötzlich an einer mediterranen Steilküste oder einer mondänen Strandpromenade zu parken. Ungefähr so, stellt man sich vor, würde ein Zwölfjähriger eine Hommage an die verqualmten Copkrimis der Siebziger drehen. Zwischendurch ein bisschen Orgel oder Gitarre spielen, das lässt sich der versierte Jazzmusiker Schneider nie nehmen. Die Kamera so halten, dass mal der Kopf, mal die Beine der Schauspieler fehlen. Doch hinter dem Dadaismus, der Seventies-Deko, dem Schrauben von Gags ins Endlose steckt viel harte Arbeit. Schneider hat es selbst gesagt, auf der Bühne bei der Premiere in der Essener Lichtburg. Auch gab der 58-jährige dort bekannt, dass dies sein letzter Film ist. Das macht ein wenig traurig. Für 00 Schneiders kleine Tanzeinlagen würde man sogar einen weiteren Kinoabend voller Leerlauf in Kauf nehmen. llll

(RP)